Theater Wismar : Tosender Beifall und kleine Lücken

Die Norddeutsche Philharmonie Rostock spielte zur Wiedereröffnung des Wismarer Theaters.
Die Norddeutsche Philharmonie Rostock spielte zur Wiedereröffnung des Wismarer Theaters.

Hoch verschuldete Kreisstadt eröffnet 5-Millionen-Euro-Theaterbau. Gesamtverschuldung liegt bei 105 Millionen Euro

svz.de von
09. Dezember 2014, 00:26 Uhr

„Danke, danke, danke!“ – Thomas Beyer konnte sein Glück kaum fassen, als das Theater der Hansestadt nach mehr als eineinhalbjährigem Umbau pünktlich zum anvisierten Termin wiedereröffnet wurde. Nicht ganz fertig zwar, weil zukünftige Kammerbühne, Theaterklause und Künstlergarderoben nicht rechtzeitig fertig geworden waren. Aber immerhin: Der Eröffnungstermin Anfang Dezember wurde gehalten. Die Sanierung des Theaters schlägt mit 5,44 Millionen Euro zu Buche.

Dennoch geht die Eröffnung als Tag der Freude für alle Theaterfreunde in Wismar, Nordwestmecklenburg und darüber hinaus in die Geschichte ein. Mit der Aufführung der 5. Symphonie von Tschaikowski endete nach eineinhalb Jahren die Sanierung, folgte die feierliche Eröffnung. Doch vor der Aufführung der 5. Sinfonie von Tschaikowski, gespielt von der Norddeutschen Philharmonie Rostock, gab auch einige unschöne oder unpassende Nebengeräusche. Und die ausgerechnet in den Begrüßungsreden von Theresa Eberlein und Thomas Beyer.Kritiker„Liebe Kritiker“, so der Bürgermeister, „sehen Sie es doch einmal so: Mit Blick auf den in Betracht gezogenen und geprüften Umzug des Theaters von der Philipp-Müller-Straße an die Schweinsbrücke und den dafür geschätzten 15 Millionen Euro Baukosten haben wir mit der Beibehaltung des alten Standorts knapp 10 Millionen Euro gespart.“

Für diesen unpassenden Vergleich erntete Thomas Beyer bei einer städtischen Gesamtverschuldung von circa 105 Millionen Euro zwar ein paar genauso unpassende Lacher, mehr aber auch nicht.

Mit Blick auf die vielen Kritiker des jetzt wiedereröffneten Theaters bedankte sich der Bürgermeister im weiteren Verlauf bei all jenen, die den Umbau des Theaters am alten Standort „... unverdrossen unterstützten. Insbesondere aber bei den Fraktionen der großen Parteien in der Bürgerschaft“.

Zur Erinnerung: Vor allem die kleinen Oppositionsfraktionen FDP, FÜR Wismar und Bürgerfraktion hatten in der zurückliegenden Wahlperiode massive Kritik an den ausufernden Kosten der Theatersanierung geübt. Zuletzt musste die aktuelle Bürgerschaft im September diesen Jahres zähneknirschend eine weitere Aufstockung des Sanierungsetats um 400 000 Euro bewilligen.

Die Stadt nennt dies Improvisation: „Dass wir in Wismar gut improvisieren können, haben wir alle vor wenigen Minuten live erleben dürfen“, sagte Thomas Beyer mit Blick auf die Reparatur der zur Eröffnungszeremonie ausgefallenen Mikrofonanlage. Improvisation sei etwas, was Theaterleute beherrschen müssten. „Auch beim Haushalt der Hansestadt haben wir immer wieder improvisieren müssen. Die Kunst der Improvisation besteht aber darin, alles so aussehen zu lassen, als wäre es so geplant gewesen.“

Zu den von Theaterleiterin Theresa Eberlein übrigens nicht ausdrücklich begrüßten Gästen gehörte Rainer Wilcken. Der langjährige Theaterdirektor verfolgte die Wiedereröffnung der modernisierten Spielstätte, die er in den Jahren von 2001 bis 2011 entscheidend mitgeprägt hatte, im Gegensatz zu seiner Namensvetterin und langjährigen Wismarer Bürgermeisterin Dr. Rosemarie Wilcken nicht aus der ersten Reihe, sondern nur von der Empore.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen