zur Navigation springen
Gadebusch-Rehnaer Zeitung

23. November 2017 | 08:51 Uhr

Wismar : Spielspaß zwischen Pest und Cholera

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Schüler entwickeln ein spannendes Brettspiel

svz.de von
erstellt am 25.Mai.2015 | 23:01 Uhr

So macht Geschichtsunterricht Spaß: Schüler der Großen Stadtschule haben ein höchst spannendes Brettspiel über Wismars Vergangenheit entwickelt und laden ein, als Hure, Mönch, Bürgermeister oder Händler die Stadt zu erkunden. So viel sei vorweg genommen: Es geht ums Überleben. Und das schafft nur, wer Glück hat und das entsprechende Wissen. Ein Projekt im Rahmen von „Schule plus“ mit einer Historikerin, einer Grafikerin und dem Wismarer Stadtarchivar als Projektpartner.

Alte Wasserleitpläne von 1710 und 1855 waren die Grundlage für das doppelseitige Spielbrett. Dazu viel Recherche im Wismarer Stadtarchiv. „Wir haben überlegt, welches Thema die Schüler interessieren könnte“, so Historikerin Katja Jensch. Pest und Cholera erwiesen sich – aus Archivsicht – mit einer Fülle von Material aus Wismar als „dankbare Themen“. Katja Jensch: „Ein brisantes Thema in Wismar, das merkt man an den Unterlagen. Im frühen 18. Jahrhundert war die Gefahr einer Epidemie groß, es kam aber nicht zum Ausbruch.“

Mit den Schülern zwischen der 9. und 11. Klasse haben die Fachleute im Archiv die Akten gesichtet. „Ich habe sie transkribiert, weil die Handschriften für Laien kaum lesbar waren“, verdeutlicht Katja Jensch. So mussten die Schüler „nur“ noch den Inhalt in der alten Formulierung verstehen. „Das war die Basis, erst die Quellen lesen und verstehen, dann kam mit der Spielentwicklung das Schöne“, lacht Katja Jensch. Dass das Ergebnis ein Brettspiel mit Karten und Fragen werden soll, stand vorher fest.

„Alle mussten Fragen entwickeln und überlegen, was kann man aus den Quellen, die wir erschlossen haben, ableiten“, erklärt die Historikerin. So sind die beiden Frage-Kartenstapel über die Pest und die Cholera entstanden – immer mit drei vorgegebenen möglichen Antworten. Oder würden Sie wissen, von welchen Kirchen 1565 die Pastoren an der Pest starben? Genau – von St. Georgen und St. Nikolai.

„In ihren Rollen müssen die Spieler verschiedene Aufgaben in der Stadt erledigen“, sagt Stadtarchivar Dr. Nils Jörn. Die Figuren ziehen durch die Stadt und kommen beispielsweise auf ein Ereignisfeld. „Du hilfst einem Holzsetzer, weil der Totengräber krank ist. Gehe fünf Schritte weiter!“ Oder: „Du fühlst dich einsam, begib dich ins Freudenhaus!“

Mit ihrem Wissen über Pest und Cholera, über Ausbrüche und Übertragungswege genauso wie über Gegenmittel erwerben die Spieler Immunpunkte, bei falschen Antworten werden die abgezogen. Er schwärmt vom Spiel. Mit den Schülern und den Projektpartnern hat er es schon mehrmals gespielt, um die Details im Spielablauf zu optimieren. „Beim ersten Mal haben wir vier Stunden gespielt“, lacht er. Ob es nach dem Prototyp noch weitere Exemplare des Wismarspiels geben wird, ist offen. „Für die Schulen wäre es schön im Unterricht, aber es wird schwer, das zu produzieren“, so Nils Jörn. Denn jetzt ist alles Handarbeit – von den liebevoll gestalteten Spielfiguren bis hin zu den ausgedruckten und ausgeschnittenen Fragezetteln. Interessierte Klassen könnten sich das Spiel im Archiv ausleihen und ihren Unterricht mal etwas anders gestalten.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen