Lutherjahr in Gadebusch : Stadtkirche wird Kunstwerkstatt

Ariane Baier und Gerhard Schotte in der Königskapelle, die zum Kunstort wird.
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Ariane Baier und Gerhard Schotte in der Königskapelle, die zum Kunstort wird.

Nordkirche wählte Gadebusch als besonderen Ort für Projekt zum Lutherjahr aus.

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01. Juni 2016, 05:05 Uhr

Bildende Kunst zum Anschauen, Erleben, Anfassen – in Gadebusch wird dies ab dem kommenden Sonntag möglich. Ein Votum, eine Auszeichnung, die Pastorin Ariane Baier als wesentliches Aushängeschild bereits vor dem Start des Lutherjahres 2017 sieht. Das nicht nur vor dem Hintergrund, dass Luther seine Thesen vor gut fünf Jahrhunderten an die Kirchentür zu Wittenberg heftete.

Die alte Münzstadt Gadebusch ist nach der Prägung des Reformationstalers 1549 nun in Mecklenburg wieder mitten im Geschehen: Die Stadt ist eine von drei Gemeinden im Kirchenkreis Mecklenburg, in der innerhalb der Nordkirche in diesem Sommer „Artist in parish“, zu deutsch Künstler in der Gemeinde zu Gast sind.

„Bei uns wird Matthias Kempendorf (Foto) leben und arbeiten“, sagt Baier. Er hatte sich im vergangenen Oktober beworben und den Zuschlag erhalten. Der Hamburger wirkt für eine temporäre Geschichte, die möglicherweise der Gadebuscher Kirchgemeinde am Ende ein bleibendes Kunstwerk beschert.

Was und wie, das wissen Baier und der sich für das Lutherjahr engagierende Gadebuscher Gerhard Schotte nicht. Mit „Martin Luther und das Magnificat“ (Marias Lobgesang) steht zumindest das Thema.

Die Vorfreude und eine gewisse Neugierde bleiben. In diesem Spannungsfeld wünschen sich Baier und Schotte zahlreiche Besucher während der Schaffensphase in der Königskapelle der Stadtkirche. Dort schlägt Kempendorf seine Werkstatt auf. Die lichtdurchflutete Kapelle dürfte ihm nicht reichen. Der Aktionskünstler setzt bei seinen Werken nicht allein auf die, wie er selbst sagt, „billigen, armen Materialien und Dinge, die aussortiert und entsorgt werden“. Persönliche Kontakte sind ihm wichtig. „Begegnungen im Stadtgebiet dürften programmiert sein“, meint Schotte.

Somit sollten sich die Konsumenten nicht wundern, wenn ein augenscheinlich gut betuchter Mensch die Gadebuscher vor dem Supermarkt anspricht. Kempendorf habe ein Anliegen. Er will sich einbringen zum Thema Macht. „Er stößt die Gewaltigen vom Thron“, sagt Ariane Baier. Das wiederum könnte u.a. im Wesen Kempendorfs liegen, der sich angezogen fühlt von den augenscheinlich billigen und armen Dingen, der so bewusst die Konfrontation in seinem künstlerischen Schaffen sucht. „Mein Protest gegen den Kapitalismus und das Streben nach immer mehr...“, wie er sagt.

Seine Einstellung, sein Leben, seine Arbeiten geben ihm reichlich Ideen und setzen Energie für Bildhauerei, Malerei und Installationen frei. Das und ein musikalisches Begleitprogramm erwartet die Gadebuscher ab dem 5. Juni.

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