zur Navigation springen
Gadebusch-Rehnaer Zeitung

18. November 2017 | 17:03 Uhr

Schlagsdorf : Sorgen mit den Ganztagskursen

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Schlagsdorfer Schulleitung fordert mehr Flexibilität, um Pflichtkurse aus nachvollziehbaren Gründen zeitlich verlegen zu können

svz.de von
erstellt am 29.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Ganztags- schulen sind toll. Sie bieten an drei Tagen in der Woche für jeweils sieben Zeitstunden eine bunte Vielfalt an zusätzlichen interessanten Lernangeboten. Von der Hausaufgabenbetreuung über Förderkurse in den verschiedensten Schulfächern bis zur Berufsorientierung oder sportlichen Aktivitäten. An der Regionalen Schule mit Grundschule Schlagsdorf hat sich der Tischtennis-Kurs zum absoluten Renner entwickelt. Problem: Der Kurs liegt zeitlich außerhalb des Ganztagsschulangebotes, das um 15 Uhr endet. Da der Kurs erst eine Stunde später beginnt, darf die Mitwirkung der Schüler daran nicht als Teilnahme an einem Ganztagsschulangebot gewertet werden. Ein Unding, meint der kommissarische Schulleiter Ralf Federmann.

Anfangs lag der Kurs noch im Zeitrahmen der Ganztagsschule. Doch schon bald wurde klar, das funktioniert nicht. Denn der Tischtennis-Übungsleiter ist wie alle anderen Kooperationspartner der Schlagsdorfer Schule auch berufstätig. „Schon bald stand ich jede dritte Woche allein mit den Schülern da, weil es der Kursleiter aus beruflichen Gründen nicht schaffte, den Kurs zu leiten. Ist doch klar, kein Berufstätiger kann für einen Kurs mal eben um 13 Uhr in die Schule kommen“, schimpft Ralf Federmann. Also wurde der Kurs kurzerhand auf den Mittwochnachmittag um 16 Uhr gelegt. 20 Schüler gehen seitdem regelmäßig und mit Begeisterung einmal in der Woche auf die Jagd nach dem kleinen runden weißen Zelluloid. Und die Schule dokumentiert dies als Teilnahme an einem von drei gesetzlich vorgeschriebenen Ganztagsangeboten. Problem: Das ist nicht legal. Denn im so genannten Schulinformations- und Planungssystem MV (SIP MV) dürfen nur solche Kursteilnahmen erfasst werden, die in dem Zeitrahmen des Ganztagsschulangebotes liegen.

Was tun? Den Tischtennis-Begeisterten dies nicht als Teilnahme an einem Ganztagskurs werten und sie somit zur Teilnahme an einem weiteren Kurs zwingen, der innerhalb der Ganztagsschulzeit liegt? „Warum soll ich sie krampfhaft irgendwo unterbringen, wozu sie keine Lust haben? Es muss möglich sein, Ganztagsschulangebote zeitlich verlegen zu können“, sagt der kommissarische Schulleiter. „Da muss man doch eine Ausnahmeregelung finden. Viele Schüler haben doch ohnehin schon einen schlimmeren Arbeitstag als mancher Erwachsene“, meint dessen Stellvertreterin Marion Rohde.

Die neue Bildungsministerin von MV, die erst vor wenigen Tagen die Bildungseinrichtung in Schlagsdorf besucht hatte, hörte zum ersten Mal von einer solchen Problematik. „Eine gebundene Ganztagsschule braucht gewisse Flexibilität, Kursangebote nicht um jeden Preis in den zeitlich vorgeschriebenen Rahmen anbieten zu können. So etwas müsste die Schulleitung entscheiden können“, erklärt daraufhin Birgit Hesse.

Ob und wenn ja, in welcher Form vielleicht schon in absehbarerer Zeit entsprechende Änderungen in den Verwaltungsvorschriften geben wird, ist derzeit unklar. Bis dahin wird die kommissarische Schlagsdorfer Schulleitung wohl weiterhin zwar an den Vorschriften vorbei, aber zum Wohle der Kinder entscheiden müssen.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen