Lehrermangel : So wie es heute ist, gefällt es mir

Anja Müller unterrichtet am Gymnasium Gadebusch Mathematik und Informatik.
Anja Müller unterrichtet am Gymnasium Gadebusch Mathematik und Informatik.

Anja Müller schaffte als Seiteneinsteigerin am Gymnasium Gadebusch den Sprung in den Lehrerberuf und hat Riesenspaß dabei

svz.de von
03. Juli 2015, 23:15 Uhr

Reizüberflutete Schüler, übermotivierte Eltern, volle Lehrpläne, Überstunden – kurz: Stress pur. Der Lehrerberuf ist heute nicht mehr der, der es einmal war. Und dennoch: Neue und vor allem viele neue Lehrer braucht das Land. Doch woher nehmen, fragten sich Schüler, Eltern, Berufskollegen und natürlich Politiker noch vor ein paar Monaten. Die Lösung: Seiteneinsteiger. Und die gibt es tatsächlich. Junge, motivierte Menschen, die anderen unbedingt etwas beibringen wollen und auch noch Spaß dabei haben. SVZ-Redakteur Holger Glaner traf sich mit Anja Müller (32), Seiteneinsteigerin am Gymnasium Gadebusch.

Lehrer, und dann noch in der heutigen Zeit. Warum tun Sie sich das an? Hatten Sie nichts Besseres vor?

Anja Müller: Ich fange mal andersrum an. Denn ich habe bereits ein Berufsleben hinter mir, als Bundeswehrsoldatin auf Zeit Wirtschaftsingenieurwesen studiert und war in diesen zwölf Jahren viel unterwegs. Damit sollte irgendwann Schluss sein. Der Wunsch, einmal als Lehrerin zu arbeiten, reifte bereits während dieser Zeit. Da musste ich gar nicht groß überlegen, ich wollte unbedingt Lehrerin werden. Und so war es für mich ein Glücksfall, dass ich in das Seiteneinsteigerprogramm für den Schuldienst in MV reingerutscht bin.

Lehrer werden, mal eben so nebenbei?

Nein, so läuft das nicht. Seit August vergangenen Jahres bin ich in Gadebusch. 27 Unterrichtsstunden pro Woche plus regelmäßige Seminare am Freitag und Sonnabend, das schafft man nicht so nebenbei. Aber die Mühe hat sich gelohnt. Jetzt warte ich darauf, einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu bekommen.

Fühlen Sie sich neben den Kollegen, die über den Weg des Direktstudiums ihr Lehramt erworben haben, als Lehrerin zweiter Klasse?

Absolut nicht. Ich wurde hier wunderbar aufgenommen und unterstützt. Viele der Kolleginnen und Kollegen sind ohnehin der Meinung, dass es Dinge gibt, die man nicht studieren kann und erst während seines Berufslebens kennen lernt. Das finde ich toll, denn ich bin nicht perfekt. Aber ich habe eine Affinität dazu, Menschen etwas beizubringen. Genau das macht mir Spaß.

Früher bekleidete der Lehrer neben Pfarrer und Bürgermeister das wichtigste Amt im Dorf. Wie hat sich das Bild als Respektsperson gegenüber den Schülern im Laufe der Jahre geändert?

Ich denke, das Gefüge zwischen Lehrer und Schüler ist anders geworden. So kann ich zu einem Schüler heute sagen ’Keule, wenn du mal was werden willst, streng dich an. Ich weiß, wie das da draußen ist.’ So etwas wäre doch früher nicht denkbar gewesen. Aber so wie es heute ist, genau so gefällt es mir.

Warum würden Sie diesen Weg als Seiteneinsteiger in den Lehrerberuf immer wieder gehen?

Weil es mir Riesen-Freude bereitet, wenn ich merke, wie glücklich ein Schüler ist, wenn er etwas geschafft hat.

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