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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

25. November 2017 | 10:52 Uhr

Tierheim Roggendorf : „Tonys“ letzte Monate

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Ein Schäferhund wird im Tierheim aufgepäppelt und soll ein neues Zuhause finden Ärzte geben ihm nicht mehr lange

svz.de von
erstellt am 10.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Rein äußerlich ist Tony sein Elend nicht mehr anzusehen. Wohl genährt flitzt er in seinem Gehege umher. Aufmerksam verfolgt der Schäferhund das Geschehen um ihn herum.

Der Eindruck trügt. Gewaltig. Schäferhund Tony hat wohl nur noch ein paar Monate zu leben. Mehr geben ihm die Tierärzte nicht mehr. Dabei ist der Schäferhund erst fünf Jahre alt. „Seine Nierenwerte sind katastrophal“, sagt Meike Jaworksi vom Tierheim Roggendorf. Seit August wird der Hund hier aufgepäppelt. Dreimal täglich bekommt er Futter, wird medizinisch versorgt. Doch seine Lage ist dramatisch.

Im August war Tony nur durch Zufall dem Hungertod entkommen (SVZ berichtete). In der Nähe eines Gehöftes bei Nienmark entdeckten ihn Passanten bei einem Spaziergang. Als sie um die Ecke blickten, fanden sie das Tier eingesperrt in einem Zwinger. Da ist Tony nur noch Haut und Knochen. Wahrscheinlich musste er wochenlang gehungert haben. Aus Verzweiflung hat er wohl auch die Decke in seinem Zwinger gefressen. Darauf hatten Spuren im Kot hingedeutet. Polizei und Veterinäramt befreiten Tony, die Roggendorfer Tierschützer kämpfen wochenlang um sein Leben. Seine Organe haben schweren Schaden genommen.

„Er ist nicht ganz einfach“, sagt Meike Jaworski vom Tierheim heute. „Tony ist unsicher und mit neuen Situationen überfordert.“ Dann legt er ein atypisches Verhalten an den Tag, dreht sich im Kreis, versucht sich in den Schwanz zu beißen. Auch das Spätfolgen seiner schlechten Haltung. „Tony ist reizarm gehalten worden“, sagt Meike Jaworski. Das heißt, er hatte wenig Kontakt zu Menschen und anderen Tieren. Deswegen sei er schnell überfordert. Aber nicht aggressiv. Im Tierheim gehen sie regelmäßig Gassi mit dem Hund und Tony erkundet sein Umfeld. „Es ist schon viel besser geworden“, sagt Tierschützerin Jaworski. Auch deshalb suchen sie nun ein neues Zuhause für Tony. „Er braucht einen Halter, der ruhig und souverän ist“, sagt Meike Jaworksi. Kinder und andere Tiere sollten nicht im Haushalt leben. Einige Interessenten gebe es schon und die müssen sich auf eine längere Entwöhnung vom Tierheim einstellen. Und darauf, dass Tony wohl nicht mehr lange zu leben hat. „Aber wer weiß“, sagt Meike Jaworski. „Totgesagte leben länger.“

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