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Innovation aus Mühlen-Eichsen : So kommt die Gülle heute aufs Feld

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Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Eine Gülleverschlauchungshaspel revolutioniert die Ausbringung von Gülle und Biogasgärresten und reduziert Geruchsbelästigungen

svz.de von
erstellt am 12.Sep.2016 | 06:25 Uhr

„Helft mir schnell, die Wäsche von der Leine zu holen, die spritzen wieder Gülle!“ – Die Zeiten, in denen Feldanrainer alles stehen und liegen ließen, um frisch gewaschene Wäsche vor durchdringendem Jauchegeruch zu retten, dürften bald der Vergangenheit angehören. Denn was früher aus Güllefässern auf die Äcker gespritzt wurde, wird heute dank moderner Ausbringungstechnologien direkt in den Boden eingearbeitet.

Wie ein mutiertes Rüsseltier zieht das Gespann seine Kreise auf einer Ackerfläche zwischen Fräulein Steinfort und Mühlen Eichsen. Ein Schlepper, dahinter eine Scheibenegge. So weit, so gut. Doch irgendwas stimmt nicht. Denn dazwischen fährt eine riesige Rolle mit, die unablässig – je nach Fahrtrichtung – einen vier Zoll dicken Schlauch über einen Schwenkarm ab- oder aber wieder aufrollt. „Das ist die Zukunft, die clevere Methode, Gülle zu injizieren“, sagt Björn Salzwedel. Was den Geschäftsführer der Otto Hamester GmbH & Co. KG ins Schwärmen bringt, ist eine Gülleverschlauchungshaspel. Mit dieser wird kontinuierlich Gülle in den Feldboden injiziert. Die Gülle wird mittels eines mächtigen Pumpenwagens inklusive Schlauchsystem bis zu fünf Kilometern Entfernung kontinuierlich direkt zum sogenannten Injektor, also besagtem Rüsseltier, gepumpt. So kann quasi ohne Unterbrechung die Gülle ausgebracht werden. Ständiges Pendeln des Güllefahrzeugs zwischen Acker und Güllegrube und die damit einhergehende Belastung, Verschmutzung oder sogar Beschädigung der benutzten Straßen entfällt bei dieser Methode.

Doch das ist nur ein Vorteil. „Die Geruchsbelästigung reduziert sich um bis zu 90 Prozent, das ist eine deutliche Entlastung für die Anwohner“, erklärt Björn Salzwedel. Und der Nutzen für die Landwirtschaft ist natürlich der entscheidende Faktor. Denn Gülle sollte so wenig wie möglich Kontakt mit der Luft bekommen, um die unerwünschten Ammoniakverluste durch Verdunstung so gering wie möglich zu halten. Also wird in unserem Fall die Gülle durch einen Schlauch direkt zwischen die Scheiben der Scheibenegge in den Boden eingearbeitet. Eine Methode zur Reduzierung des Ammoniakverlusts, die ein gewisser Dr. Carl Sprengel bereits im Jahr 1839 in seinem Werk „Die Lehre vom Dünger“ favorisierte: „Der Verdunstung begegnet man dagegen auf das Vollständigste, wenn man den Harn ... auf den Acker fährt und ihn sogleich unterpflügt.“ Eine altbekannte Methode also, die 177 Jahre später – verfeinert mit modernster Technik – auf unseren Äckern praktiziert wird.  

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