Tausche Äpfel gegen Saft

Eingetauscht: Daniela Gehrmann (l.) und Manuela Stallbom mit ihrem Saft-Ertrag.
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Eingetauscht: Daniela Gehrmann (l.) und Manuela Stallbom mit ihrem Saft-Ertrag.

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05. September 2012, 10:23 Uhr

Neu Bauhof/Gadebusch | Die Äpfel fallen nicht weit vom Stamm - und es fallen viele. Nur ein wenig rütteln mit der selbst gebauten Harke aus Campingstangen, und schon purzelt das Obst aus dem windschiefen Baum, der am Ortseingang von Neu Bauhof an der Straße steht. Heidrun Wanzenberg und ihre Kinder André (28) und Kathrin (25) füllen die Äpfel erst in Eimer, dann in Säcke und laden sie später auf den Anhänger. "In diesem Jahr hängen besonders viele Äpfel in den Bäumen", sagt Mutter Wanzenberg. Seit über zehn Jahren macht sie sich Anfang September immer auf zur Ernte am Straßenrand. Ein lohnendes Geschäft, wie die 46-Jährige aus Schönwolde findet, denn die Äpfel wird sie noch am gleichen Tag in Saft eintauschen, den ihre Familie mit samt der acht Enkelkinder bis ins kommende Jahr hinein trinken wird.

Auf dem Parkplatz der Raiffeisen-Handelsgenossenschaft in Gadebusch stemmt derweil Praktikant Jens Marquardt einen Sack voller Äpfel hoch und legt ihn auf die wuchtige Waage. Seit Montag macht er das bis zum Mittag, bevor ihn die nächste Schicht ablösen wird. Die Äpfel, die die Privat-Pflücker fast pausenlos anliefern, werden nach dem Wiegen auf ein Förderband gepackt, bevor das Obst in einem großen Container verschwindet. Ist dieser voll, wird er abgeholt und zur Vermostung nach Dodow zur Firma Fruchtquell gebracht. "Manche Pflücker kommen drei oder vier Mal am Tag", weiß der 27-Jährige aus Mühlen Eichsen und schüttet wieder einen Sack Obst auf das Laufband. 575 Kilo - so viel Gewicht haben den Familien Gehrmann und Stallbom aus Brüsewitz ihre zwei Wagenladungen eingebracht. Mit dem Wiegezettel gehen sie in den Raiffeisenhandel um die Ecke. Jetzt haben sie die Wahl: Sieben Euro pro 100 Kilo in bar oder doch lieber Saft in Elo-Packs? "Wir nehmen den Saft", steht für Daniela Gehrmann fest. Apfelsaft mit 100 oder 30 Prozent Fruchtgehalt, Multivitaminsaft, Bananen- oder Birnensaft - 15 verschiedene Sorten liegen auf Holzpaletten parat, die zwischen Arbeitskleidung, Winkelschleifer und Kraftreiniger im Verkaufsraum lagern. 96 Packungen Saft schieben die Gehrmanns und Stallboms am Ende in zwei Einkaufswagen aus dem Geschäft. "Zwei Drittel der Äpfelanlieferer entscheiden sich für Säfte, ein Drittel für Bargeld", sagt Heike Grade, Geschäftsführerin der Raiffeisen-Handelsgenossenschaft in Gadebusch. "Im vergangenen Jahr wurden in unseren Annahmestellen in Gadebusch und Rehna insgesamt 1413 Tonnen Äpfel angeliefert", ergänzt Heike Grade. Bis zum 3. November, so Grade, sei in diesem Jahr die Abgabe der Äpfel noch möglich.

Die Wanzenbergs haben mittlerweile auch in der Annahmestelle den saftigen Lohn für ihre erste Fuhre und zweieinhalb Stunden Arbeit bekommen. Nun fahren sie wieder in ihr Erntegebiet nach Neu Bauhof. Es wird wieder geschüttelt und gesammelt. Drei Touren wollen sie an diesem Tag machen, insgesamt eine Woche lang ernten. Wenn zwischendurch der Durst kommt, haben sie genügend Getränke im Kofferraum. Das erste Tauschgeschäft des Tages brachte ihnen 96 Liter Saft.

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