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Nordwestmecklenburg : Tagesmütter auf dem Lande gefragt

vom

9432 Kinder werden in diesem Jahr in Kitas und bei Tagesmüttern in Obhut gegeben, so die Schätzungen des Landkreises. Insgesamt gibt es hier derzeit 102 Kindertagesstätten und 188 Kindertagespflegestellen.

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erstellt am 26.Feb.2012 | 06:51 Uhr

Carlow | Laut lachend läuft Jannis durch den großen bunt bemalten Spielsaal der Rappelkiste, immer dem roten Rutschauto hinterher. Oma Inge hat den Kleinen im Blick. Dann guckt Heike Gennrich-Korup um die Ecke, Jannis strahlt über das ganze Gesicht und rennt auf seine Tagesmutter zu, sie fängt ihn auf und drückt den Knirps. Zusammen mit neun weiteren Kindern im Alter zwischen einem und drei Jahren ist Jannis bei den Tagesmüttern Heike Gennrich-Korup und Inge Gennrich untergebracht.

Auf Tagesmütter wie diese zwei verlässt sich der Landkreis Nordwestmecklenburg zunehmend, wenn es um die Betreuung der Kleinkinder geht. 9432 Kinder werden in diesem Jahr in Kindertagesstätten (Kitas) und bei Tagesmüttern in Obhut gegeben, so die vorläufigen Schätzungen des Fachdienstes Jugend des Landkreises. "Insgesamt gibt es hier derzeit 102 Kindertagesstätten und 188 Kindertagespflegestellen", sagt Beate Dellin, Fachdienstleiterin für den Bereich Jugend.

Besonders die Kindertagespflegestellen, also die Plätze bei Tagesmüttern, würden von den Eltern gern in Anspruch genommen, sagt Andrea Kröger, ebenfalls vom Fachdienst Jugend. "Sie sind oftmals flexibler und günstiger als Kitas", so Kröger. Zudem käme das Angebot der Tagesmütter dem in Kitas gleich, versichert sie. "Wir haben im Landkreis Tagesmütter gewollt, weil der Bedarf an Betreuungsplätzen im ländlichen Raum schwieriger abzudecken ist als in der Stadt. Besonders was Plätze für Kleinkinder betrifft", erklärt Beate Dellin die hohe Anzahl der Tagesmütter.

Und der Landkreis hat mit seinem Modell, auf Tagesmütter zu setzen, Erfolge vorzuweisen: "Wir decken den Bedarf ab", betont Dellin. Eine punktgenaue Planung der Plätze sei zwar nicht möglich, doch sie und ihre Kollegen hätten inzwischen die Planung gut raus, versichert sie. Eine gute Planung sei wichtig. "Das Jugendamt und der Landkreis haben die Pflicht, Einrichtungen für die Kinderbetreuung bereitzuhalten", sagt Dellin. Und die Finanzierung der Plätze müssten dann auch durch Landes- und Kreismittel sichergestellt werden. Deshalb haben die Fachdienstleiterin und ihre Kollegen die Bedarfsplanungen für dieses Jahr bereits Mitte des vergangenen Jahres begonnen. "Ist der Bedarf festgestellt, müssen wir gucken, ob die Kapazitäten ausreichen", erläutert Beate Dellin. Wenn Eltern sich früh genug melden, drei Monate oder besser noch ein halbes Jahr bevor ihr Kind Betreuung brauche, sei ein Betreuungsplatz in der Regel kein Problem. "Zwar gibt es wenig Reserven, aber jeder, der wollte, hat bisher einen Platz bekommen", so die Fachdienstleiterin.

Die Rappelkiste in Carlow ist allerdings bis ins kommende Jahr hin ausgebucht. "Dass so ein extremer Babyboom kommt, das ist Wahnsinn", sagt Heike Gennrich-Korup und lacht. Dass bei ihr stets alle Plätze belegt sind, liegt aber vielleicht auch an ihrem Konzept: "Wir sind familiär und flexibel", fasst die Tagesmutter zusammen. "Die Eltern werden bei uns mit einbezogen. Wir sind wie eine große Familie hier." Dazu kommt sicherlich noch, dass sie und ihre Mutter Inge Gennrich in punkto Kinderbetreuung sichtlich mit dem Herz dabei sind. So wird in der stets schwierigen Eingewöhnungsphase der Knirpse auch schon mal ein Foto des Kindes per Handy an besorgte Mütter und Väter verschickt. "Zur Beruhigung", sagt Heike Gennrich-Korup. Das hätte sie sich damals bei ihren Kindern auch gewünscht.

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