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Geflügelhalter in Badow warnt : Stallpflicht: Das Federvieh kannibalisiert sich

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Anhaltender Hausarrest durch Geflügelpest sorgt für Unmut bei Tierhaltern. Naturschutzbund mahnt Prüfung der Geflügelwirtschaft an

von
erstellt am 08.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Sonne, Frühlingsluft und das Gackern der Hühner – eigentlich ist die Welt in dem kleinen Badow in Ordnung. Wäre da nur nicht die Vogelgrippe in Verbindung mit der Aufstallungspflicht. Eine Situation, die nicht allein die Tiere überstrapaziert und den Haltern Sorgenfalten auf die Stirn treibt.

Auf dem Hof von Gerald Heyden und seiner Frau Marita sieht es düster aus. Seit November vergangenen Jahres bekamen die Tiere kein Tageslicht zu sehen. „Badow ist kein Sperrbezirk und solch eine lange Stallpflicht gab es noch nie“, sagt Gerald Heyden.

Von 70 auf 50 Tiere hat das Paar den Hühnerbestand geschrumpft, die Gänse abgeschafft, Flugenten deutlich reduziert. „Wassergeflügel kannst du nicht im Stall halten. Bei den Hühnern versuche ich mit zusätzlichem Rübenfutter Frisches zu geben“, sagt der Badower.

Doch die Stallverordnung wirke sich wie eine Gefängnishaft aus. „Die Tiere werden geschwächt. Statt gesunden Geflügels züchten wir uns mit diesen Vorgaben schwache Tiere heran“, moniert Marita Heyden. Geflügel, das für neue Krankheiten anfälliger wird.

Mit ihrer Meinung steht sie mit befreundeten Geflügelhaltern wie Andreas Poka aus Pogreß und Heike Turtschau aus Badow nicht allein da. Hunderte Tierhalter im Land protestieren dieser Tage. Sie verlangen Aufklärung durch die Politik: „Warum erkranken die Tiere? Was wird unternommen, dass sich so etwas nicht ständig wiederholt?“

Das Ergebnis der bisherigen fünf Monate Hausarrest für Geflügel trifft Poka deutlich: „Ich züchte Rassegeflügel, statt 50 befinden sich aktuell nur noch 20 Tiere im Stall.“ Die Zucht sei eingebrochen. Somit verlieren die Halter mindestens ein Jahr und reichlich Geld. Darüber hinaus lasse die Legeleistung der Tiere deutlich nach. „Die Tiere im Stall picken sich an, Kannibalismus macht sich breit, die Eier werden zerstört“, so Poka.

Dass allein Wildvögel den gefährlichen Virus übertragen, halten die Badower für sehr einseitig betrachtet. Andreas Poka: „Über das Futter, die Kreisläufe zur Herstellung und den weltweiten Handel von Geflügel spricht niemand.“ Er sei viel in Europa unterwegs, auch in Zeiten der Vogelgrippe. Überall würden die Tiere frei gehalten, aber nur bei uns weggesperrt, so Poka.

Monokulturen in der Landwirtschaft, das Ausbringen von nur teilweise erhitzten Reststoffen aus Biogasanlagen oder die Verarbeitung von toten Tieren zu Futterstoffen sehen Heyden, Poka und Turtschau als wesentliche Unsicherheitsfaktoren, die die Ausbreitung von Geflügelpest unterstützen. „Die kleinen Tierhalter haben keine Lobby, die Großproduzenten eher“, fügen Heyden und Poka hinzu.

Belege dafür haben die Geflügelzüchter nicht in der Hand, aber ihr Interesse an unterschiedlichen Veröffentlichungen zum Thema ist ungebrochen. Man bilde sich seine Meinung und die kommt der Argumentation des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) recht nahe. Die Organisation zweifelt die Ansteckungsgefahr durch Wildvögel nicht an. Aber andere Infektionswege werden ebenfalls für möglich gehalten: „Gerade bei geschlossenen Massentierhaltungen ist ein Vireneintrag über den weltweiten Geflügelhandel und seine Stoffströme wahrscheinlicher als eine Infizierung durch Kontakt mit erkrankten Wildvögeln“, so Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller in einem bereits im Dezember veröffentlichten Bericht. Eine Ausbreitung über sibirische Zugvögel hält man hier für wenig plausibel. Vogelgrippe-Viren würden sehr schnell wieder aus Wildvogelpopulationen verschwinden: „Zwischen den Ausbrüchen von 2014 und heute konnten in ganz Europa keine dieser Viren bei Wildvögeln festgestellt werden. Wildvögel werden daher wahrscheinlich immer wieder neu aus der Geflügelwirtschaft angesteckt, wo sich das Virus nachweislich in Asien, aber auch in Ägypten, beständig hält“, so der Nabu weiter. Eine Überprüfung von Tiertransporten auch aus Ungarn wird als dringlich angesehen.

Den Geflügelhaltern in und um Badow bleibt nur eines: Abwarten, dass die Lockerung der Haltevorschriften erfolgt. So kündigte gestern das Ministerium für Landwirtschaft Ausnahmemöglichkeiten an. Entscheidungsträger sind jetzt die Landkreise. Die müssen nach den nicht eindeutigen Vorgaben des Landes prüfen, welche Halter in den Genuss einer möglichen Ausnahmegenehmigung kommen. Das wird kompliziert. Vor diesem Hintergrund kündigte der Nordwestkreis an, sich im Vorfeld mit den Veterinärämtern der Landkreise in MV abzustimmen.
 

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