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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

13. Dezember 2017 | 08:33 Uhr

Gadebusch : Stein für Kriegsverbrecher errichtet

vom

Bislang Unbekannte haben einen "Gedenkstein" für einen NS-Kriegsverbrecher errichtet. Das geht aus einer Internetseite der rechten Szene hervor. Die Täter wollten mit der Aktion an Hitlers Anhänger Hildebrandt erinnern.

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erstellt am 26.Jan.2012 | 10:17 Uhr

Gadebusch/Jamel | Bislang unbekannte Täter haben in Gadebusch offenbar einen "Gedenkstein" für einen NS-Kriegsverbrecher errichtet. Das geht aus einer einschlägig bekannten Internetseite der rechten Szene hervor. Der oder die Täter wollten mit der Aktion an Hitlers Gefolgsmann Friedrich Hildebrandt erinnern. Dieser war nach Angaben des Schweriner Stadtarchivs von einem Militärgericht 1947 wegen der Ermordung amerikanischer Flieger zum Tode verurteilt worden. 1948 wurde der Kriegsverbrecher in Landsberg hingerichtet. Zu Lebzeiten war der SS-Obergruppenführer von 1933 bis 1945 Reichsstatthalter von Mecklenburg.

Gadebuschs Bürgermeister Ulrich Howest stufte das Aufstellen des "Gedenksteins" als schändlich ein. "Es macht keinen Sinn, das zu verheim lichen. Die Bürgerinnen und Bürger sollen wissen, dass der braune Spuk immer dreistere Formen annimmt und dem offensiv begegnet werden muss", sagte Howest. Die Täter, die für das Aufstellen verantwortlich sind, hingen einer Diktatur nach, die für den Tod von Millionen Menschen verantwortlich sei.

Der "Gedenkstein" ist inzwischen entfernt worden. Er bestand aus einer Betonsäule, an der eine Granitplatte befestigt war. Darauf zu lesen waren die Lebensdaten und zu sehen ein Bild des Kriegsverbrechers. "Ich bin froh, dass die ,Säule schnell wieder weg war", sagte gestern der Gadebuscher Amtsleiter Andreas Lausen. Für das Aufstellen sollen "geschichtskundige Nationalisten" verantwortlich sein, heißt es auf einer Internetseite der rechten Szene.

Die Polizei bestätigte gestern den Vorfall. Nach deren Angaben stand der "Gedenkstein" auf einer städtischen Fläche. Der Schachverhalt sei zur weiteren Überprüfung der Kriminalpolizeiinspektion Schwerin übergeben worden, sagte gestern ein Polizei sprecher in Wismar.

Erst vor wenigen Tagen war in dem Ort Jamel ein Werk der Künstlerin Miro Zahra durch mutmaßliche Anhänger der rechten Szene zerstört worden. Sie sägten zwei Bäume ab, die während der Aktion Kunst offen im vergangenen Jahr gepflanzt wurden. "Die Täter dachten vielleicht nicht so weit, dass sie ein Eigentor schießen würden. Schließlich sägten sie hier deutsche Eichen ab", sagte gestern die in Jamel lebende Autorin Birgit Lohmeyer. Sie und ihr Ehemann hatten im vergangenen Jahr den Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage erhalten. Mit dieser Auszeichnung ehrt der Zentralrat in Erinnerung an seinen früheren Präsidenten Menschen, die sich gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus sowie für eine starke Bürgergesellschaft einsetzen.

Zu dem zerstörten Kunstwerk in Jamel gehören auch zwei Steine, die dort vergraben wurden. Auf ihnen sind jeweils die Worte eingraviert: Würde und Mut. "Diese zwei Worte stehen grundsätzlich für die notwendige Haltung in der demokratischen Gesellschaft, die jeden Tag aufs Neue bewiesen und mit Taten erfüllt werden muss", verdeutlichte die Künstlerin Miro Zahra während der damaligen Pflanzaktion.

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