Streit im Ostseebad spitzt sich zu

svz.de von
02. Juli 2012, 10:55 Uhr

Boltenhagen | Politische Querelen, verhärtete Fronten - und mittendrin die neue Kurdirektorin Claudia Hörl. Gerade war ein wenig Ruhe in das Ostseebad eingekehrt, da sorgte der Bürgermeister der Gemeinde, Olaf Claus, für neue Schlagzeilen. Er entließ die 40-jährige Kurdirektorin von heute auf morgen, schickte ihr die Kündigung per Einschreiben an einem Freitag Nachmittag vor gut drei Wochen nach Hause. Die Gründe: eher vage und nicht belegt. "Das Vertrauensverhältnis ist gestört", sagte er. "Frau Hörl hat in einigen Punkten gegen die Hauptsatzung verstoßen."

Die Vorwürfe konnte die Kurdirektorin allerdings widerlegen. Seitdem ist Boltenhagen in Aufruhr. Denn nicht nur die Vertreter der Gemeinde waren überrascht, sondern auch Mitarbeiter des Amtes Klützer Winkel und Einwohner. Sie alle wussten nichts davon und reagierten empört. Denn: Sie sind sehr zufrieden mit der Arbeit von Claudia Hörl.

Seit ihrer Ernennung zur Kurdirektorin vor einem halben Jahr hat sie einiges bewegt, zum Beispiel die Umsetzung des neuen Verkehrskonzeptes voran getrieben. Auch brachte sie Ordnung in den Kurbetrieb, der seit der Pensionierung von Dieter Dunkelmann längere Zeit ohne Führung blieb. Das wollten auch die Gemeindevertreter honorieren und wollten in einer ihrer letzten Sitzungen den befristeten Probevertrag in einen unbefristeten ändern.

Schon während der Sitzung hatte sich allerdings Olaf Claus dagegen ausgesprochen und prompt einige Tage später die Kündigung verfasst. Da er die Verlängerung des Vertrages verhindert hatte, konnte er ihr sogar nahezu fristlos kündigen. Bei einem Probevertrag beträgt die Frist zwei Wochen. Außerdem legte Claus der Kurdirektorin nahe, doch bis zum Ende der Frist ihren Urlaub einzureichen. War es eine Kurzschlusshandlung? Es macht zumindest den Eindruck. Ein paar Tage nach dem Vorfall stand nämlich fest, dass Claus gar nicht dazu berechtigt war. Die Kurdirektorin kann nur nach einem Beschluss der Gemeindevertreter gekündigt werden. Und die hatten alles andere im Sinn. Also war die Kündigung rechtswidrig. Da sie aber einmal mit Stempel und Unterschrift ausgehändigt wurde, kann sie so einfach nicht zurückgenommen werden. Auch das müssen die Gemeindevertreter beschließen. Natürlich wollten sie daher so schnell wie möglich eine Dringlichkeitssitzung, die allerdings nur der Bürgermeister einberufen kann. Und auch die verhinderte Olaf Claus. Nun schaltete sich Landrätin Birgit Hesse ein. Sie forderte Claus auf, die Sitzung einzuberufen, sonst würde sie das machen. Eine Reaktion folgte prompt: Die Sitzung findet morgen Abend statt - und wird mit Spannung erwartet.

Denn nach Informationen unserer Zeitung bereitet offenbar eine Fraktion der Gemeindevertretung einen Antrag zur Suspendierung des Bürgermeisters vor. Andere hoffen dagegen, dass der Bürgermeister noch einmal in sich geht. Immerhin habe er zugegeben, dass die Kündigung rechtswidrig gewesen sei.

Erst morgen Abend werden alle Beteiligten wissen, wie es weitergeht. Die Gemeindevertreter wollen beschließen, dass die Kurdirektorin rückwirkend bis zum Tag der Kündigung sofort wieder eingestellt wird. Sollte Claus dem Antrag nicht zustimmen, sind die Fraktionen in ihrer Konsequenz gefragt.

Landrätin hat Konsequenzen angedroht

Sollten sie nämlich nicht umgehend ihre Möglichkeiten ausschöpfen, so hat Landrätin Birgit Hesse ihrerseits Konsequenzen angedroht. Sie will dann einen Beauftragten vom Amt Klützer Winkel einsetzen, der Claus dann vertritt. Wünschenswert wäre es, dass dieses Thema so schnell wie möglich vom Tisch ist. Die Saison hat im Ostseebad begonnen. Worüber derzeit ge sprochen wird, ist nicht das Strandwetter, sondern es sind wieder mal die politischen Querelen.

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