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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

25. November 2017 | 01:25 Uhr

Carlow : Stricken, bis die Orgel pfeift

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Den Handarbeitsdamen sei Dank: Für 15000 Euro wurde das 127 Jahre alte Instrument der Dorfkirche Carlow saniert

svz.de von
erstellt am 29.Mai.2015 | 00:21 Uhr

Heute ist ein besonderer Tag für die Evangelisch-lutherische Kirchgemeinde Carlow. Denn nach 98 Jahren erstrahlt die 1888 erbaute Orgel des Gotteshauses ab sofort mit aufwendig rekonstruierten Prospektpfeifen in weit mehr als nur altem Glanz. Die Originale wurden im Jahr 1917 konfisziert und wegen des hohen Zinngehalts eingeschmolzen und in der Rüstungsindustrie zu Granatringen verarbeitet.

„In der Folgezeit wurde ein minderwertiger Ersatz aus Zinkblech eingebaut, ähnlich wie man es auch von alten Zinkbadewannen oder Gießkannen kennt“, weiß Klaus-Michael Schreiber. Seit Dienstag baute der Orgelbauer mit seinem Kollegen Hans Bertram Scheffler von der Potsdamer Alexander Schuke Orgelbau GmbH die rekonstruierten Prospektpfeifen in das jahrhundealte Carlower Orgelgebälk ein. „Und wie schon seinerzeit der Erbauer Karl Friedrich Friese III. haben wir dafür so genanntes Englisch Zinn verwendet“, erklärt Klaus-Michael Schreiber stolz. Eine Legierung mit überaus hohem Zinnanteil, die die Orgelmanufaktur nach aufwändigen Recherchen ausfindig gemacht und zu neuem Leben erweckt hat. Im Ergebnis erhält die rekonstruierte Orgel so ihre originalen Klangeigenschaften zurück.

Die größte der insgesamt 744 Pfeifen, die sowohl aus Zinn als auch Holz bestehen, beeindruckt übrigens mit einer Länge von 5,04 Metern. Die kleinste Orgelpfeife hingegen misst gerade einmal kurze zwei Zentimeter.

Finanziert wurde die Rekonstruktion der Friese-Orgel über weite Teile durch kleinere Spenden sowie Erlöse aus dem jährlichen Adventsbasar der Kirchgemeinde. „Hier haben die Carlower Handarbeitsdamen den Löwenanteil erbracht. Ohne ihren Einsatz wäre das Vorhaben nicht realisierbar gewesen“, freut sich Pastor Bernhard Kähler. Die zwölf Damen hätten in den zurückliegenden 15 Jahren gestrickt, bis die Nadeln glühten. Schals, Socken, Mützen, modische Accessoires. Einfach gar nichts sei für das Ziel der Orgelsanierung vor ihnen sicher gewesen. Stricken, bis die Orgel pfeift – so etwas gibt es wohl nur in Carlow.

Und weil’s so schön ist, wird die neue alte Friese-Orgel nun am 7. Juni um 19.30 Uhr mit einem Konzert feierlich eingeweiht. Dann gastiert Marcus Rust an der Trompete sowie am Flügelhorn gemeinsam mit Christian Grosch an der Orgel in der Mitte des 13. Jahrhunderts erbauten Dorfkirche. Ein Konzert, das Sie sich auf gar keinen Fall entgehen lassen sollten.

 

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