Möbelbörse Gadebusch : Sonderfahrt für Schneiderinnen

Diese Fahrt mit einer rund acht Meter langen Limousine werden Yvonne Wolski, Raissa Saizew und Marianne Pache wohl nie vergessen.  Fotos: M.Schmidt
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Diese Fahrt mit einer rund acht Meter langen Limousine werden Yvonne Wolski, Raissa Saizew und Marianne Pache wohl nie vergessen. Fotos: M.Schmidt

Kunden der Kleider- und Möbelbörse bedanken sich auf eine extravagante Art und Weise für die jahrelange Zusammenarbeit

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19. Dezember 2017, 21:00 Uhr

Sekt statt Selters in einem acht Meter langen Luxusschlitten aus Amerika – das bekamen Mitarbeiterinnen der Gadebuscher Kleider- und Möbelbörse angeboten. Sie glaubten zunächst an einen Scherz und trauten ihren Augen kaum. Doch dann merkten sie, dass für sie als Dankeschön für die jahrelange Arbeit ein Ausflug organisiert wurde.

Hinter dieser DankeschönAktion steckte die Paetrower Männertanzgruppe, die Montagsspinner sowie Mitglieder der Sagen- und Märchenstraße MV. Sie alle vertrauen seit Jahren auf die Fertigkeiten des Kleider- und Möbelbörsenteams in Gadebusch. Mal wurden dort Kostüme angefertigt, mal Koffer oder Stühle als Requisiten ausgeliehen. „Das alles klappt wunderbar und wir arbeiten seit langem Hand in Hand für unser Land“, sagt Wolfgang Woitag vom Verein der Sagen- und Märchenstraße MV.

Jenen Woitag haben vor allem die Mitarbeiterinnen der Kleiderbörse ins Herz geschlossen – auch wegen seiner ausgefallenen Wünsche. Einmal wandelte er auf Marlene Dietrichs Spuren. Daher orderte der Mann aus Veelböken ein Kostüm als Fesche Lola und bestand auch auf Strapsen …

„Meistens sollen die Kostüme dann immer schon vorgestern fertig sein“, plauderte Schneiderin Marianne Pache aus dem Nähkästchen. Sie und ihre Kolleginnen müssen deshalb immer durch die Regalgänge der Kleiderbörse flitzen und passende Kleidungsstücke finden. Manchmal schneidern sie aus verschiedenen Sachen auch ein komplett neues Kostüm.

Über die Ergebnisse können Leute wie Irmtraud Biederstädt nur staunen. Sie gehört seit Jahren zum Club der Montagsspinner und zeigt auf Märkten und Festen an Spinnrädern eine alte Handwerkskunst in märchenhaften Kostümen. Teile davon kommen aus der Kleiderbörse. „Die Damen haben Zauberhände. Wahnsinn, was sie leisten“, lobt Biederstädt.

Zu schätzen weiß das offenbar nicht jeder. So droht der Kleider- und Möbelbörse 2018 das Aus. Grund sind unter anderem Finanzkürzungen des Bundes für die Jobcenter. Die Folge: Es gibt kein Geld mehr vom Jobcenter für neue geförderte Arbeitsgelegenheiten – bestehende laufen aus. Sollte dies so kommen, wird der Arbeitslosenverband das Licht in der Kleider- und Möbelbörse sowie in der Fahrradwerkstatt ausmachen müssen (SVZ berichtete).

Daran versuchten die drei Damen der Kleider- und Möbelbörse gestern nach Möglichkeit nicht zu denken. Sie durften stattdessen genießen – alkoholfreien Sekt in der Limousine, Lachsschnittchen und Schmalzstullen im Kloster Rehna, wo sie mehr über die Geschichte der Anlage erfuhren.

Merkwürdig still verhielt sich während des Ausflugs Raissa Saizew. Die Frau aus der Kleiderbörse war noch nie mit einer Stretch-Limousine gefahren. Als sie den Luxusschlitten vorfahren sah, dachte sie: „Was ist das? Ich hätte mich am liebsten versteckt.“ Aus Bescheidenheit, wie ihre Chefin betont.

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