Gross Welzin : Tierische Exoten müssen umziehen

Joko, Klaas und Rudi, die Rentiere von Jens Kohlhaus, werden auf ihren Umzug vorbereitet.
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Joko, Klaas und Rudi, die Rentiere von Jens Kohlhaus, werden auf ihren Umzug vorbereitet.

Feriencamp-Besitzer Jens Kohlhaus ist unzufrieden mit Behörden und plant einen Neuanfang in Sternberger Burg

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23. Juli 2015, 23:45 Uhr

Jens Kohlhaus versucht etwas Ruhe in den Stall zu bringen. Mit kleinen Pellets – Trockenfutter für Tiere – lockt er die scheuen Renböcke, versucht sie nach draußen zu bekommen. Da steht schon der Anhänger bereit, der die drei Rentiere Joko, Klaas und Rudi in ihr neues Heim bringen soll. „Wir haben ein schönes großes Gehege für die drei vorbereitet“, freut sich Jens Kohlhaus.

Der Gutshofbesitzer aus Groß Welzin befindet sich derzeit mitten im Umzugsstress. Mit seiner Familie und den zahlreichen Tieren  zieht er auf den Kamelhof Sternberger Burg, rund eine Stunde Autofahrt entfernt. Ganz freiwillig ist der Umzug nicht. Kohlhaus ärgerte sich in der Vergangenheit über  Behörden in Nordwestmecklenburg.  Denn seinen Traum, ein Feriencamp mit exotischen Tieren zu betreiben, konnte Jens Kohlhaus  in Groß Welzin nicht verwirklichen. Hier, auf dem rund zehn Hektar großen Gelände, beherbergte er 20 verschiedene Tierarten. Unter ihnen auch Raritäten, wie die Suri-Lamas, von denen schätzungsweise weniger als 50 Tiere in ganz Europa leben. „Ich habe in die Ausbildung der Tieren viel Arbeit und Zeit investiert“, so der 38-Jährige. Für jede Tierart legte der gelernte Kaufmann für ein Zoofachgeschäft eine extra Qualifikation ab und bildete die  Vierbeiner als Wanderbegleiter aus. „Die Kinder können mit den Lamas und Alpakas die Gegend erkunden und auf den Kamelen auch reiten“, erklärt Kohlhaus. Doch mehr, als die Ausflüge mit den Tieren, konnte er auf dem Gutshof nicht umsetzen. „Durch die Behörden haben wir nicht mehr realisiert bekommen.“ Es scheiterte immer wieder an entsprechenden Zulassungen, so Kohlhaus weiter.  „Und nach acht Jahren ist das schon sehr ärgerlich.“

Auf Nachfrage beim Landkreis Nordwestmecklenburg  zeigte sich Pressesprecherin Petra Rappen verwundert über die Vorwürfe. „Es gab mehrere Nutzungsuntersagungen für Unterstände und Zaunanlagen. Aber zu den Baumaßnahmen wurde nie ein Bauantrag vorgelegt“, so die Sprecherin. „Auch  für ein Kinderferiencamp wurde aus jetziger Sicht kein Antrag gestellt.“

 Der Tierexperte schaut nun zuversichtlich in die Zukunft.  „Wir fangen jetzt ganz neu an und bauen unser  Feriencamp mit exotischen Tieren auf“, sagt Kohlhaus. „Auf dem neuen Hof in Sternberg haben wir viel mehr Platz und Möglichkeiten.“ Auf 25 Hektar zusätzlich zu dem bestehenden Angebot mit den exotischen Tieren gibt   es ein Bettenhaus mit  mehr als 100 Plätzen, in denen Kinder ihre Ferien verbringen können.

 Obwohl der Umzug noch nicht geschafft ist, herrscht schon jetzt Hochbetrieb auf dem neuen Kamelhof. „Wir haben jetzt jede Woche 120 Ferienkinder und bieten das volle Programm mit den Tieren, die schon da sind“, sagt Kohlhaus.

Der Gutshof in Groß Welzin steht jetzt zum Verkauf. „Es waren schon einige Interessenten da, aber einen neuen Käufer gibt es noch nicht“, so Kohlhaus. Nicht ganz leicht fällt ihm die Entscheidung, von Haus und Hof loszulassen. „Ich hatte lange mit dem Umzug zu kämpfen und mir ging es die ersten Wochen gar nicht gut bei dem Gedanken.“ Aber die Freude darüber, das der Traum eines Feriencamps nun endlich in Erfüllung geht, überwiegt. „Die Arbeit mit den Kindern und den Tieren ist einfach der Knaller“, so Kohlhaus, der selbst auch Vater von drei Kindern ist. „Die Zeit mit den  Kindern, die bei uns Urlaub machen, und mit meinen eigenen dazu, ist einfach die schönste im Jahr.“ Und auch an weiteren Ideen fehlt es dem Neu-Sternberger nicht. „Ich kann mir eine Straußenfarm gut vorstellen und auch die Rentiere sollen zum Einsatz kommen.“ Ab Winter  plant Kohlhaus geführte Wanderungen mit den Gefährten des Weihnachtsmannes.

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