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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

24. November 2017 | 16:19 Uhr

Alte Haustierrassen : Stippvisite auf der Arche

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Gesellschaft zur Erhaltung gefährdeter Rassen sichert Genmaterial in der Schaalseeregion

Rotes Wollschwein und Coburger Fuchs haben drei Dinge gemeinsam: die Locken, deren Farbe, und sie gehören beide zu den bedrohten Haustierrassen. Denn der Fuchs ist in diesem Fall ein Schaf.

Seit 1981 bemüht sich die „Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen“ (GEH) darum, das wertvolle Gen-Material und die Vielfalt alter Haustierrassen zu erhalten. Deren Gefährdungsgrad wird von der GEH in vier Klassen eingeteilt, von extrem gefährdet (Klasse I) über stark gefährdet und gefährdet (Klassen II und III) bis hin zur Vorwarnstufe. Insgesamt vierzehn Arten mit 132 Rassen stehen auf dieser Roten Liste.

Für besonders interessierte Mitglieder organisiert die GEH alljährlich eine Exkursion zu Züchtern in ganz Deutschland. Mehr als 2100 Mitglieder gehören ihr inzwischen an. „Es sind nicht alles Züchter“, sagt Geschäftsführerin Antje Feldmann, „wir haben sehr viele Fördermitglieder.“ In diesem Jahr stehen Arche-Höfe in Mecklenburg-Vorpommern und im Berliner Umland auf dem sechstägigen Programm. Der Titel „Arche-Hof“ wird Zuchtstätten verliehen, die sich besonders um den Erhalt selten gewordener und vom Aussterben bedrohter Haustierrassen bemühen. Dazu gehören in Nordwest-Mecklenburg der Arche-Hof Kneese und die Klein Salitzer Schäferei von Detlev Mohr. Sie waren das Ziel der 32 Exkursions-Teilnehmer aus ganz Deutschland, etliche von ihnen kamen sogar aus Bayern.

In Kneese wurde die Schweinezucht besichtigt. Neben den Roten Wollschweinen sind auf dem Arche-Hof auch Bunte Husumer Sattelschweine und Bunte Bentheimer zuhause, zwei Rassen, die als extrem gefährdet eingestuft werden. Detlev Mohr hat sich dagegen ausschließlich den Schafen verschrieben. Über 900 Tiere zählt seine Herde. „Meine Fleischschafe müssen das Geld verdienen, die Index-Rassen sind Liebhaberei“, gesteht Mohr, der die Gruppe Gleichgesinnter querfeldein über die Wiesen von Kneese nach Klein Salitz führte.

Die bewährten alten Züchtungen sind ungeheuer anspruchslos. Schließlich mussten sie früher fressen, was andere Tiere übrig ließen auf Böden, die sonst für nichts taugten. Dafür wachsen sie langsamer, brauchen länger bis zur Schlachtreife. Drei der neun seltenen Schafrassen werden in Klein Salitz erhalten: das Rote Coburger Fuchsschaf (Vorwarnstufe), die Weiße gehörnte Heidschnucke (extrem gefährdet) und das Rauhwollige Pommersche Landschaf (gefährdet). „Neben ihrer Genügsamkeit zeichnen sich die alten Rassen durch große Robustheit und extreme Gesundheit aus“, erklärt Mohr einen weiteren Vorteil. Als Landschläge, betont der Schäfer, seien sie zudem besonders gut an die Gegebenheiten der Region angepasst. In Zeiten zunehmender Resistenzbildung gegen Medikamente sind diese Qualitäten ein großer Vorteil. „Wir werden die Gene dieser Tiere vielleicht dann wieder brauchen, wenn Arzneimittel-Resistenzen nach weniger anfälligen Züchtungen verlangen.“

Immerhin: Das Genmaterial alter Haustierrassen ist so wertvoll, dass Reserven davon tiefgekühlt eingelagert werden, sicherheitshalber an zwei verschiedenen Standorten. Das Erbgut von Schafen und Schweinen, aber auch von Rindern, Ziegen, Eseln, von Pferden, Hunden, Geflügel und Bienen gehört dazu. Europaweit laufen inzwischen die Bemühungen um den Erhalt ausreichender Genpools. „Wir haben die Aufgabe, unseren Kindern wenigstens die Möglichkeit zur Artenvielfalt auch bei unseren Haustieren zu hinterlassen“, findet Rainer Mehringer aus dem bayerischen Erdingen.

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