zur Navigation springen
Gadebusch-Rehnaer Zeitung

22. Oktober 2017 | 14:06 Uhr

Arbeitskampf in Wismar : Tarifstreit geht weiter

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Mitarbeiter des Sana Hanse-Klinikums fordern 6,1 Prozent mehr Gehalt / Aktive Mittagspause erhöht Druck auf Arbeitgeber

svz.de von
erstellt am 12.Jul.2016 | 21:00 Uhr

Der Tarifstreit im Gesundheitswesen beim Sana Hanse-Klinikums hält weiter an (die SVZ berichtete). An der gestrigen Aktion im Arbeitskampf vor dem Krankenhaus in Wismar beteiligten sich auch die Pflegekräfte der Psychiatrischen Institutsambulanz und Tagesklinik der Münzstadt. Sie gehören zu einem Außenstandort, genauso wie ein weiterer in Grevesmühlen. Damit zählt dieses Unternehmen zu den wichtigsten Dienstleistern und Arbeitgebern im Gesundheitswesen in der Region.

Diese Aktion war eine so genannte „Aktive Mittagspause“, in der die Mitarbeiter ihrer Forderung nach mehr Geld in der Tasche mit Transparenten und Sprechchören Ausdruck verleihen, ohne ihre Arbeit nieder zu legen. „Mehr Mäuse für alle“, lautet ihr Motto. „Ich denke, diese Forderung ist gerechtfertigt, das haben wir uns verdient. Wir haben ein sehr gutes Betriebsergebnis bei sehr dünner Personaldecke erwirtschaftet“, findet Heike Grüttner, Betriebsratsvorsitzende Sana Hanse-Klinikum. „Wir brauchen nicht jeden Tag ein Dankeschön von unserem Arbeitgeber dafür, dass wir selbstverständlich Einspringen, wenn Not am Mann ist und Überstunden leisten, aber das wäre doch mal ein Signal“, so Grüttner weiter.

Die insgesamt rund 740 Beschäftigten, die Ärzte zählen nicht dazu, haben am 31. Mai ihren Entgelttarifvertrag gekündigt, die Friedenspflicht endete einen Tag später. Sie fordern ein Gehaltsplus von 6,1 Prozent, wenigstens aber 130 Euro mehr für 2016, bei einer Laufzeit von einem Jahr. „Der Arbeitgeber lehnt das bisher ab. Er hat uns noch kein Angebot dahin gehend gemacht. Er möchte uns lediglich in den Konzerntarifvertrag überführen“, sagt Ivo Garbe, Verhandlungsführer der zuständigen Gewerkschaft ver.di. Dem wolle man sich grundsätzlich auch nicht verschließen, nur würde das einer wesentlich längeren und aufwändigeren Verhandlung bedürfen. „Das wäre der zweite Schritt. Hier geht es erst einmal nur um den Entgelttarifvertrag und hier fordern wir erst einmal mehr Geld für alle“, so der Gewerkschaftsmann.

Das Sana Hanse-Klinikum verfügt derzeit über einen eigenen Haustarifvertrag. Es ist damit aber im Konzern durchaus keine Ausnahme. „Sana hat ja das Krankenhaus in Wismar 2012 von Damp gekauft und den Tarifvertrag übernommen. Soviel ich weiß, war das zum Beispiel auch in Leipzig so, wo Einrichtungen der Helios-Gruppe übernommen wurden“, erklärt Betriebsratsvorsitzende Grüttner. Generell orientiere man sich vor allem an den Tarifabschlüssen im öffentlichen Dienst. Das sei bei den meisten Krankenhäusern so, weil sie vor der Privatisierung zum Öffentlichen Dienst gehörten. Und da sei ja jüngst eine kräftige Entgelterhöhung erreicht worden, so Grüttner.

Die „Aktive Mittagspause“ am Dienstag brachte bereits einen kleinen Erfolg: Am Nachmittag teilte der Arbeitgeber der Tarifverhandlungsgruppe mit, dass er am 28. September ein Angebot unterbreiten wird. Die Beschäftigten und ver.di hoffen, dass es dann zu einer Lösung kommt und kein Warnstreik nötig wird. „Aber auch darauf wären wir vorbereitet. Wir haben da ein paar gute Ideen aus dem Tarifstreit an der Berliner Charité, wie man das organisieren kann, ohne dass wir die Patientenversorgung gefährden“, ist die Betriebsrätin auch in diesem Falle optimistisch.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen