zur Navigation springen
Gadebusch-Rehnaer Zeitung

21. November 2017 | 16:58 Uhr

NATURNAH : Stress mit dem Weihnachtsstern

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Trotz kuscheligen Platz am Fenster will die Pflanze nicht gedeihen / Aus hübscher Pflanze wurde ein „Stab-Ventilator“

svz.de von
erstellt am 23.Dez.2015 | 17:40 Uhr


Rot und Grün sind die Weihnachtsfarben. Traditionell tragen Adventskränze rote Kerzen und Bänder und vor der China-Weihnachtsdekorationsschwemme wurden auch Weihnachtsbäume mit roten Äpfeln und Strohsternen an roten Bändern dekoriert. Auch in Gärtnereien und Supermärkten ist es zu Beginn der Weihnachtszeit überall rot und grün.

Grüne Plastiktannenzweige schmücken die Neonröhren über den Verkaufsregalen, grüne Bunde aus Tannengrün liegen neben hunderten von Weihnachtsbäumen in großen Bergen vor den Geschäften. Auf riesigen Rollregalen werden zumeist rote Weihnachtsterne in Plastiktöpfen, zugluftgeschützt in durchsichtigen, knisternden Plastiktüten durch die Läden gerollt. Es ist wie eine Invasion, überall Weihnachtssterne in allen möglichen Größen, von Mini bis Maxi, von 99 Cent bis weit über vierzig Euro.

Jedes Jahr überlege ich mir, ob ich dieser roten Invasion Zutritt zu unserem Kastanienhof gestatten soll. Einerseits lockt das lebhafte Rot über den dunkelgrünen Blättern. Es vertreibt den Winterblues, macht fröhlich und gut gelaunt.

Andererseits habe ich schon reichlich negative Erfahrungen mit diesen empfindlichen, mexikanischen Pflanzen gesammelt. Im Laden sahen die weihnachtlichen Vertreter der Wolfsmilchgewächse frisch und gesund aus und so habe ich auch in diesem Jahr wieder hinreißen lassen und gekauft.
Zuhause angekommen, fielen schon beim Auspacken die ersten Blätter . Ich dachte mir „Transportschaden oder zu viel gedrückt oder natürlicher Schwund“.

Jedes Jahr vor Weihnachten, nach dem ersten Blattfall, lese ich auf ’s Neue nach, wie „Euporbia pulcherrina“, so heißen die Dinger botanisch, zu behandeln sind. Am besten behandelt man sie wie einen Schwerkranken, der gerade nach überstandener Lungenentzündung mit Herzinfarkt, Beinamputation und Magendurchbruch aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Gemäßigte, eher warme Zimmertemperatur, Licht aber keine direkte Sonne, kein Durchzug, stärkende Düngergaben, mäßig aber regelmäßig zu trinken geben, keine kalten Füße in stehendem Wasser und liebevolle Worte.

Alles kein Problem! Mein Weihnachtsstern hat den besten, kuscheligen Platz an einem hellen Fenster bekommen. Jeden Morgen, noch bevor wir gefrühstückt hatten, bin ich zu ihm gegangen, habe ihm abgestandenes, temperiertes Wasser mit etwas Blumendünger zu trinken gegeben. Liebevoll habe ich die Heizung etwas höher gedreht und die aufsteigende warme Luft mit einem großen Stück Pappe um ihn herum geleitet. Zu warme Luftströme mag „Euphorbia pulcherrina“ nämlich auch nicht.

Zwar konnte ich wegen der Pappe meinen Weihnachtsstern nicht mehr sehen, aber ich wusste ja, er ist da, ihm geht es gut. Hin und wieder bin ich in den Garten gegangen und habe die Pflanze dann durch das Fenster von draußen betrachtet ... schön!

Aber irgendein Virus oder vielleicht ein Schädling hat dann doch meine liebevollen Pflegeversuche zunichte gemacht. Jeden Morgen lagen herabgefallene Blätter auf der Fensterbank und es war erst Halbzeit, noch zwei Wochen bis Weihnachten.

Ich habe wieder nachgelesen was zu tun ist um dem Blattfall entgegen zu wirken. Jede Luftbewegung wurde jetzt verhindert. Die Tür wurde nur einen Spalt geöffnet, um ins Zimmer zu huschen. Pappe wurde rund um die Pflanze aufgestellt, so dass ich auch von außen meine Euphorbia nicht mehr sehen konnte. Die Temperatur des Gießwassers wurde der Raumtemperatur angeglichen und es gab jetzt Bio-Dünger.

Die Blätter fielen weiter. Anfang dieser Woche, vier Tage vor Heiligabend war die Pracht dahin. Nur wenige der roten Hochblätter, die vermeintlichen Blüten, befanden sich noch an einem kahlen, etwa dreißig Zentimeter langen Stängel.

Mein schöner Weihnachtsstern erinnerte jetzt mehr an einen Stabventilator oder Pürierstab als an festlichen Weihnachtsschmuck. Aus meiner gärtnerischen Erfahrung weiß ich, dass das Kappen der Spitze den Wuchs von Seitentrieben fördert. Wenige Sekunden träumte ich von einem üppigen Weihnachtsstern mit vielen Seitentrieben mit unzähligen Hochblättern in weihnachtlichem Rot. Aber das würde mindestens ein Jahr dauern. Eine weitere Idee brachte schnellen, aber wenig tröstlichen Erfolg. Ich dekorierte den Pflanzenrest mit Tannenzweigen, die ich rund um den „Pürierstab“ in den Topf steckte und mit kleinen, roten Sternen dekorierte. Ein Engel auf einer Art Spieß wurde in die Mitte des Topfes gesteckt, so dass er über dem Geschehen zu schweben schien. So herausgeputzt steht mein Weihnachtsstängel auf der Fensterbank. Ganz ohne Pappe, aber mit vielen Sternen und schwebendem Engel.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen