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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

11. Dezember 2017 | 12:11 Uhr

Naturnah : Spechte lieben naturnahe Wälder

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Der „Zimmermann des Waldes“ ist im Biosphärenreservat häufig zu finden

svz.de von
erstellt am 12.Feb.2016 | 23:30 Uhr


Wer wie ich viel in den Wäldern des UNESCO-Biosphärenreservates Schaalse unterwegs ist, hat oft die Gelegenheit, Spechte zu beobachten. Sie sind nicht heimlich und verraten sich durch ihr Klopfen und ihre typischen Rufe.

Man muss dann nur noch mit dem Fernglas die Bäume der näheren Umgebung absuchen und schon hat man den „Zimmermann des Waldes“ entdeckt. Meist handelt es sich um einen Schwarzspecht oder einen Buntspecht. Die Namen verraten schon viel über das Äußere dieser beiden Arten. Der Schwarzspecht, mit tiefschwarzem Gefieder und einer leuchtend roten Kopfplatte, ist der größere von beiden.

Beim kleineren Buntspecht sorgen ein roter Nackenfleck und rote Unterschwanzdecken für ein buntes Flugbild, obwohl sich der Rest des Federkleides auf die Farben Schwarz und Weiß beschränkt. Ähnlich ist ihm der etwas kleinere Mittelspecht. Der hat ebenfalls ein schwarz-weißes Gefieder und ist mit seiner leuchtend roten Kopfplatte eigentlich der buntere von beiden. Anders als der Schwarzspecht und der Buntspecht, die in ihren Lebensraumansprüchen recht flexibel sind, hat der Mittelspecht ganz spezielle Ansprüche und ist deshalb im Biosphärenreservat Schaalsee weniger häufig anzutreffen. Aber wie häufig genau?

Um das herauszufinden, gingen meine Kollegen Mathias Hippke und Reiner Schmahl mit einer sogenannten Klangattrappe auf die Suche. In potentiellen Brutrevieren spielten sie die Paarungsrufe des Mittelspechtes vom Recorder. War das Revier von einem Spechtpaar besetzt, antwortete das Männchen dem vermeintlichen Rivalen laut und deutlich. Auf diese Weise konnten meinen Kollegen Mittelspechte in fast allen größeren Waldgebieten des Biosphärenreservates nachweisen. Ein Ergebnis, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Der Mittelspecht braucht in seinem Lebensraum alte, große Eichen, deren raue furchige Rinde er nach Insekten absucht. Zwar hämmert auch der Mittelspecht seine Bruthöhlen selbst, seine Nahrung jedoch sucht er lieber auf dem Holz als im Holz.

Buntspecht und Schwarzspecht fühlen sich in naturnahen Wäldern mit altem Baumbestand, stehendem Totholz und einem hohen Anteil an Rotbuchen wohl. Da viele Waldgebiete des Biosphärenreservates naturnah bewirtschaftet werden und auf sogenannten Prozessschutzflächen auch Totholz und absterbende Bäume verbleiben, ist der Spechtbestand bei uns erfreulich stabil. Viele andere Tierarten profitieren davon.

In die Höhlen der Spechte ziehen später gern Nachmieter ein. Kleiber, Dohlen, Hohltauben, Schellenten, Fledermäuse, Meisen und viele andere Vogel- und Insektenarten sind auf die Arbeit der Spechte angewiesen. Wenn Sie morgen an der Exkursion meines Kollegen Mario Axel am Lankower See teilnehmen, werden Sie mit etwas Glück das Trommeln von Schwarzspecht und Buntspecht hören, die Vögel sind bei dem milden Wetter bereits in Frühlingsstimmung. Das Trommeln ersetzt beim Specht den Gesang der Singvögel und dient der Balz und Reviermarkierung. An der Frequenz des Trommeln ist eine Unterscheidung der verschiedenen Spechtarten möglich.


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