Kulinarisch : Sonderschicht für die Wachteln

Souschef für den Tag: Helge Popp hat alles im Blick. Fotos: patricia Lösche
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Souschef für den Tag: Helge Popp hat alles im Blick. Fotos: patricia Lösche

Carlow tischt auf: „Allerlei aus Nachbars Garten“ . Kulturverein bot kulinarisches Erlebnis

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17. März 2014, 00:15 Uhr

Für ein paar Stunden verwandelt sich der nüchterne Raum im Dorfgemeinschaftshaus von Carlow in ein festlich geschmücktes Sterne-Restaurant. Eine Heerschar ehrenamtlicher Köche, Küchenhelfer, Servicepersonal und Musikern verwöhnt die Gäste mit einem feinen Acht-Gänge-Menü, dessen Erlös dem veranstaltenden Kulturverein zugutekommt.

Wo sonst Fußballmannschaften in Trikots schlüpfen, entstehen an diesem Abend 60 Vorspeisenteller. Nach vorgegebenem Muster dekorieren Heidi Benn und Wera Ulmer auf großen Glastellern ein farbenfrohes Arrangement aus gelber und roter Ringelbete, blauen Kartoffelchips, knallgrünem Erbspürée und Tomate. Ein braungetupftes Wachtelei ergänzt das Garten-Allerlei. „Fast hätten wir nicht genug Eier gehabt, uns fehlten sechs“, erzählt Doreen Thorandt aus Klocksdorf. „Dann haben die Dechower Wachteln in letzter Minute noch nachgelegt.“ Zum Vorspeisen-Team gehört auch Eberhard Krenzin. „Zu Hause koche ich häufig und gerne“, erzählt der Stellvertretende Bürgermeister Carlows.

Helge Popp schaut vorbei. Der Koch ist zum ersten Mal mit von der Partie. Zurück in der Küche zieht er einen Löffel aus der Brusttasche und schmeckt ab, bespricht sich kurz mit Chefkoch Günter Weinberg, überprüft Teller-Dekorationen, legt hier und da Hand an. Draußen warten bereits die Gäste, zu denen auch Bürgermeister Norbert Baumann zählt. „In Hamburg kommen die Leute eher eine halbe Stunde zu spät, hier stehen alle schon zwanzig Minuten zu früh vor der Tür.“ Routinier Weinberg ist seit 45 Jahren Koch und hat das Timing im Griff.

Pünktlich um 18 Uhr ist das Appetithäppchen, frittierter Hecht aus dem Röggeliner See und Blätterteigpastetchen mit Hühnerfrikassee, fertig angerichtet. Die Service-Mannschaft, alles Freiwillige aus Carlow und näherer Umgebung, erhält letzte Anweisungen. Endlich werden die Gäste zu Tisch gebeten. Jetzt muss alles schnell gehen, damit das Essen überall fast zeitgleich auf dem Tisch steht. Für ein paar Minuten beherrscht das Schwarz-Weiß der Kellnerinnen die Gänge. In der Küche ist jetzt Zeit für Verschnaufpause und Verköstigung. „Hungrig bleiben wir nicht, es ist immer genug übrig für uns Helfer“, sagt Doreen Thorandt, die seit Jahren zur Gruppe dazugehört.

Die Tür fliegt auf. Kurze Anweisung von Weinberg: „Wir haben einen Vegetarier dabei. Für die Suppe brauchen wir eine Alternative.“ In Windeseile wird seine delikate Kreation „Cappuccino vom Fasan“, eine dunkle Fasanen-Brühe mit Sahnehäubchen und Kaffeepulver im Glas serviert, für den Gast gegen eine Tomatensuppe mit Salbei getauscht, später der „Wildschweinrücken nach Art des Duke of Wellington“ gegen Fisch.

Draußen werden die Vorspeisenteller aufgetischt. Hinter den Kulissen entsteht das Johannisbeer-Sorbet für den Zwischengang, im Backofen erhalten Hechtklöße Serviertemperatur, Spinat-Tomaten-Beilage gart auf dem mobilen Propangasherd. Und auf dem Küchentisch wartet schon in Blätterteig gehüllter Wildschweinrücken auf den Backofen. „Von Tieren aus hiesigen Wäldern“, betont Weinberg im Vorübergehen, bevor er in den Saal gerufen wird. Zur Erläuterung der Weinprobe, die ebenso wie später der musikalische Zwischengang von Willi Winter und Klaus Bergmann zum Rahmenprogramm gehört.

Mit Leckerem von Birne und Apfel, Schwarzbrot mit Käse, Pralinen, Kaffee und Schnaps klingt das Menü langsam aus. Für das nächste Jahr sind schon jetzt nur noch ein paar Restkarten erhältlich.



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