Tag der Archive : Stöbern in uralten Dokumenten

Einen Einblick in das Archiv des Landkreises Nordwestmecklenburg und Wismar gab Sachbearbeiter Kevin Nehls (l.).
Einen Einblick in das Archiv des Landkreises Nordwestmecklenburg und Wismar gab Sachbearbeiter Kevin Nehls (l.).

Die einmalige Wanderausstellung ist für 14 Tage in Grevesmühlen zu sehen.

svz.de von
05. März 2018, 20:45 Uhr

Stöbern in Jahrhunderte alte Bücher, Dokumente und Schriften – das war zum neunten Mal im Archiv der Grevesmühlener Malzfabrik möglich. Zum alle zwei Jahre stattfindenden „Tag der Archive“ lud die Kreisverwaltung alle Interessierten ein und erfuhr eine hohe Resonanz.

„In den vergangenen Jahren kamen etwa 100 Besucher. Auch in diesem Jahr waren es etwa so viele“, erklärte der Sachbearbeiter des Kreisarchivs Kevin Nehls. Der 25-Jährige führte die Besucher zunächst in den klimatisierten Keller der Malzfabrik. Hier lagern seit gut 20 Jahren die wichtigsten Schriften. „Wir haben ihre Auszüge vom Flensburger Zentralregister oder auch die architektonischen Ausführungen vieler Einfamilienhäuser“, erklärte der Sachgebietsleiter für Kultur und das Kreisarchiv, Klaus-Jürgen Ramisch. Doch auch vollständige Enzyklopädien oder politische Entscheidungen aus der ehemaligen DDR und der BRD lagern hier.

Praktikantin Melanie Wilharm hatte sich in den vergangenen Tagen die Mühe gemacht, in einer kleinen Ausstellung die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der BRD und DDR auf Schautafeln zu zeigen und zu erklären. „Das ist sicherlich ganz interessant. Viele wissen gar nicht, wie es wirklich war“, sagte Kevin Nehls. Der führte die ersten Gäste dann wieder in den Versammlungsraum, wo die Fachdienstleiterin für Kultur und Bildung, Gudrun Sturmheit, die offizielle Eröffnung übernahm. „Leider ist unsere Landrätin verhindert, deshalb übernimmt Frau Sturmheit das“, sagte Klaus-Jürgen Ramisch und wies noch einmal auf einen wenig später stattfindenden Vortrag der Historikerin Dr. Sandra Pingel-Schliemann hin. „Wir sind stolz darauf, ihre Ausstellung und ihren Vortrag als erste weltweit zu hören. Schon am 19. März wird die Wanderausstellung in Berlin zu sehen sein“, erklärte der Fachgebietsleiter.

„Die Zersetzungsmaßnahmen des Staatssicherheitsdienstes“ beschäftigt sich mit der Repressionsmethode, wie die politische Geheimpolizei der DDR Menschen bestrafte und verfolgte. „Das Interesse daran ist immer noch groß. Leider haben die Besucher nur 14 Tage Zeit, sich die Ausstellung anzuschauen“, erklärte Sachbearbeiter Kevin Nehls.

Auf fast 500 Quadratmetern sind die Dokumente im Kreisarchiv untergebracht. Das Archivgut beträgt aneinandergereiht eine Länge von 4638 Metern. „Wenn man alle Kartons nebeneinanderstellt, würde die Reihe von Grevesmühlen bis an die Ostsee reichen“, erklärte Klaus-Jürgen Ramisch.

Um den Dokumenten in den kommenden Jahren Herr zu werden, arbeiten die Mitarbeiter mit Hochdruck an der Digitalisierung. Mehr als 7000 Bilder seien bereits gesichtet und gescannt worden, berichtete Klaus-Jürgen Ramisch. Ein Ende sei zwar nicht abzusehen, aber der Landkreis Nordwestmecklenburg habe unter allen anderen den bisher größten Fundus fertig für den Computer gemacht, sagte der Bobitzer.

Doch nicht nur am Tag der Archive können Gäste sich Zugang zum Archiv verschaffen. Auch zu den ganz normalen Öffnungszeiten des Kreisarchivs ist das Stöbern durch die uralten und auch neueren Schriften möglich.

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