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LANDKREIS : Studie: Für Flüchtlinge fehlen 790 Wohnungen

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Pestel-Institut analysierte den Bedarf in Nordwestmecklenburg und fordert Sanierungen und Neubauten

von
erstellt am 26.Okt.2015 | 23:45 Uhr

Im Landkreis Nordwestmecklenburg werden rund 790 Wohnungen für die Flüchtlinge, die in diesem Jahr kommen, zusätzlich gebraucht. Das geht aus einer aktuellen Wohnungsmarkt-Analyse des Pestel-Instituts hervor. Nach Berechnungen der Wissenschaftler steigt der Gesamt-Wohnungsbedarf für den Landkreis Nordwestmecklenburg in 2015 damit auf rund 1010 Wohnungen.

Um diesen zu erreichen, sei es in erster Linie notwendig, das Sanieren von leerstehenden Wohnungen enorm zu forcieren. Aber auch beim Neubau von Wohnungen müsse mehr getan werden.

Im Schnitt wurden in den vergangenen Jahren im Landkreis Nordwestmecklenburg lediglich rund 500 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt. Deshalb warnt das Pestel-Institut vor einem „Weiter so“: „Wenn es bei einem starken Flüchtlingszuzug bleibt, muss sich der Landkreis Nordwestmecklenburg auch in den kommenden Jahren darauf einstellen, dass noch mehr Wohnungen gebraucht werden“, sagt Pestel-Institutsleiter Matthias Günther.

Mit Stand vom 19.Oktober sind in Nordwestmecklenburg 576 Flüchtlinge/Asylbewerber in 139 Wohnungen kreisweit dezentral untergebracht. Weitere 408 bewohnen die Gemeinschaftsunterkunft in Wismar. „Wir rechnen in diesem Jahr mit der Zuweisung von insgesamt ca. 1500 Flüchtlingen/Asylbewerbern“, sagt Kreis-Pressesprecherin Petra Rappen.

Für 2016 rechnet der Landkreis mit 500 bis 600 Wohnungen, die zur Unterbringung gebraucht werden. „Ob wir diese mit den entsprechenden finanziellen Vorgaben auf dem freien Wohnnungsmarkt akquirieren können, wissen wir zum derzeitigen Zeitpunkt nicht. Auch neue Wohnungen sind sicherlich nicht zeitnah fertig. Aus diesem Grund schauen wir uns derzeit auch nach geeigneten Möglichkeiten für die Einrichtung einer zweiten Gemeinschaftsunterkunft um“, so Petra Rappen.

Zwei „Mangelerscheinungen“ diagnostizieren die Wissenschaftler bei der Wohnungsmarkt-Analyse für den Landkreis Nordwestmecklenburg schon jetzt: „Es fehlen bezahlbare Wohnungen. Vor allem aber Sozialwohnungen. Also vier Wände für die Menschen, die sich teure Wohnungen in der Regel nicht leisten können: Rentner, Alleinerziehende, junge Menschen in der Ausbildung, einkommensschwache Haushalte und eben auch Flüchtlinge“, macht Matthias Günther deutlich.

Gemeinsam sprechen sich die Vertreter der Baubranche daher für eine Offensive bei der Sanierung leerstehender Wohnungen und für eine Ankurbelung vom Wohnungsneubau aus. Ebenso für einen Neustart des sozialen Wohnungsbaus. Erreicht werden könne dies, so das Pestel-Institut, durch zinslose Darlehen und Investitionszulagen für genossenschaftliche und kommunale Wohnungsunternehmen. „Wenn private Investoren bezahlbare Wohnungen bauen sollen, dann wird das ohne steuerliche Anreize nicht funktionieren“, so Günther.

Politisch müsse der Neubau und das Sanieren von Wohnungen als Konjunkturmotor neu entdeckt werden. „Denn, was als Anreiz vom Staat investiert wird, fließt beim Wohnungsbau zu einem Großteil über Steuereinnahmen und Sozialabgaben in öffentliche Kassen zurück“, macht Institutschef Günther klar.

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