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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

21. November 2017 | 11:30 Uhr

Naturnah : Sinnbild der Sonne

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Sattes Rapsgelb rund um den Kastanienhof/ Kahl wünscht sich mehr Vielfalt

von
erstellt am 22.Mai.2015 | 23:10 Uhr

Derzeit gibt es kein Entrinnen. Sie ist überall. Etwa zweihundertundvierzigtausend Hektar der Fläche Mecklenburg-Vorpommerns erstrahlen im Mai in sattem Gelb. Gelb ist Sinnbild der Sonne, der Kraft und Kreativität. Die alten Griechen stellten sich vor, dass der Sonnengott Helios in einem gelben Gewand auf einem von vier Feuerrossen gezogenen Wagen über den Himmel fährt. Das strahlende, gelbe Licht der Sonne stand für seine Schaffenskraft und Intelligenz. Ähnlich sah man es im alten China. Gelb war dem männlichen Yang zugeordnet und stand für männliche Schaffenskraft und Macht. Gelb war dort auch die Farbe der Kaiser.

Gelb steht aber auch für Neid, Gier und Eifersucht. Viele Menschen lieben in diesen Tagen die gelben Felder Mecklenburg-Vorpommerns, kommen eigens aus den großen Städten angereist um das gelbe Spektakel zu genießen. Einige von ihnen sitzen in unserem Gartencafé und genießen bei Kaffee und Kuchen das satte Gelb. In diesem Jahr ist es besonders beeindruckend, liegt doch unser Kastanienhof inmitten dieser gelben Pracht. Wenn ich so unsere glücklichen Cafébesucher betrachte und sehe, wie sie Rhabarber- oder Erdbeertorte genießend sich in die gelbe Ferne träumen, vergesse ich oft, dass unser Kastanienhof in einer Art Industriegebiet liegt. Dieses satte Gelb steht leider auch für eine gigantische Monokultur mit ihren negativen Begleiterscheinungen.

Auch wenn mir der Raps und seine gelbe Pracht ebenso gefallen, wünschte ich mir doch eine landwirtschaftliche Umgebung mit mehr Vielfalt und Sensibilität für unsere Umwelt. Ich möchte Ihnen mit meinen Gedanken auch nicht die Freude an blühenden Rapsfeldern nehmen. Zumal der Raps ja kein böses Gewächs ist und für seinen massenhaften Anbau nichts kann. Ganz im Gegenteil! Er ist Grundstoff für Rapsöl, Rapshohnig, aber auch für Farben, Kunststoffe, Plastik-Weichmacher, Tenside, Kraft- und Schmierstoffe. Ich habe sogar meine eigenen Rapspflanzen im Garten. Nicht um Farben und Weichmacher herzustellen sondern um ihn zu essen.

Mein Raps ist eine Unterart des allgegenwärtigen Raps. Brassica napus var. Pabularia, auch Bremer Scheerkohl oder Schnittkohl genannt, ist ebenso wie sein großer Verwandter eine Superpflanze. Im neunzehnten Jahrhundert war dieses alte Gemüse ein Dauerbrenner im Garten. Er sorgte fast ganzjährig für vitaminreiches Gemüse. In feine Streifen geschnitten peppen seine nussig schmeckenden Blätter geschmacksneutrale Salate auf. Die Blätter lassen sich schmoren, kochen oder zu einem leckeren Süppchen verarbeiten. Die Pflanzen kann man im Frühling und Herbst aussäen. Geschieht das in entsprechenden Intervallen, lässt sich diese Raps-Verwandte fast ganzjährig anbauen. Weil ich auch noch mein eigenes Saatgut gewinne, muss ich auf die gelben Blüten nicht verzichten, auch wenn sie sich nicht gerade zum Träumen und Genießen bei Kaffee und Kuchen wie bei großen Rapsfeldern in hügeliger Landschaft einladen.

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