zur Navigation springen
Gadebusch-Rehnaer Zeitung

12. Dezember 2017 | 07:39 Uhr

schiedsstellen : Streit schlichten ohne Richter

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Ämter besetzen die Schiedsstellen neu / Bewerbungszeit für Interessenten läuft jetzt in Rehna und Gadebusch

von
erstellt am 14.Okt.2015 | 23:59 Uhr

Die Hecke erscheint zu hoch, die Frösche im Teich quaken zu laut oder im Bullerofen beim Nachbarn werden Dinge verbrannt, die die Luftqualität beeinflussen - Auslöser für Nachbarschaftsstreitigkeiten gibt es zahlreiche. Ute Friedrich kennt zumindest einige Fälle. Sie arbeitet seit 2011 in der Schiedsstelle in Gadebusch. Das Ziel: Nachbarschaftsstreitigkeiten möglichst außergerichtlich klären. „In solchen Fällen sind wir Mediator und möchten schlichtend einwirken“, sagt die Gadebuscherin.

Im Dezember endet die erste Legislaturperiode der Schiedsstellen in MV. „Ab dem 1. Januar 2016 müssen wir als Ämter die Stellen neu besetzen“, sagt Rehnas Hauptamtsleiter Bernd Karnatz. Sowohl in Rehna als auch in Gadebusch läuft die Bewerbungsfrist zur Besetzung der Schiedsstellen. Gesucht werden Bürger, die weniger bedeutende strafrechtliche oder zivilrechtliche Angelegenheiten klären. Ein Prozess, der die Amstgerichte im privatrechtlichen Bereich erheblich entlasten soll.

Wer solch eine ehrenamtliche Stelle bekleiden möchte, der sollte mindestens 25 Jahre alt und nicht rechtskräftig verurteilt sein. Nach der Prüfung durch das jeweilige Amt werden die Bürger durch das zuständige Amtsgericht in die jeweilige Position berufen. „Mit Nachbarschaftsstreitigkeiten ist ein direkter Weg zum Richter nicht mehr möglich. Erst wenn der durch die Schiedsstelle behandelt wurde und der Vorgang scheitert“, so Bernd Karnatz, erfolge die Zulassung bei Gericht.

Dass die Arbeit der Schiedsstellen erforderlich ist, zeigt die Statistik. Karnatz: „2011 sind wir mit fünf Fällen gestartet. In diesem Jahr gibt es zwei abgeschlossene Fälle. In einem Fall wurde die Erfolglosigkeit bestätigt.“ Hauptgrund von Auseinandersetzungen sind Nachbarschaftsstreitigkeiten. Im Amtsbereich Rehna führten Fälle von starker Rauchentwicklung durch einen Kamin als auch Ofen einer Werkstatt sowie über einen Gartenzaun hängende Äste eines Obstbaumes zum Streit.

Ein Gespür für die Menschen müsse man mitbringen, meint Ute Friedrich. Zuhören sei von jeher wichtig, sagt die Gastronomin, die von jeher gerne mit Menschen ins Gespräch kommt. „Ich werde mich erneut bewerben. Eine Entscheidung treffen letztlich die Bürgermeister im Amtsausschuss“, sagt Friedrich.

In diesem Jahr wurde die Schiedsstelle fünfmal gefordert, um eine außergerichtliche Einigung herbeizuführen. „Da wir ein hohes Maß an Vertrauen genießen, werden diese Vorgänge dementsprechend verhandelt.“ Schließlich gehe es darum, mit den Menschen einen gangbaren Weg zu finden.

Fälle von Grundstückszuwegungen, Heckenschnitt und Schadensersatzklagen seien in der Vergangenheit begleitet worden. „Als Mediatoren erhalten wir vom Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen die notwendigen Schulungen“, so Friedrich.

Die Arbeit und Ausbildung in der Schiedsstelle befähigt auch dazu, wenn eine Streitpartei die Schiedsstelle anruft, dass die Antragsgegner geladen werden. Erscheinen ist dann Pflicht. Der Weg lohnt sich, denn mit 50 Euro Gebühr ist eine Schlichtung auf Amtsebene allemal günstiger als vor Gericht.

Wer in einer Schiedsstelle ehrenamtlich mitwirken möchte, kann sich jetzt in Gadebusch und Rehna bewerben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen