Gadebusch : Spurensuche am Schloss

Prof. Dr. Hans Georg Stephan (r.) und Joachim Reichstein sind von der Geschichte, den Darstellungen und dem Detailreichtum der Gadebuscher Terrakotten angetan. Fotos: volker bohlmann
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Prof. Dr. Hans Georg Stephan (r.) und Joachim Reichstein sind von der Geschichte, den Darstellungen und dem Detailreichtum der Gadebuscher Terrakotten angetan. Fotos: volker bohlmann

Terrakotten faszinieren Wissenschaftler und Handwerker

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17. September 2015, 23:31 Uhr

Die Münzstadt im Fokus der Wissenschaft: Wer hätte gedacht, dass die Fassade des 1571−1573 erbauten Gadebuscher Schlosses von internationaler Bedeutung ist. Zumindest der Internationale Arbeitskreis für Keramikforschung unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Georg Stephan der Martin Luther Universität Halle-Wittenberg ließ es ich nicht nehmen, das betagte Bauwerk mit dem Blick der Experten unter die Lupe zu nehmen. Denn Terrakotten und Kacheln seien eben nicht allein Ausdruck handwerklichen Könnens. „Sie sind nicht nur dekorativ, sondern ein Ausdruck der politischen Einstellung und Glaubensbekenntnis der Menschen damaliger Zeit“, so Stephan gegenüber der SVZ.

Dabei spielt Gadebusch als Münzstadt und Prägungsstätte des Reformationstalers (1549) eine nicht unbedeutende Rolle, wie Stadtführer Gerhard Schotte dem Publikum aus Polen, Belgien, der Schweiz, Tschechien, Österreich, Rumänien, Ungarn, Dänemark sowie den Niederlanden verdeutlichte. „Die Darstellungen über dem Eingang zum Schloss beinhalten die Lehre Martin Luthers und zeigen den Sündenfall, die Kreuzigung und die Auferstehung“, so Schotte weiter. Zur damaligen Zeit sei es ein klares Bekenntnis zum evangelischen Glauben gewesen.

Darüber können Prof. Dr. Hans-Georg Stephan und zahlreiche Teilnehmer der zweitägigen Exkursion zwischen Hamburg und Gadebusch ihre Begeisterung für den Werkstoff nicht verbergen. „Es handelt sich um den den preiswertesten Baustoff, den die Menschen hergestellt haben. Bestandteile sind Ton, Sand und Beimengungen“, so Stephan. All das werde beim jährlichen Gedankenaustausch besprochen. Zumal der Nordwesten und somit Gadebusch reich an Backsteingotik sei. „In unserem Kreis befinden sich nicht allein Fachwissenschaftler. Natur- und Volkskundler sowie Keramikfachleute verbinden hier neue Erkenntnisse in Theorie und Praxis“, sagt Exkursionsleiter Stephan. Gadebusch hofft unterdessen auf eine Initialzündung bei den Schlosseigentümern, damit das historische, aber marode Bauwerk mit seinen Terrakotten der Nachwelt erhalten bleibt.

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