zur Navigation springen

Gadebuscher Einkaufszentrum bleibt geschlossen : Supermarkt schwimmt auf Moorboden

vom

Das Einkaufszentrum im Zentrum Gadebusch bleibt auf unbestimmte Zeit geschlossen. Grund sind gravierende Probleme mit der Statik. Nach Kreisangaben wurden Verschiebungen in tragenden Stahlbetonteilen registriert.

svz.de von
erstellt am 09.Aug.2012 | 10:05 Uhr

Gadebusch | Die Einkaufspassage mit Sky-Markt, Kleidungsmarkt, Imbiss und Poststelle in Gadebusch bleibt auf unbestimmte Zeit geschlossen. Das ist das Ergebnis einer Beratung auf Kreisebene. Das zuständige Bauordnungsamt spricht "von gravierenden Problemen" mit der Statik. "Es wurden horizontale als auch vertikale Verschiebungen im Stahlbeton festgestellt", sagt Pressesprecherin Petra Rappen. Die Schwachstelle lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht genau definieren. Folglich hob nach einer Krisenberatung mit der Eigentümerin, der GbR Fachmarktzentrum Gadebusch mit Sitz in Köln, der Landkreis die Sperrung gestern nicht auf. Frühestens Ende September soll das Einkaufszentrum bei optimal laufender Sanierung wieder eröffnet werden. Vorausgesetzt, die Sicherung gelingt.

"Es wurde die Erarbeitung eines komplett neuen Konzeptes zur Absicherung des Bauwerkes vereinbart. Das muss geprüft und umgesetzt werden", sagt Rappen. Inhalt der Baumaßnahme werden voraussichtlich neue Tiefenbohrungen für Entlastungsstützen von bis zu 30 Metern sein. Grund: Das Radegasttal, insbesondere Gadebusch, gilt seit jeher als klassisches Niedermoorgebiet. Ein Ergebnis der letzten Weichseleiszeit von vor 15 000 Jahren. Aufgrund dieser Besonderheit unterlag der Marktbereich einer ständigen Kontrolle durch den Landkreis. Peter Hamouz, stellvertretender Fachdienstleiter Bauordnungsamt, sagt deutlich: "Der Boden trägt nicht. Wir haben über Jahre gemessen. Aufgrund der Bewegungen treten Spannungen und Risse auf, die dann im Auftrag der Eigentümerin ausgebessert wurden."

Mit einer grundsätzlichen Sanierung am Ostgiebel wollte die Eigentümerin jetzt der Flickschusterei ein Ende setzen. Bei den Sanierungsarbeiten stellte der Prüfstatiker die horizontalen und vertikalen Bewegungen der Stützen in der Halle fest. "Ein Träger bewegte sich innerhalb weniger Tage um zwölf Millimeter. Die gesamte Konstruktion muss jetzt geprüft werden", so Hamouz. Einen gewünschten Weiterbetrieb des Einkaufszentrums während der Sanierung untersagte der Kreis. Hamouz: "Niemand kann abschätzen, was passiert. Die Standsicherheit muss gewährleistet sein." Die neuen Gründungsarbeiten sollen das gewährleisten. Bleibt die erste Bohrung in tragende Erdschichten erfolglos, werden sehr wahrscheinlich weitere Versuche folgen, um das Millionen von Euro schwere Einkaufszentrum zu retten. Ob das gelingt, vermag zum jetzigen Zeitpunkt niemand garantieren.

Gadebuschs Bürgermeister Ulrich Howest lobte gestern das Eingreifen des Landkreises: "Sicherheit geht über alles". Wenngleich die Situation für die Unternehmen, Geschäftsleute und Angestellten als Härtefall einzustufen sei.

Durch die aktuellen Ereignisse fühlen zahlreiche Gadebuscher an das Jahr 1995 erinnert. Damals gab es reichlich Kritik und Hinweise von Bürgern, die die Ingenieure scheinbar außer Acht ließen. Howest war damals Hauptamtsleiter in Gadebusch: "Ich kann mich gut an die Debatten erinnern, als tausende von Tonnen eines Glas-Kies-Gemisches auf den Moorboden aufgefahren wurden. Die Gadebuscher bezweifelten damals die Tragfähigkeit des Bodens." Aus Gadebuscher Sicht erhalten damit die Ingenieure die Quittung für die womöglich größte Fehlplanung im Stadtzentrum.

Kein Geheimnis sind die in regelmäßigen Abständen durchgeführten Sicherungsmaßnahmen in und außerhalb des Einkaufszentrums. Parkplätze, Eingangsbereiche und Fußböden sackten nicht nur einmal um mehrere Zentimeter ab. Darüber hinaus soll während einiger Nachtschichten Spezialbeton im Markt zur Bodensicherung eingebracht worden sein. "Nach dem Absacken des Parkplatzes am Aldi-Supermarkt haben wir damals als Stadt beim Kreis eine umfangreiche Untersuchung angeregt", so Howest. Doch die Baulast auf dem Moorboden sorgt weiterhin für Bewegung im Untergrund.

Hauptmieter Coop, zum Unternehmen gehört der Sky-Markt, bedauert die Situation und ist schockiert, den Markt vorerst schließen zu müssen. Unternehmenssprecherin Anika Spallek: "Uns sind die Hände gebunden. Wir sind darauf angewiesen, dass die Eigentümerin alles erdenkliche hinsichtlich Standsicherheit und Stabilität des Gebäudes unternimmt, damit wir den Betrieb wieder aufnehmen können."

Die Deutsche Post hat unterdessen einen Notfallplan erarbeitet. Pressesprecher Jens-Uwe Hogardt: "Pakete, die in Gadebusch lagernd waren, werden in der Partnerfiliale Puls in Lützow ausgereicht. Der Postdienst und damit ein Weiterbetrieb des Geschäftes für unsere Partnerfiliale in Gadebusch ist derzeit nicht möglich. Wir bedauern die Unannehmlichkeiten." Hogardt hofft, dass der Betrieb am Standort Gadebusch baldmöglichst wieder aufgenommen werden kann. Die Partnerfiliale im Rehnaer Edeka-Markt steht mit allen Dienstleistungen im Postgeschäft zur Verfügung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen