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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

24. November 2017 | 17:57 Uhr

Streik führt zu leeren Klassenzimmern

vom

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erstellt am 25.Feb.2013 | 06:05 Uhr

Roggendorf/Schlagsdorf/Rehna/Lützow | Ein Warnstreik an 170 Schulen in den Landkreisen Nordwestmecklenburg, Ludwigslust-Parchim und der Landeshauptstadt Schwerin hat gestern zu verwaisten Klassenräumen geführt. Die meisten Lehrerinnen und Lehrer standen statt in den Klassenräumen auf der Straße in Schwerin und b eteiligten sich an einer Protestkund gebung.

Gespenstische Ruhe herrschte dagegen auf dem Schulhof in Roggendorf. In den Unterrichtspausen waren dort keine Kinder zu sehen. Lediglich eine Drittklässlerin saß in einem der ansonsten verwaisten Klassenzimmer. Die Notbetreuung der Grundschule stellte ihr mathematische Spiele zur Verfügung. Von Zuhause hatte das Mädchen auch eigene Spiele mitgebracht und kurvte ab und an mit einem Roller über den Schulhof. "Wir streiken" war auf einem Plakat an der Schultür zu lesen. "Von jung bis alt - wir machen alle an dem Streik mit", sagte Schulleiterin Petra Hering. Eltern hätten Verständnis und Unterstützung für den Streik der Lehrer signalisiert.

Ein ähnliches Bild zeichnete sich gestern an der Regional- und Grundschule in Rehna ab. Statt 370 Mädchen und Jungen kamen gestern lediglich zehn Kinder und nutzten die von der Schule angebotene Betreuung. Die Streikwarnung vom vergangenen Donnerstag erreichte somit zahlreiche Elternhäuser, Familien konnten sich darauf einstellen. "Die von uns betreuten Kinder beschäftigen sich mit Büchersortieren und Homepagebau", sagt Schulleiter Uwe Seemann.

Zahlreiche Kollegen seines Hauses beteiligten sich gestern an der Kundgebung in Schwerin. Ihre Botschaft: Der Lehrerberuf braucht eine Zukunft. Seemann berichtet von einem großen Unmut in der Lehrerschaft, denn nach dem bisherigen Konzept des Landes haben Pädagogen lediglich eine Zukunft als "Wander lehrer" - müssen an verschiedenen Schulen in der Region unterrichten, um die volle Stundenzahl zu erreichen. Das mache den Lehrerjob in Mecklenburg-Vorpommern nicht gerade attraktiv, meint der Schulleiter. Darüber hinaus liegt der Altersdurchschnitt der Lehrerschaft in Rehna bei über 50 Jahre, es wurden in den zurückliegenden 20 Jahren keine Lehrer im Realschulbereich mehr eingestellt. Sank die Zahl der Beschäftigten von einst 50 auf heute 30. Dies allerdings vor dem Hintergrund schrumpfender Schülerzahlen. Doch ohne Personal lasse sich ein qualitativ anspruchsvoller Unterricht nur schwer organisieren. "Wir haben im Kollegium im Vorfeld viel diskutiert. Die, die heute in Schwerin sich an der Kundgebung beteiligen, haben deutlich gemacht, dass sie sich für eine Zukunft des Lehrerberufes einsetzen", sagt Seemann. Darunter nicht wenige älterer Lehrer, die für die Zukunft ihrer jüngeren Kollegen kämpfen wollen.

"Wenn junge Lehrer nicht verbeamtet werden und hier weniger verdienen als anderswo, brauchen wir uns nicht zu wundern, dass sie Mecklenburg-Vorpommern verlassen", erklärte Ralf Federmann, stellvertretender Schulleiter der Regionalen Schule in Schlagsdorf.

Deshalb wurde auch hier gestreikt - zumindest an der Grundschule. Neun Kinder wurden hier gestern von zwei Lehrerinnen betreut. Es wurde gewerkelt, gebastelt und gespielt. Für die älteren Schüler dagegen war es ein Schultag wie jeder andere. Lediglich ein Lehrer der Regionalen Schule hatte sich am Streik beteiligt. "Deshalb haben wir uns entschieden, ganz normal Unterricht zu machen", so Federmann.

Anders stellte sich die Situation in Lützow dar. Von 19 Lehrern blieben 15 ihren Klassenzimmern in der Regionalen Schule fern. Die Folge: Kein Unterricht für die Schüler. Bis auf eine Viertklässlerin blieben daher alle Kinder zuhause. "Die Eltern wurden rechtzeitig informiert und konnten uns mitteilen, ob sie eine Betreuung ihrer Kinder wünschen", berichtete Schulleiterin Kristin Kalkhorst. Hinsichtlich des Streiks der Lehrerschaft geht sie von einer breiten Akzeptanz unter den Eltern aus.

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