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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

17. August 2017 | 05:52 Uhr

Aufgetischt : Stadtrundgang für Leib und Seele

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

„Culinaria Godebuz“: Historischer, kulinarischer Stadtrundgang von Museumsanlage und Gadebuscher Gastwirten erfolgreich

Klaus Leuchtemann (Hotel Christinenhof) ist in seinem Element. Festlich-rustikal ist die Tafel im Foyer des Rathauses gedeckt. Und das Nachspeisen- und Käsebüffet mag man gar nicht anrühren, so schön ist es: Farbenprächtige Törtchen und Nachspeisen-Konfekt aus Leuchtemanns Produktion warten dort in langen Reihen. Sie würden jedem Fünf-Sterne-Restaurant einen sechsten Stern hinzuaddieren. Auch der leckere Ziegenkäse stammt aus der Region. Auf einem Tisch sind antiquarische Kochbücher ausgestellt, „Werfen Sie ruhig einen Blick hinein“, ermutigt Leuchtemann, „es sind echte Raritäten“.

Erst vor zwei Monaten entstand das Konzept einer Stadtführung unter Einbindung der städtischen Gastronomie. „Gadebusch hat touristisch viel zu bieten“, findet Gerhard Schotte. Die Stadt sei historisch von Bedeutung, überschaubar und dennoch groß genug, habe eine gute Substanz an Gebäuden und einen Fundus erzählbarer Geschichten. Der ehemalige Zahnarzt, Gadebuscher mit Leib und Seele, wie er sagt, ist seit zwei Jahren Stadtführer. In der Rolle des Münzmeisters Bernhard Jungelingk nimmt er die 31 Gäste mit auf einen Spaziergang durch die Stadt.

Es beginnt am Münzschläger zwischen Stadtkirche und Rathaus, Anfangs- und Endpunkt der fünfstündigen Exkursion. Humorig verwebt Schotte die Geschichte des Bankiers und Handelsmannes mit Fakten städtischer Vergangenheit. „Unser Limit waren 32 Personen, 31 sind gekommen“, freut sich Leuchtemann, der die Gäste zu einem Sektempfang mit „Amüse geule“ ins Standesamt einlädt: Matjes-Tartar mit Baby-Champignon aus Leuchtemanns Küche.

So gestärkt geht es in die Stadtkirche und nach einem kurzen Zwischenstopp vor Knorrs Drogerie und dem noch auf seine Restaurierung hoffenden Reincke-Haus klopft Schotte an die Tür in der Färberstraße 16. Gerne zeigt Hausherr und Stadttrommler Mathias Schumann Bilder der umfangreichen Instandsetzung des alten Ackerbürgerhauses.

Nach einem Zwischenstopp auf dem Marktplatz empfangen Alfred und Roswitha Roller die Gruppe vor dem „Goldenen Löwen“, begrüßen jeden Gast mit Handschlag und bitten zu Tisch. Es gibt einen Humpen süffiges Gadebuscher Bier, dazu Mecklenburger Kartoffelsuppe mit Lungenwurst. „Das weckt Kindheitserinnerungen“, freut sich Karin Heincke. Sie kommt wie die meisten Teilnehmer aus Gadebusch. „Ich bin hier aufgewachsen und nach dreißig Jahren hierhin zurückgekehrt. Aber man lernt doch immer wieder Neues“, sagt sie. Bürgermeister Ulrich Howest gönnt sich derweil einen zweiten Teller der leckeren Suppe.

Weiter geht es Richtung Schloss. „Die Schiefe des Marktplatzes zeigt, dass die Stadt nicht am Reißbrett entstand, sondern homogen gewachsen ist.“ Details wie diese machen Schottes Führung auch für Gadebuscher zum Erlebnis.

Während Schotte wenig später den Baustil des Renaissance-Schlosses erläutert, stößt Mathias Schumann als Trommler zur Gruppe, begleitet sie zum Museum. Im Garten gibt es vor der Wanderung zur Station Burgsee süßen Wikinger-Met und Schmalzstullen als Vorspeise für den Hauptgang im alten Bahnhof.

In der schmucken Uniform des Bahnvorstehers erwartet Holger Hempel seine Gäste im beginnenden Dämmerlicht oben an der Treppe. Und natürlich gibt es Geschichten zum Bahnhof, bevor er zu Tisch bittet. Geschmorte Ochsenbacke vom Mecklenburger Weiderind, Weinsauce mit Birnen-Meerrettich-Wirsing und Sellerie-Kartoffel-Püree werden im stimmungsvollen Ambiente des Bahnhofs serviert, neben dem schon das Fundament für den bald eintreffenden Schlafwagen Honeckers wartet, in dem später zwölf Gästezimmer entstehen sollen.

Es ist lange dunkel, als sich die Besucher, Fackeln in der Hand, im beginnenden Nieselregen auf den Weg zur letzten Station machen. Im stimmungsvollen Licht der Feuer führt der Weg durch die Stadt zurück zum Rathaus, wo eine Open-Air-Bildershow ins historische Gadebusch entführt und Leuchtemanns Nachspeisen-Büffet wartet. „Es war ein wunderschöner, kurzweiliger Abend“, ziehen Bärbel und Dieter Heincke aus Roggendorf Bilanz.


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