Gebürtiger Rehnaer mit 81 noch im Tor : „Spezi“ drückt Neuer die Daumen

Der gebürtige Rehnaer Wolfgang Kaben ist der wohl dienstälteste Torwart und lobt Nationaltorhüter Manuel Neuer: „Bisher hat er seinen Job in Frankreich ideal erledigt.“
Der gebürtige Rehnaer Wolfgang Kaben ist der wohl dienstälteste Torwart und lobt Nationaltorhüter Manuel Neuer: „Bisher hat er seinen Job in Frankreich ideal erledigt.“

Der gebürtige Rehnaer Wolfgang Kaben ist mit 81 Jahren der wohl dienstälteste Torwart Deutschlands und hofft auf einen Sieg der Löw-Elf

svz.de von
16. Juni 2016, 04:45 Uhr

Wenn Manuel Neuer heute im EM-Spiel Deutschland gegen Polen in Paris das Tor im Stade de France hütet, dürfte ihm ein Mann ganz besonders stark die Daumen drücken: Wolfgang Kaben von der Altherren-Mannschaft der SG Preußen Gladbeck. Der 81-Jährige ist der wohl dienstälteste Torwart Deutschlands und stammt aus Rehna in Mecklenburg. „Wir wohnten in der Hinterstraße Nr. 13. Mit fünf Jahren habe ich mich für Bälle interessiert, ob es Gummibälle waren, groß oder klein. Die wurden mit dem Fuß gespielt. Mit sieben bis zehn Jahren spielten wir auf dem Schulhof oder auf dem Schützenplatz, irgendwo waren wir immer. Wir waren eben echte Straßenfußballer“, so Kaben.

In Rehna startet der 1935 geborene Kaben also einst seine fußballerische Laufbahn und schloss sich nach Kriegsende der Jugend des Rehnaer SV an. Er spielte später in der zweiten Mannschaft und wurde mit 18 Jahren erstmals in der ersten Mannschaft eingesetzt. Sein erstes Spiel gewann er damals mit 2:1 gegen Selmsdorf: „Ich bekam den Spitznamen ,Spezi’, gespielt wurde in der Kreisklasse. Meine Mitspieler waren Fruböse, Tuttlitz, Jürß, Scharenweber, Weise, Baars. Ich hatte zwar auch mal eine Formkrise, aber durch Fleiß und Ehrgeiz habe ich es geschafft, wieder in die erste Mannschaft zu kommen.“

„Spezi“ hat es damals also allen gezeigt, dass er die Nummer eins im Tor ist. Sein letztes Spiel für Rehna absolvierte er am 14. Juni 1957 gegen Dalberg (3:3). Noch im selben Jahr floh Kaben in den Westen. Er ging der Liebe wegen. Seine Freundin war kurze Zeit zuvor ebenfalls in den Westen geflohen.

Dort zog Kaben nach Gladbeck, schloss sich zunächst den Sportfreunden Gladbeck an, die damals in der zweiten Liga spielten. 1960 wechselte er nach Rosenhügel und am 1. Mai 1971 schließlich zu Schwarz-Gelb Preußen Gladbeck, wo er bis 2002 aktiv für die Altliga im Kasten stand. Noch heute, jeden Freitag, hütet Kaben, der in Gladbeck unter dem Spitznamen „Belfi“ bekannt ist, mit Gleichgesinnten das Tor auf dem SG Preußen-Platz. Regelmäßig spielt er dort mit den Altherren gegen Frauen-Teams. Und ein Ende seiner sportlichen Laufbahn ist nicht in Sicht – auch dank seiner guten Gesundheit.

Der Kontakt nach Rehna riss in all den Jahrzehnten nicht ab. Denn Kaben verbindet eine tiefe Männerfreundschaft mit Peter Gleuel, der 1943 nach Rehna gekommen war und damals auch in der Jugend Fußball spielte. Während der deutschen Teilung pflegten Kaben und Gleuel eine rege Brieffreundschaft, die in den Jahren nach der deutschen Wiedervereinigung noch intensiviert wurde. Es folgten gegenseitige Besuche, so wie jetzt, als ein Klassentreffen in Rehna anstand.

Dass mit Wolfgang Kaben ein 81-jähriger Mann noch heute als Torwart spielt, ist auch dem Welttorhüter Manuel Neuer vom FC Bayern München nicht entgangen. Dieser schickte Kaben ein Paar signierte Torwarthandschuhe. Ein Grund mehr also, der Nummer 1 im deutschen Tor heute die Daumen zu drücken. Bislang, so Kaben, habe Neuer seinen Job bei der EM in Frankreich ideal erledigt.

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