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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

26. September 2017 | 07:41 Uhr

Schlagsdorf : So kam der Westen über den Osten

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Neue Sonderausstellung im Grenzhus Schlagsdorf zeigt den widerspruchsvollen Wandel in der DDR

svz.de von
erstellt am 28.Jul.2017 | 04:45 Uhr

Premiere im Grenzhus Schlagsdorf: Erstmals beschäftigt sich das Informationszentrum zur innerdeutschen Grenze mit der Zeit nach dem Mauerfall. Vom 3. August bis 29. Oktober zeigt das Museum die Fotoausstellung „Aufbruch-Umbruch-Ankunft. Aufnahmen aus dem Umbau der ostdeutschen Gesellschaft“. Der Fotograf Sönke Dwenger aus Schleswig-Holstein will mit seinen Aufnahmen Einblicke in den widerspruchsvollen Wandel Ostdeutschlands nach dem Ende der DDR präsentieren.

„Mit den Fotos will ich zeigen, wie der Westen nach dem Mauerfall Einfluss auf die Entwicklung in der DDR genommen hat und regelrecht in sie hineingepoltert ist“, sagt der 57-Jährige. Ein Fotograf mit West-Lebenslauf erklärt den Wandel in der DDR – kann das überhaupt funktionieren? Ist das nur gewagt oder aber sogar vermessen und arrogant? „Ich hoffe nicht, dass die Ausstellung arrogant wirkt. Oder aber dass der Betrachter das Gefühl bekommt, ich wolle die DDR-Bürger irgendwie vorführen. Vor ihnen habe ich höchsten Respekt“, so Dwenger, der diese Ausstellung bereits in Zerbst/Sachsen Anhalt gezeigt hat und nur positive Erfahrungen mitteilen kann.

Mit seinen Fotos hat Sönke Dwenger Momente festgehalten, die die Widersprüche und Umbrüche im Umbau der ostdeutschen Gesellschaft dokumentieren. Die ersten Aufnahmen stammen noch aus der Zeit vor der Grenzöffnung, als er als junger Bundesbürger in ein fremdes, wie er selbst sagt, geheimnisvolles Land fuhr. Im kleinen Grenzverkehr nach Wismar und Schwerin. Erst einen Tag, dann wurden es immer mehr. Und beim Passieren der Grenzanlagen ein schneller Schnappschuss. Dwenger: „Für das Foto hätten sie mich in der DDR mit Sicherheit verhaftet.“ Ab 3. August ist genau das Motiv eines der vielen Ausstellungsstücke im Grenzhus.

Doch nicht nur das. Die Freude der Grenzöffnung hält er genauso im Bild fest wie die Gegensätze der folgenden Wochen und Monate. Denn mit der Entscheidung für einen schnellen Weg in die deutsche Einheit prallten zwei Welten aufeinander: der reiche Westen und der arme Osten. Und so finden die Spannungen zwischen der Hoffnung nach materieller Besserstellung und der harten marktwirtschaftlichen Realität in seinen Fotos immer wieder einen Ausdruck. Die Aufnahmen erzählen Geschichten, rufen eigene Erinnerungen und Emotionen wach, spitzen zuweilen mit einem ironischen Blick zu.

Noch heute fährt der im schleswig-holsteinischen Frestedt beheimatete Fotograf gern durch die frühere DDR. Auf der Suche nach dem besonderen Motiv und dem Vergleich damals/heute. Denn die Wende sei für ihn ein nicht endender Prozess. Und er der Bewahrer und Erzähler ihrer Geschichte.

 

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