Teure Feuerwehrmontur mit Gewicht

Jeder Kamerad im Land hat mit Spezialkleidung kleines Vermögen von etwa 4000 Euro am Körper/Mit Atemschutz trägt er bei Bränden sogar bis zu 30 Kilogramm

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07. Mai 2018, 21:00 Uhr

Wenn die Feuerwehren in Westmecklenburg ausrücken, tragen die Brandbekämpfer mit ihrer speziellen Einsatzkleidung ein kleines Vermögen am Körper. Und mit Atemschutz ein Gewicht, das schnell auch mal die 30-Kilo-Grenze erreicht.

Die Sirene schrillt. Gerade mal 30 Sekunden hat Nico Müller nun Zeit, um in seine Feuerwehrmontur zu schlüpfen. Unter anderem Stiefel (etwa zwei Kilo) sowie Hose und Jacke (rund fünf Kilo). Letztere mit Reflektoren ist hitzebeständig und muss 300 Grad Celsius aushalten. Der Feuerwehrhaltegurt wiegt rund anderthalb Kilo, der Helm mit Nackenschutz und Visier auf dem Kopf ebenso viel. Kommt er mit Temperaturen um die 1000 Grad in Kontakt, verfärbt er sich gelblich-braun. Die Handschuhe für Brandeinsätze stellen da mit ihren 700 Gramm fast schon ein Leichtgewicht dar.

Doch zurück zu dem Brandmeister, der seit 13 Jahren bei der Feuerwehr Dienst versieht. Derzeit beim Fachdienst Feuerwehr und Rettungsdienst in der Graf-Yorck, also bei der Schweriner Berufswehr, deren Ausrückzeit 90 Sekunden beträgt. „Als Feuerwehrmann, übrigens mein Traumberuf, versucht man gar nicht erst mit Feuer in Berührung zu kommen“, betont der 31-Jährige, der 22 Monate für seine Ausbildung hinter sich gebracht hat. Und damit auch schon Bekanntschaft mit einem sogenannten CSA-Anzug machen durfte. „Bei Gefahrengutunfällen mit Chemikalien kommt der zum Einsatz. In ihm drinzustecken ist ein komisches Gefühl, weil man ohne fremde Hilfe da nicht wieder rauskommt. Es stinkt in ihm nach Gummi“, verrät der gebürtige Ludwigsluster. In einem Brandcontainer habe er auch schon trainiert. „Das war beeindruckend, immerhin herrschen dort bis zu 800 Grad Celsius.“

Die gegenseitige Kontrolle vor dem Einsatz sei oberstes Gesetz, sagt Müller. „Alle Übergänge des Schutzanzuges sind sensible Bereiche, wo Feuer und Hitze die Haut angreifen können. Am schlimmsten ist Wasserdampf, der geht nämlich durch die Kleidung. Deshalb versuchen wir, so wenig wie möglich Wasser an und in das Feuer zu geben.“ Die Kameraden seien truppweise unterwegs. Sollten die Technik versagen oder Unfälle passieren, stünde immer ein Trupp parat, um sofort einzuschreiten. „Wir sind über Funk verbunden. Auch Wärmebildkameras kommen zum Einsatz, um Menschen und Brandherde zu orten. Besonders wichtig ist das in verqualmten Räumen. Jeder muss sich auf den anderen zu 200 Prozent verlassen können. Wer bei der Feuerwehr den Helden spielen will, ist bei uns völlig falsch“, stellt Nico Müller klar.

Das kann Alexander Schulz nur unterstreichen. Er ist zuständig für Kampfmittelbeseitigung und Öffentlichkeitsarbeit im Fachdienst Feuerwehr und Rettungsdienst. „Sicherheit kostet Geld, ist aber das A und O bei der Feuerwehr. Die Ausrüstung spielt da eine ganz wichtige Rolle“, erklärt der 47-Jährige, der selber schon im Schutzanzug gesteckt hat. „Es ist sehr heiß darunter, nach dem Einsatz mit Atemschutzmaske muss man deshalb sehr viel trinken“, berichtet der Stadt-Brandamtmann, der einer von 214 Mitarbeitern im Fachdienst ist. Drei Wachabteilungen mit 109 Kameraden sowie 24 Rettungsassistenten und Notfallsanitäter gewährleisten die Brand- und Rettungseinsätze im Schichtdienst.

„Die Ausrüstung eines einzelnen Feuerwehrmannes umfasst 105 Positionen. Vom Atem- und Gehörschutz, Helm über Leinen, Schlingen, Äxte, Funkgeräte, um nur einiges zu nennen, bis hin zum Sportzeug. Komplett kostet das alles 4126,57 Euro“, weiß Ronald Wiganowski zu berichten. Noch gefährlicher als Feuer sei der Rauch. Die Pressluftatmer und Atemschutzmasken seien deshalb nicht billig. Der Atemschutz könne bis zu 15 Kilo wiegen und belaste bei Einsätzen besonders Herz und Kreislauf. Die Funktionsjacken könnten bis zu 500 Euro kosten, der Helm schlägt mit 360 Euro netto zu Buche. „Die Einsatzkräfte sind ständig hohen Risiken ausgesetzt. Um sie zu minimieren ist Schutzbekleidung zwingend erforderlich. Sie muss zuverlässig vor mechanischen wie thermischen Einwirkungen schützen“, erklärt der 52-Jährige, der für Bekleidung, Ausrüstung und inneren Dienst verantwortlich ist. Der Oberbrandmeister kennt sich deshalb auch bestens bei den Preisen aus. Die Anforderungen an die Kleidung seien von den Unfallkassen der Feuerwehren in Unfallverhütungsvorschriften festgelegt. „Sie haben auch festgelegt, wann sie zu tragen ist“, sagt der gebürtige Schweriner.

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