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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

14. Dezember 2017 | 18:17 Uhr

Dünn gesät : Tagespflege bringt Abwechslung

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Angebote in Gadebusch aber nicht in Rehna und Lützow. Wohnungsgesellschaften arbeiten an Plänen für altersgerechtes Wohnen

von
erstellt am 06.Feb.2015 | 00:00 Uhr

Drieberg Hof  Ein Wochenende in den eigenen vier Wänden, das reicht, meint  Gerda Kranzkowski (85). Die Seniorin  freut sich wochentags auf den Fahrdienst, der sie in die Tagespflege der Volkssolidarität nach Gadebusch bringt. Das mittlerweile seit zwei Jahren. „Mir gefällt alles sehr gut“, sagt sie.  Zum Betreuungsprogramm gehören Bäder, Ergotherapie, Bewegungsübungen, Zeitung lesen, Singen und Basteln.  Oben drauf  gibt es noch die Vollverpflegung, meint Kranzkowski.

Die Tagespflege gilt als ein wesentlicher Baustein  der Pflege, damit ältere Menschen länger in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben können. Betreuung rund um den Tag, wie sie  insgesamt zehn Tages- und Kurzzeitpflegeeinrichtungen im Landkreis anbieten. Mit insgesamt 158 Plätzen, fällt im Nordwesten auf jeden 100. Senioren ein Platz in der Tagespflege. Das ist im Bundesvergleich (0,4 je 100 Senioren) sogar überdurchschnittlich.  Gemessen  an der demographischen Entwicklung im  Landkreis Nordwestmecklenburg  allerdings   dann doch gering (2030  rund 20000 Senioren im Alter  zwischen 60 und 74 Jahren sowie darüber.) Damit altert der Landkreis im Bundesvergleich überdurchschnittlich (wir berichteten).

 Lediglich Betreutes Wohnen (165 Plätze im Kreis) und  Ambulante Pflegedienste (33 Dienste für 453 Plätze)  versorgen  tagtäglich  die  Senioren zwischen der Insel Poel, Gadebusch und  Perlin in den eigenen vier Wänden.

Wer nicht  in  die  preislich anspruchsvolle Heimbetreuung wechseln möchte,   hat kaum Chance auf die bislang  noch wenig  vorhandenen Projekte wie „Betreutes Wohnen“ oder „Wohnen mit Service“. 

Wer allerdings im Alter seine eigenen vier Wände nicht verlassen kann, der ist in seiner  Bewegung derart eingeschränkt, dass ein vitales  Miteinander kaum möglich wird bzw.  sich kaum wieder entwickeln kann. 

Knackpunkt ist dabei nicht selten die fehlende Barrierefreiheit. 50 Prozent der im Nordwesten vom Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik GmbH  befragten Senioren sagen: „Meine Wohnung ist nicht barrierefrei“.  Sie sehen  einen Umbau in Verbindung mit  großem finanziellem Aufwand.  Neue Projekte wie „Wohnen mit Service“  von Elisabeth  von Randow  kristallisieren sich als ein neuer Weg heraus.   Im Ergebnis unserer Recherchen  werden solche Modelle  von Menschen ab 60 als praktikabel angesehen. Allein bei der Vorstellung des Projektes in Neuendorf bei Elisabeth von Randow kamen am Infotag 30  Interessierte.

Grundsätzlich ist das Interesse am Wohnen in den eigenen vier Wänden höher als  in  den für nicht wenige Senioren kaum zu bezahlenden Pflegeheimen. Vor diesem Hintergrund  erarbeitet der Landkreis seinen Pflegesozialplan, um nicht zuletzt mit  Gemeinschaftsprojekten der Altersarmut entgegenzuwirken. 

Der Pflegeplan zeigt ebenso auf, dass im Bereich Tagespflege  Handlungsbedarf besteht. Während in Gadebusch die Volkssolidarität Plätze vorhält,  finden sich im Amtsbereich Rehna,  der Gemeinde Insel Poel,  Amtsbereich Lützow-Lübstorf, Klützer Winkel und Dorf-Mecklenburg-Bad Kleinen keine Angebote der Tagespflege.

Tagesangebote, die halten Gerda Kranzkowski mobil.  Sie befindet sich in der Pflegestufe 1, wo die Krankenkasse  Teile der  Kosten für die Tagespflege übernimmt.

Auf die Idee gebracht hat sie ihr Sohn. Der Tod ihres  Mannes vor vier Jahren wirkte sich auf ihre Gesundheit aus. Die Arbeit auf dem Hof bestimmte den Tagesablauf der  beiden Senioren – ein wenig Landwirtschaft und  Tierhaltung.  Betreutes Wohnen lehnte sie ab,  denn die Frau aus Drieberg Hof wollte in ihren eigenen vier Wänden bleiben.   Arbeiten außerhalb der Tagespflege  erledigt sie gemeinsam mit ihren sechs Kindern, 14 Enkeln und neuerdings einem Urenkel. Die Beschäftigung und der Sport in der Tagespflege   wirken sich positiv auf  die Bewerkstelligung des Alltags aus. „Nicht alleine sein“, ist Kranzkowski wichtig.

 Nicht allein lassen, wollen die Gadebuscher Wohnungsunternehmen ihre Mieter.    Die Wohnungsgesellschaft Radegasttal (WGR)  arbeitet nach Aussagen  von Geschäftsführerin Heike Post  „an  unterschiedlichen Plänen  und Konzepten“ zur Umgestaltung  bzw. Erreichbarkeit von Wohnräumen. „Wir werden uns dem demographischen Wandel stellen“, so Heike Post.   In Teilen sei man der  Nachfrage nach barrierefreiem Wohnraum in der Heinrich-Heine-Straße gerecht geworden.  Acht Wohnungen sind dort über eine Balkonzufahrt mit dem Rollator bzw. Rollstuhl erreichbar. „Darüber hinaus  nehmen wir bei Sanierungen  die Schwellen aus den Wohnungen und es  werden Duschen barrierefrei gebaut.“

Bei der Gadebuscher Wohnungsgenossenschaft eG  hat der Bau von zehn Wohneinheiten an der Agnes-Karll-Straße Priorität.  Vorstandsvorsitzende Kerstin Flägel: „Bestandteil sind zwei  behindertengerechte Wohnungen und ein Fahrstuhl.“  Auch bei Umbau und Sanierung  werde auf Barrierefreiheit geachtet, Schwellen   an Türen und zur Dusche beseitigt.

Vivian Offenwanger Volker Bohlmann

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