Konzert : Stehende Ovationen in Carlow

Können, Temperament und Hingabe an die Musik zeichnen die sechs Musiker von Yxalag aus.  Fotos: Patricia Lösche
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Können, Temperament und Hingabe an die Musik zeichnen die sechs Musiker von Yxalag aus. Fotos: Patricia Lösche

Das Klezmer-Ensemble Yxalag gab ein umjubeltes Konzert in der Kirche und kam um Zugaben nicht herum

svz.de von
22. Juli 2014, 00:01 Uhr

Pastor Bernhard Kähler war die Freude anzumerken, als er dem Publikum in der vollen Carlower Kirche das Klezmer-Ensemble „Yxalag“ ankündigte. „Ich habe die Gruppe 2008 das erste Mal gehört und seither immer wieder. Ich freue mich sehr, dass sie heute hier sind.“

Freude, Trauer, Melancholie, Ausgelassenheit: Klezmer-Musik erzählt Geschichten vom Leben. Es ist, als würden die Instrumente miteinander sprechen, mal in leisem Gedankenaustausch, dann wieder verstrickt in eine heftige Diskussion. Unwillkürlich zucken die Beine im Takt, wenn der Rhythmus zum Tanzen einlädt.

Die sechs jungen Musiker von Yxalag, zwischen 25 und 28 Jahre alt, beherrschen das Genre perfekt. Seit sechs Jahren spielen sie zusammen. Bis auf den erst vor kurzem dazugestoßenen, aus Belgrad stammenden Posaunisten Luca Stankovic studierten sie damals alle in Lübeck Musik. „Professor Bernd Ruf wusste von meinem Faible für Kletzmer und hat mich animiert, das Ensemble zu gründen“, erinnert sich Multitalent Jakob Lakner (Klarinetten, Querflöte), der inzwischen sein Musikstudium in Lübeck beendet hat und in München Jazz-Komposition studiert. Etliche der Stücke stammen aus seiner Feder. „Ich halte mich nicht strikt an Regeln, sondern vermische Klezmer mit Jazzelementen oder spanischer Musik, die ja auch die Volksseele repräsentieren.“

Klezmer, früher auch als jiddische Musik bezeichnet, wurzelt im Ostjudentum und wurde als weltliche Volksmusik auf Festen und Feiern gespielt. Ganz bewusst sollten die Instrumente Stimmen repräsentieren. Wohl deshalb berührt das Schluchzen und Trillern der Klarinette, das Jubeln und Seufzen der Geigen, der brummelnde Kontrabass, die leise Gitarre. „Für mich vereint Klezmer alles, was den Menschen und seine Gefühle ausmacht“, meint Kontrabassist Ulrich Zeller, der hauptberuflich bei den Münchner Philharmonikern spielt. Auch wenn der Beruf sie in alle Windrichtungen auseinandertrieb, das Ensemble blieb, trifft sich regelmäßig zu Auftritten. „Wir verstehen uns menschlich super, das hält auch über die Distanz hinweg zusammen“, so Lakner. Erst kürzlich erschien ihre CD „Fargint Zikh - Klezmer Tales“.

Für Neuzugang Stankovic ist Klezmer die Musik seiner Kindheit. Nach vier Jahren Musikstudium in New York und weiteren drei in Deutschland studiert er seit einem Jahr Posaune in Lübeck. „Diese Vertrautheit ist für mich Inspiration und Motivation“, so der serbische Posaunist. Für Geigerin Nele Schaumburg hingegen ist Klezmer Entspannung von der strengen Klassik. „Hier können wir improvisieren, ausgelassen sein, experimentieren. Das macht einfach Spaß.“ Spaß machte es auch den Zuhörern in der Carlower Kirche und so gab es am Ende eines tollen Konzertes mit stimmungsvollen Gesangs- und a-capella-Einlagen stehende Ovationen für die jungen Musikprofis. Erst nach drei Zugaben verabschiedeten sie sich mit dem von allen mitgesummten „Schalom Alechem“ (Friede sei mit euch) von den Carlowern.



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