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Serie Naturnah : Tolle Knollen auf dem Kastanienhof

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

„Blauer Schwede“ und „Roter Kardinal“ haben keine Chance gegen „Linda“ und „Annabell“


Sie sind Grundnahrungsmittel und Delikatesse, sie sind gesund und giftig zugleich, sie haben Menschenleben auf dem Gewissen und millionen Menschen vor dem Hungertod bewahrt, sie haben Geschichte geschrieben, ihretwegen wurden Kriege geführt und für Goethe, Ringelnatz und Claudius waren sie Inspiration für Lyrik und Geschichten: Kartoffeln stehen nachweislich seit 13 000 Jahren auf dem Speiseplan der Menschen. Die frühen Völker Südamerikas haben sie als erste kultiviert.

Kartoffeln sind auch aus unserem Kastanienhof Garten nicht wegzudenken. Ich baue sie als Futter für unsere niedlichen, dicken Wollschweine und natürlich auch als Leckerbissen für unsere Gäste und uns an.

Mein Partner Dirk verarbeitet in unserer Küche Unmengen von Kartoffeln. Immer wieder lässt er sich neue Variationen rund um die Kartoffel einfallen. So gibt es für unsere Restaurantgäste neben den Kartoffel-Standards wie Klöße, Kartoffelspalten und gekochte, fritierte und gebratene Kartoffeln allerlei Neues. Kartoffelschaum mit Trüffeln oder gerösteten Walnüssen und gebutterte Kartoffeln mit fein gehackter Minze lassen unsere Restaurantgäste wohlig schnurren.

Mohnkartoffeln veranlassen viele zur Frage, ob die auch ungefährlich sind oder gar „high“ machen. Und gebackene Kartoffeln mit schwarzen gepfefferten Johannisbeeren, Rhabarber-Zwiebel Chutney oder gerösteten Brennnesseln wurden von vielen Gästen erstmalig bei uns probiert.

Um den Anforderungen unserer Kastanienhof Küche gerecht zu werden habe ich in den letzten Jahren viel mit Kartoffeln herumexperimentiert und mich richtig ins Zeug gelegt.

Alte und neue Sorten wurden dank Internet überall in Europa eingekauft und mit mehr oder minder gutem Erfolg ausprobiert. Das Kartoffeljahr schlechthin war 2014, als ich 73 verschiedene Sorten in unserem Garten anbaute.

Viele von ihnen trugen klangvolle Namen, wie „Blaue Mauritius“, „Red King Edward“ oder „Schwarze Prinzessin“ und wurden zu allererst im Eigenversuch probiert.

Die meisten der 73 Sorten waren allerdings Durchfaller. Die farbigen Sorten wie „Blauer Schwede“ oder „Roter Kardinal“ waren nur im Rohzustand Hingucker. Gekocht verwandelten sie sich in mehlige graue Häufchen. Übrig geblieben für unsere Abendmenues sind lediglich die Kipflersorten, wie „Tannenzapfen“, „La Ratte“ und „Naglener Kipfler“ und natürlich die Dauerbrenner „Linda“ und „Annabell“.

Ich gebe mir immer sehr viel Mühe bei der Kultur der Nachtschattengewächse, zu denen die Kartoffeln bekanntlich gehören.
Ich pflanze sie auf ausgeruhten Boden, den ich zuvor mit Komposterde und Sand gut vermische. Ich häufele die jungen Pflanzen an, um den Ertrag zu erhöhen und hacke immer fleißig Unkraut.

Dennoch lauern überall Feinde und viel Ungemach.
Schnecken haben unsere Kartoffelpflanzen zum Fressen gern und werden von mir freundlich gebeten sie in Ruhe zu lassen oder…, wenn es nicht hilft, umgebracht.

Beim ersten Auftreten von Braunfäule und Kartoffelschorf werden die befallenen Stellen sofort entfernt. Trotzdem bleibt der Anbau von Kartoffeln ein immer währender Krieg. Kartoffelkäfer tanzen auf den Pflanzen Tango und Drahtwürmer, die oberirdisch nicht wahrzunehmen sind, bohren Löcher in unsere Knollen. Eine Vielzahl von Viren und Pilzen hat nicht anderes im Sinn als sich auf unseren Kartoffeln anzusiedeln um sie aufzufressen oder ungenießbar zu machen. Sicher nur um uns zu ärgern.

Besonders das feuchte Klima der letzten Wochen hat unseren Kartoffeln sehr zugesetzt, sosehr, dass ich gegen die Braunfäule an Stielen und Blättern nicht mehr ankam. Gestern habe ich das gesamte Kraut unserer Kartoffelpflanzen abgeschnitten um zu verhindern, dass die Braunfäule auf die Knollen übergeht. Wenn Kartoffeln ohne giftige Pflanzenschutzmittel angebaut werden, ist das die einzige Methode um etwas Ertrag zu retten.

Die Ernte wird so in diesem Jahr gering ausfallen, letztendlich aber hoffentlich ausreichen um unsere Gäste, uns und unsere Wollschweine mit den köstlichen Knollen zu verwöhnen.


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erstellt am 01.Jul.2016 | 20:30 Uhr

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