Buddelschiff Modellbau : Stapellauf durch den Flaschenhals

In das gläserne Behältnis soll das zur Probe bereits montierte Schwimmkranmodell hinein. Damit steht Jürgen Kubatz noch der schwierigste Teil der Arbeit bevor.
In das gläserne Behältnis soll das zur Probe bereits montierte Schwimmkranmodell hinein. Damit steht Jürgen Kubatz noch der schwierigste Teil der Arbeit bevor.

Beim Boltenhagener Buddelschiffbauer Jürgen Kubatz ist auch im Winter Saison, seine Werkstatt ist täglich geöffnet.

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02. März 2015, 08:00 Uhr

Der Aufsteller mit gelber Schrift auf knallrotem Grund – „Kleines Museum, maritime Ausstellung, Schiffsmodelle, Buddelschiffe, offene Werkstatt“ – fällt selbst bei neblig-trübem Schmuddelwetter auf. Also keine Winterpause für Jürgen Kubatz in der Boltenhagener Ostseeallee? „Nein, warum sollte ich das tun? Es gibt auch zu dieser Zeit genug Gäste, die gern Ostseeluft schnuppern und manchen treibt die Neugier bis zu mir“, meint der noch sehr rüstige Anfang Siebziger. Im Nebenraum befindet sich sein Werkstattbereich. Dort, wo er seinem filigranen Buddelschiffbau-Hobby nachgeht und maritime Miniaturen oder größere Objekte schafft, die er in Flaschen und anderen gläsernen Behältnissen „vom Stapel“ lässt.

Eines seiner aktuellsten Projekte ist der Miniatur-Nachbau des historischen Schwimmkranes „Langer Heinrich“. Der ragt zunächst als „Außerhalb-Probemodell“ in die Höhe. „Das Original des etwa 900 Tonnen schweren Stahlgiganten aus dem Jahre 1905 mit dem 50 Meter hohen Ausleger liegt als technisches Denkmal an der Rostocker IGA-Pier des Warnow-Ufers“, erklärt Kubatz wahrscheinlich zum x-ten Mal. Allerdings sei er mit der Fertigstellung in Verzug geraten. Damit kann er mit diesem Exponat nicht während der Schiffsmodellbau-Ausstellung im Wismarer Wassertor präsent sein. Denn jetzt heißt es erstmal, den Versuchsaufbau im „freien Raum“ zu demontieren, um anschließend aus der Vielzahl der Einzelsegmente im Inneren einer großen Flasche das authentische Modell komplett entstehen zu lassen. Dabei helfen ihm lange Pinzetten, feine Haken, Pinsel, Tupfer und nicht zuletzt das Fingerspitzengefühl der noch immer nicht zittrigen Hände.

„Fit bleiben ist wichtig, sowohl geistig, als auch körperlich und dafür kann jeder etwas tun“, so der 71-jährige Autodidakt, der seit seiner Kindheit gern bastelt. Im Laufe der Jahrzehnte hat er diese besondere Kreativität zur professionellen Höchstform entwickelt. Wie viel Zeit er noch benötigt, bis auch dieses Unikat unter Glas zu bewundern ist, vermag er noch nicht zu sagen. Allein die Testmontage der gewölbt-konisch aufragenden Konstruktion des im Volksmund auch als „Krummer Anton“ bezeichneten Superhebers gestaltete sich als besondere Herausforderung. Aber er hat zudem einen ganz persönlichen Bezug zu dem Giganten: „Den hatten wir damals als Marine Soldaten am Standort Warnemünde Hohe Düne fast täglich vor Augen.“

Längst sind es nicht allein die klassischen Windjammer, die mit bis zu sieben Masten ihren Platz in seinen Buddelschiff-Kollektionen finden. Kriegs- und neuzeitliche Arbeitsschiffe mit besonderer Geschichte, darunter auch bekannte Schwimmbagger, hat er inzwischen ebenso durch den dünnen Flaschenhals „gelotst“, wie die schon legendäre, komplette Pier der Tarnewitzer Fischer. Einschließlich ihrer Netzschuppen und Kutter.

Inzwischen finden in seiner Werkstatt mehr und mehr Buddelschiff-Seminare statt. „Es sind überwiegend Eltern und Großeltern, die mit ihren Kindern oder Enkelkindern zum Basteln bei mir vorbeischauen“, begründet Kubatz den aktuellen Trend. Denen genügt es längst nicht mehr, nur zu erfahren, wie das Schiff in die Buddel kommt. Sie wollen es mit seiner Hilfe und einfachen Mitteln selbst versuchen. Dass der Einfachheit halber „Flachmänner“ statt Buddeln herhalten müssen, tut der Sache keinen Abbruch. Dreh- und Angelpunkt bleibt in jedem Fall der enge Flaschenhals, wo alles durch muss. Also nix mit Hexerei. Es ist eine Angelegenheit von Fingerfertigkeit und Logik, wenn man weiß, wie es geht. Und das wissen dann selbst Landratten, die nach einem Ostseeküstenbesuch mit ihren neuen Erfahrungen punkten können.

Besucher haben täglich die Möglichkeit, bei ihm vorbeizuschauen: Montags bis freitags von 15.30 bis 18 Uhr, an Wochenenden von 13 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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