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Grausiger Fund am Rande Grevesmühlens : Tierschützer retten verwahrloste Jagdhunde

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Es ist unklar, wie viele Hunde auf dem verlassenen Grundstück mit dem herunter gekommenen Gebäude gelebt haben. Nun schritten Tierschützer ein und erlösten die Überlebenden. Sie befanden sich in verheerendem Zustand.

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erstellt am 05.Jun.2013 | 07:12 Uhr

Roggendorf | Es ist nicht klar, wie viele Hunde zuletzt auf dem verlassenen Grundstück mit dem herunter gekommenen Gebäude am Rande Grevesmühlens gelebt haben. 21 sollen es mal gewesen sein, Tierschützer sprechen von 16 Jagdhunden, ein Vertreter der Vereinigung der Meuteführer, der der Besitzer der Hunde angehörte, von neun Tieren. Fest steht hingegen, dass auf Anordnung des Veterinäramtes des Landkreises in der vergangenen Woche vier Jagdhunde in verheerendem Zustand von Tierschützern des Roggendorfer Tierheims von dem Grundstück geholt wurden. Drei weitere Tiere sollen nach Informationen von Tierheimleiterin Annette Herbing woanders untergekommen sein. "In einem Sack haben wir außerdem die Überreste eines total verwesten Hundes gefunden", berichtet Herbing. Von weiteren Hunden, die möglicherweise auf dem Grundstück gelebt hätten, fehle jede Spur.

Für Herbing und ihre Mitstreiter ist es das traurige Ende einer bereits mehrere Jahre währenden Auseinandersetzung mit dem Besitzer der Hunde, "einem Meuteführer, der die Hunde unter haarsträubenden Bedingungen gehalten und sie kreuz und quer vermehrt hat", so Herbing. Die vier Rüden (zwei Mischlinge zwischen Jagdterrier und Deutsch-Kurzhaar sowie zwei Deutsch-Kurzhaar), die seit Mitte vergangener Woche im Tierheim sind, sind in einem schlechten Zustand: "Verhungert, verwurmt, verletzt", sagt Annette Herbing. Woher die unzähligen Narben, die eiternden Wunden und zum Teil angebissenen Ohren der Tiere kommen, kann sie nur vermuten. "Möglicherweise von Jagden, aber wahrscheinlicher von Beißereien der Tiere untereinander", so Herbing.

Wegen der nicht mehr haltbaren Haltungsumstände, dem Zustand der Tiere, ihrem körperlichen Erscheinungsbild und der zahlreichen Verletzungen habe er in der vergangenen Woche initiiert, dass die Tiere abgeholt würden, sagt Karl-Heinz Klamt, Leiter des Fachdienstes Veterinär- und Lebensmittelüberwachung des Landkreises. "Bemerkenswerterweise haben wir zwei Hunde außerhalb der Umzäunung gefunden, zwei auf dem Gelände unter Bedingungen, die nicht geltendem Recht ent sprechen", so Klamt. Ob es weitere Hunde auf dem Gelände gegeben habe, "wird zu klären sein." Bereits seit einiger Zeit sei gegen den Hundebesitzer ein Verfahren gelaufen, die damit gestellte Frist, seine Tiere abzugeben, habe der Mann nicht eingehalten. "Nach Wertung des gesamten Geschehensablaufes ist zu prüfen, ob hier der Verdacht einer Straftat vorliegt oder ob eine Ordnungswidrigkeit Straftatbestand ist", erklärt der Leiter des Fachdienstes Veterinär- und Lebensmittelüberwachung.

Die Vereinigung der Meuteführer, der der Besitzer der Hunde angehörte, hat dem Mann gleich nach Bekanntwerden der Zustände die Kündigung geschickt, sagt Hubertus Crone vom Vorstand des Vereins. "Unser Tierschutzbeauftragter war Anfang des Jahres noch vor Ort. Er hat zu Protokoll gegeben, dass man die Hunde unter diesen Umständen halten konnte, auch wenn viele ihre Tiere unter solchen Umständen vermutlich nicht halten wollen würden", so Crone. Auf Fotos, die ihm Anfang des Jahres vorgelegt sein worden, sei am Ernährungszustand der Tiere jedenfalls nichts auszusetzen gewesen. Was sich jetzt herausstellte, sei eine Schweinerei. "Wir distanzieren uns aufs Schärfste von derartigem Verhalten", so Crone. Er sieht das größte Problem darin, die vier Rüden vermittelt zu bekommen. "Das Beute machen ist bei denen so stark verankert, das kriegt man nicht mehr raus."

Bei Tierheimleiterin Herbing sind bereits Hilfsangebote für die Vermittlung der Tiere eingegangen - von Jägern und Nicht-Jägern. Unterstützung, die dringend benötigt wird. Denn mit den vier Neuzugängen, einem misshandelten Mischling, der ebenfalls vergangene Woche hinzu gekommen ist und weiteren Fundhunden ist das Tierheim bis auf den letzten Platz belegt. "Wir haben jetzt wieder 40 Hunde hier und können damit keinen Hund mehr aufnehmen, weder Fundhunde noch vom Amt beschlagnahmte Tiere", macht Herbing deutlich.

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