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Zwischen Schlagsdorf und Gadebusch : Steuerpläne bremsen Vereinsarbeit

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Bund will Entgelte für Gemeinschaftshäuser und Sportstätten zukünftig besteuern. Gemeinden beschlossen Übergangszeitraum

von
erstellt am 04.Jan.2017 | 04:45 Uhr

Die Vereine im Landkreis, in Städten wie Rehna und Dörfern wie Schlagsdorf müssen für die Finanzierung des Breitensports mittelfristig tiefer in die Taschen greifen. So sieht es die Umsatzsteuergesetzgebung des Bundes vor. Der möchte Mehreinnahmen generieren und sieht in dem Gesetzt die Abschaffung von Steuerprivilegien der öffentlichen Hand vor. „Das bedeutet, dass bei einer Vermietung von Gemeinschaftshäusern als auch Nutzung von Sportstätten künftig auch Umsatzsteuer erhoben wird“, sagt Rehnas Leitender Verwaltungsbeamter Hans-Martin Buschart auf Anfrage der SVZ. Somit kommen 19 Prozent zum eigentlichen Nutzungstarif hinzu.

Ausgenommen sind jene Gemeinden, die sich mit Stichtag 31. Dezember 2016 für die Nutzung eines Übergangszeitraumes entschlossen. Somit wird die Besteuerung nicht im Wahljahr 2017 erfolgen. „Im Amtsbereich Rehna ist das erfolgt“, so Buschart. Ähnlich sieht es in Gadebusch und beim Landkreis Nordwestmecklenburg als Eigentümer der Sporthalle des Gymnasiums Gadebusch aus. Hier greift die nun zum zweiten Mal verschobene Besteuerung erst am 1. Januar 2021.

Beispiel Sporthalle Rehna: Rund 2000 Euro zahlt der Rehnaer Sportverein jährlich über seine Mitgliedsbeiträge an die Stadt. In Zukunft kommen weitere 380 Euro Umsatzsteuer oben drauf.

Ob und wie der finanzielle Mehrbedarf zukünftig aufgefangen wird, ist noch offen. Fakt ist: Die anstehende neue Regelung wird die Arbeit in einem Sportverein wie dem RSV zukünftig beeinflussen, meint Grit Luschnat. Die Vorsitzende des Rehnaer Sportvereins rechnet mittelfristig mit finanziellen Einbußen: „Kommt die Steuer auf die zu zahlenden Nutzungsentgelte, müssen wir mit Einschnitten rechnen.“ Weniger Geld in der Kasse erschwere die gemeinnützige Arbeit. Die Rehnaer setzen deshalb auf Gespräche. Luschnat: „In dieser Angelegenheit müssen wir uns mit der Stadt austauschen.“

Mit der angekündigten zusätzlichen Steuerbelastung hat sich der Sportverein Schlagsdorf 95 bislang nicht befasst, so Vorsitzender Thorsten Finger. Freude kommt über derartige Steuerpläne nicht wirklich auf. Finger stört sich vor allem daran, dass sämtliche Institutionen die Hände aufhalten, ihre Beiträge erhöhen und in der Gesamtheit der Sportbetrieb in den Vereinen erschwert wird. „Kreissportbund und Landessportbund heben ihre Beiträge an. Darüber hinaus wird eine Mitarbeit in den Fachverbänden wie Tischtennis, Fußball und Leichtathletik erwartet“, sagt Finger. Das sei notwendig, wenn ein Wettkampfbetrieb gewünscht wird. Zum Nulltarif sei dies nicht möglich. Darüber hinaus sind die Kosten für Strom und Wasser zu tragen. Von der Gemeinde fühle man sich unterstützt: „Wir werden gut und fair behandelt“, so Finger. Dennoch bleiben die von den Mitgliedern ohnehin schon zu schulternden finanziellen Aufwendungen. „Beispiel Fußball: Das Fachgremium hat sich bei Hallenturnieren für ,Futsal‘ entschieden – ein Spiel mit speziellen Bällen. Wer das möchte, der muss die Spezialbälle vorhalten. Ein Exemplar kostet an die 50 Euro. Bei verschiedenen Altersklassen sind mehrere Bälle und folglich weitere Gelder notwendig“, so Finger. Die angekündigte zusätzliche Besteuerung gilt als ein weiterer Kostenfaktor. „Das ist schwierig. Wir wissen nicht, was wirklich an Geldern für den Breitensport in die Vereine zurückfließt.“ 

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