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Feuerstättenschau : Strafanzeige wird zum Bumerang

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Ein 66-jähriger Rentner bezichtigte einen Schornsteinfeger des Betrugs und musste sich zum zweiten Mal vor Gericht verantworten.

von
erstellt am 23.Feb.2015 | 23:59 Uhr

Weil er sich von einem Schornsteinfeger bei einer Feuerstättenschau abgezockt gefühlt hat und ihn zu Unrecht des Betrugs bezichtigte, musste sich ein Rentner zum zweiten Mal vor einem Gericht verantworten. Dem gebürtigen Dechower drohte eine Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro oder eine 40-tägige Ersatzfreiheitsstrafe. Dies sah ein Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Schwerin vor. Dass der 66-Jährige letztlich nicht hinter Gitter, stattdessen 250 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen muss, ist das Ergebnis der gestrigen Verhandlung im Amtsgericht Schwerin. Dort zeigte sich der Angeklagte reumütig, einsichtig und erleichtert. „Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen“, sagte Roland G. nach der Verhandlung im Flur des Gerichtsgebäudes am Demmlerplatz.

Ärgern dürfte sich der Hausbesitzer aus der Nähe von Gadebusch dennoch. Denn wenn er 2013 die Schornsteinfeger-Rechnung von 53 Euro und 36 Cent bezahlt hätte, wären ihm Folgekosten von rund 1000 Euro erspart geblieben. Stattdessen zeigte er damals den Mann in Schwarz wegen angeblichen Betruges an, da der Nachbar weniger für die Feuerstättenschau bezahlt habe.

Der Bezirksschornsteinfegermeister wollte den Betrugsvorwurf nicht auf sich sitzen lassen und schaltete seine Anwältin ein. Daraufhin kam es 2014 zum ersten Prozess gegen Roland G.. Ein Zivilgericht verurteilte G., Schadenersatz in Höhe von 677,71 Euro plus Zinsen zu zahlen.

In dem zweiten Verfahren war Roland G. nun von der Staatsanwaltschaft Schwerin angeklagt worden. Sie warf dem Rentner vor, den Schornsteinfegermeister bei einer Behörde wider besseres Wissen einer rechtswidrigen Tat verdächtigt zu haben. Die Quittung dafür flatterte dem Hausbesitzer per Strafbefehl ins Haus. Roland G. sollte 1000 Euro zahlen.

Da der Rentner dagegen Einspruch einlegt hat, kam es gestern zur Verhandlung vor dem Amtsgericht Schwerin. Dort musste sich der Angeklagte deutliche Worte vom Richter gefallen lassen: Roland G. hätte beim Schornsteinfeger oder bei der Innung nachfragen können, was es mit der Rechnung auf sich hat, statt ihn des Betrugs zu beschuldigen. „Dass das nicht der richtige Weg war, den Sie eingeschlagen haben, ist Ihnen hoffentlich klar“, so der Richter. Roland G. räumte ein, falsch gehandelt zu haben: „Die Anzeige war unüberlegt. Für mich war das Ganze eine Lehre.“

Zumindest einen Gewinner gibt es in diesem Rechtsstreit. So darf sich das Tierheim Roggendorf über 250 Euro freuen. Bis Ende August dieses Jahres hat Roland G. Zeit, das Geld an die gemeinnützige Einrichtung zu zahlen. Andernfalls muss die Gerichtsakte wieder geöffnet werden.

 

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