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Partikelfilter wenig genutzt : Tausende alte Diesel-Autos auf Tour

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vater Staat bietet für den Einbau neuer Partikelfilter zwar 260 Euro bar auf die Hand, doch die Nachfrage fällt gering aus

svz.de von
erstellt am 09.Jul.2015 | 21:00 Uhr

260 Euro bar auf die Hand, wenn der alte Diesel einen neuen Partikelfilter erhält. Das ist das Angebot von Vater Staat. Einen riesigen Ansturm hat die Neuauflage der Partikelfilterförderung für alte Diesel noch nicht ausgelöst: Dabei gibt’s durchaus noch reichlich alte Diesel. Für diese Erkenntnis reichte in Blick in die Bestandsliste. Danach waren allein im Kreis Nordwestmecklenburg zu Beginn der Nachrüstaktion am 1. Februar noch 7334 Diesel-Pkw unterwegs, die alle noch der Schadstoffklasse Euro 1 bis Euro 3 entsprechen. Und Euro 3 abwärts ist der kritische Bereich, in dem sich die Fahrzeughalter die Frage stellen müssen, wie lange das Auto noch halten soll.

Um die Nachrüstung anzukurbeln, hat der Bund Nachrüstprämien in Höhe von 260 Euro ausgelobt, die seit dem 1. Februar verteilt werden. Beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), das die Fördermittel verwaltet, ist alles ganz entspannt: „Aktuell stehen genügend Fördermittel zur Verfügung.“ 115 385 Nachrüstungen können mit den bereitgestellten Mitteln gefördert werden. 2012, als die erste Nachrüstaktion lief, gab's tägliche Antragsstandmeldungen. Da liefen aber auch 500 und mehr Anträge am Tag auf.

Wäre die Nachfrage 2015 wie die 2012 stünde irgendetwas in der Art von „Derzeit können noch ca. 55.000 Nachrüstungen gefördert werden“' auf der Seite des Bundesamtes stehen. Denn die Tücke an der Förderung ist, dass sie in der Reihenfolge des Antragseingangs ausgegeben wird. Wer zu spät kommt, zahlt die 700 bis 1500 Euro Partikelfilter- samt Einbaukosten selber.

Überall freie Fahrt sichert nur die grüne Plakette, die gibt’s nur bei Minimum Euro 4 und Euro 4 geht nicht ohne Partikelfilter, um die Lage vereinfacht zusammenzufassen. Von Euro 3 zu Euro 4 geht’s nur mit Nachrüstung. Vorausgesetzt, es gibt Nachrüstsätze. Aber die Nachrüstung kostet Geld. Die Zielgruppe im Kreis Nordwestmecklenburg sind vor allem die 5090 Euro-3-Pkw. Und soweit technisch möglich die 2244 Fahrzeuge in noch niedrigeren Schadstoffklassen.

Das Problem der Partikelschleudern erledigt zumindest teilweise auch der Zahn der Zeit: In der Gruppe der Euro 1-Diesel sank die Zahl der Pkw im Kreis Nordwestmecklenburg binnen eines Jahres um 29. In der Gruppe Euro 2 betrug der Rückgang 200. Euro 3-Diesel wurden von 2014 auf 2015 um 333 weniger. Neue und gebrauchte Diesel der Gruppen Euro 4 bis Euro 6 kamen 2042 zusätzlich auf die Straßen.

Vor allem der Austausch von Uralt-Dieseln (ohne Oldtimer-Chancen) gegen modernere Gebrauchtwagen kann wirtschaftlich gegenüber der Nachrüstung durchaus Sinn machen, auch wenn’s dafür keinen Barzuschuss gibt. Bei 1500 Euro Nachrüstkosten sind die Eintauschprämien bei diversen Herstelleraktionen lukrativer, wenn das Auto nicht das Potenzial zum Oldtimer hat. Wobei das der Umwelt nur bedingt hilft: Mancher Alt-Diesel schleudert seine Partikel dann am Ende in Afrika.

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