zur Navigation springen

Kapazitäten ausgeschöpft : Tierheim Roggendorf muss Hund ausquartieren

vom

Seit vier Monaten lebt Schäferhund Leo in einer Tierpension. 8,80 Euro zahlt das Amt pro Tag für die Unterbringung des Hundes, der im November vergangenen Jahres gefunden und bis heute von niemanden vermisst wurde.

svz.de von
erstellt am 30.Mär.2012 | 10:47 Uhr

Roggendorf | Seit bald vier Monaten lebt Schäferhund Leo in der Tierpension von Ingrid Schulze in Dalberg-Wendelstorf. 8,80 Euro zahlt das Amt pro Tag für die Unterbringung des Hundes, der im November vergangenen Jahres in Ganzow gefunden wurde und bis heute offenbar von niemandem vermisst wird. Knapp 1000 Euro sind rein rechnerisch in den vergangenen vier Monaten an Unterbringungskosten für Leo zusammengekommen. Dabei sollte der Rüde eigentlich im Roggendorfer Tierheim leben. Eigentlich. Doch die Kapazitäten der Einrichtung waren - und sind - ausgeschöpft: 38 Hunde warten bei Tierheimleiterin Annette Herbing und ihren Mitarbeitern derzeit auf neue Besitzer. Platz ist in den 16 Zwingern allerdings nur für 35 Tiere.

Und selbst dann ist es knapp: "Besser wäre es, wenn wir 30 Hunde hätten", sagt Tierheimleiterin Annette Herbing. Bereits vor vier Monaten, als das Tierheim sich kurzzeitig um 41 Hunde kümmern musste, hatte sie vor einem "drohenden Aufnahmestopp" gewarnt, der auch zur Folge hätte, dass Fundhunde sowie durch das Amt beschlagnahmte Tiere nicht mehr aufgenommen werden könnten (wir berichteten). Wie Leo: Weil das Tierheim Ende November, als der etwa fünfjährige Rüde gefunden wurde, keinen Platz hatte, ihn unterzubringen, wurde er in die Tierpension ausquartiert.

Seitdem möchte Tierheimleiterin Herbing Leo zurückholen - nicht zuletzt, weil das Amt die Kosten für die Unterbringung zahlen muss, obwohl zwischen Amt und Tierheim eigentlich ein Pauschalvertrag besteht. "Mit tut das wahnsinnig leid gegenüber dem Amt", betont Herbing. Und sieht zugleich keinen Ausweg aus dem Dilemma. "Seitdem wir das Tierheim vor 15 Jahren eröffnet haben, war es noch nie so schlimm", erklärt sie. Eine Entspannung der Situation sei nicht in Sicht. "Manchmal bekommen wir drei oder vier Fundhunde an einem Tag. Die Fundhunde sind derzeit das größte Problem", macht Herbing deutlich.

Sie weiß ganz genau, dass sich die Besitzer dieser Tiere in den meisten Fällen nicht melden: "Die Hunde werden ausgesetzt und niemand möchte sie zurück, das ist einfach so." Die beiden neuesten Zugänge sind zwei Schäferhundrüden, die in der letzten beziehungsweise vorletzten Woche in und um Zarrentin gefunden wurden. "Der eine ist jünger als ein Jahr und wurde zusammengerollt auf einem Feld an einem Waldrand zwischen Zarrentin und Wittenburg gefunden", so Herbing. Der andere sei in Zarrentin selbst von einem Mann gefunden worden.

Beim Amt Gadebusch weiß man um die prekäre Situation im Roggendorfer Tierheim. "Wir arbeiten sehr gut mit der Einrichtung zusammen und sind froh, dass wir das Tierheim haben", sagt Jürgen Flotow, Sachgebietsleiter für Ordnung und Sicherheit. Er betont: "Dass das Tierheim ein Tier nicht aufnehmen kann, ist eine absolute Ausnahme." Normalerweise zahle das Amt eine Pauschale von 63 Cent pro Einwohner des Amtes zur Deckung der Kosten an das Tierheim. "Es ist ein Einzelfall, dass dieses Tier jetzt in Wendelstorf ist. Aber so schwierig wie momentan ist die Situation auch noch nie gewesen. Frau Herbing verspricht, den Hund so schnell wie möglich dort raus zu holen." Am Besten wäre es, wenn Leo so schnell wie möglich vermittelt werden könnte, sagt Ingrid Schulze von der Wendelstorfer Tierpension. "Er macht sich sehr gut, ist ein sehr lieber und hübscher Hund", betont sie. Interessenten für den lebendigen Rüden hätte es jedoch bisher kaum gegeben. "Schäferhunde sind derzeit ohnehin schwer zu vermitteln und wir wollen ja auch, dass es dem Tier gut geht", erklärt sie.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen