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Zoff um Wanderweg in der Biosphäre : Streit endet mit einem Vergleich vor Gericht

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Zuschauer mit ernüchterten Gesichtern erheben sich von den Stühlen des Gerichts. Nach 20 Jahren Streit um einen Wanderweg sind gestern die beiden Klagen gegen das Biosphärenamt Schaalsee verhandelt worden.

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erstellt am 19.Apr.2012 | 09:48 Uhr

Zarrentin/Schwerin | Zufrieden sieht anders aus: Zuschauer mit ernüchterten Gesichtern erheben sich von den Stühlen im Saal des Schweriner Verwaltungsgerichtes. Nach 20 Jahren Streit um den Wanderweg zwischen Schaliß und Techentin sind gestern die beiden Klagen der Stadt Zarrentin und der Grundstückseigentümer gegen das Biosphärenamt Schaalsee verhandelt worden. Das Urteil: Ein Vergleich mit festen Vereinbarungen für alle Beteiligten, die ab dem 1. Juli diese Jahres gelten.

Optimismus beim Vorsitzenden des Zarrentiner Umweltausschusses Wilhelm Hanebeck noch vor dem Prozess. Erhitzte Gespräche in den Verhandlungspausen. Leichte Ernüchterung nach der Urteilsverkündung. Denn der Schalißer Weg bleibt in den Augen des Richters lediglich ein öffentlich zugänglicher Wanderweg. Kein öffentlicher Weg, wie es sich alle Anwesenden der Stadt, der Bürgerinitiative und von Pro Techin gewünscht hätten. Dabei wäre dieses kleine Detail im Wortlaut für sie so wichtig gewesen.

Aber nun ist es so. "Unsere nächste Chance kommt in vier Jahren", sagt Wilhelm Hanebeck. Denn so lange hat der Richter die vorläufige Nutzungsvereinbarung zwischen Stadt, Biosphärenamt und Grundstücksnutzern festgesetzt. So lange wird der Wanderweg jedes Jahr vom 1. September bis 30. November gesperrt bleiben - um die Kraniche nicht zu stören, begründet das Biosphärenamt die jahrelange Debatte um diesen Pfad. Dafür sollen an beiden Enden des Weges Schilder aufgestellt werden, die alles kennzeichnen. Das Biosphärenamt kümmert sich um einen abschließbaren Poller, für den nur die Grundstücksnutzer einen Schlüssel bekommen, um im Notfall zu ihren bewirtschafteten Flächen zu können.

Viel ändere sich damit nicht, bemängelt Ursula Gröttrup von Pro Techin. Denn eine ähnliche Regelung sei schon außergerichtlich getroffen worden. Doch die Techinerin, Wilhelm Hanebeck und die anderen Anwesenden erkennen auch ihre Chance in dieser gerichtlichen Vereinbarung. Denn "jetzt muss das Biosphärenamt alles mit uns zusammen machen", sagt Ursula Gröttrup nach dem Urteil. Gemeint ist unter anderem die Kranichbeobachtung und -zählung in den kommenden vier Jahren. Denn auch diese systematische Erfassung ist Teil des Vergleichs. Und die Hoffnung ist groß, dass das Monitoring ans Tageslicht bringt, was längst alle auf Klägerseite wissen: "Hier gab es nie Brutplätze. Und auch keine Kranich-Sammelstellen", so Ursula Gröttrup, die auch nach all den Jahren nicht verstehen kann, warum diese Debatte von der Naturschutzbehörde überhaupt geführt wird. Reinhard Kähler, ein Kläger der Eigentümer, vermutet, dass das Biosphärenamt den Weg einvernehmen will, der eigentlich in städtischem Besitz ist.

Ob die Zarrentiner und Touristen in vier Jahren den historischen Weg wieder uneingeschränkt nutzen können, steht und fällt wohl mit den Ergebnissen der Kranicherfassung, die das Biosphärenamt bis zum 30. Juni 2016 der Kommune vorlegen muss. Danach hat dann jede Seite das Recht, die Nutzungsvereinbarung zu kündigen. Vielleicht ist dann ein Ende des Streits in Sicht. "Einen Schritt weiter sind wir zumindest mit dem Urteil", gibt sich Wilhelm Hanebeck halbwegs zufrieden. Und neben die erste Ernüchterung mischt auch schon wieder ein kleines Lächeln.

Bis zum 29. Mai ist ein Widerspruch gegen das Urteil möglich. Auf der nächsten Stadtvertretersitzung am 24. Mai in Zarrentin soll nochmal endgültig darüber diskutiert werden.

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