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Tierheim Roggendorf : Silvester ist für Tiere die Hölle

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Für Hunde und Katzen ist die Knallerei alles andere als schön / Im Tierheim Roggendorf gibt es hinterher meist viele Neuzugänge

Knall, puff, peng – wenn es an Silvester nicht so richtig schön scheppert, zischt und wummert, fängt für viele das Jahr schlecht an.

Was Mensch freut, ist für Tiere das blanke Inferno. Schließlich ist für sie Silvester kein besonderer Tag, sondern einer unter vielen. Nur viel, viel Angst einflößender: „Wenn die Uhr zwölf schlägt, beginnt für viele unserer Vierbeiner der Weltuntergang. Die Tiere fressen nicht mehr richtig, werden panisch, sobald der erste Böller knallt,“ sagt Annette Herbing, Leiterin des Roggendorfer Tierheims.

Mit der richtigen Methodik lassen sich Haustiere meist an Knallgeräusche gewöhnen. Wer es in diesem Jahr nicht geschafft hat, sollte sich für nächstes Jahr im Juli ein dickes Kreuz in den Kalender malen. Und dann zusammen mit einem Verhaltenstherapeuten die Desensibilisierung gegenüber Knallgeräuschen in Angrff nehmen. Bei Hunden, die auf Stress-Situationen oder bei Blitzlicht mit epileptischen Anfällen reagieren, ist das unbedingt ratsam.

Bei sehr panischen Tieren bleibt in letzter Minute nur noch eine Sedierung mit Hilfe eines Beruhigungsmittels vom Tierarzt. Wer für das nächste Jahr vorbereitet sein will, gibt dem Hund in den Wochen vor Silvester ein sogenanntes Stressadaptivum in Form eines Pflanzenpulvers. Das sorgt dafür, dass die Tiere belastbarer werden, nicht mehr so panisch reagieren. Die Anlaufstelle hierfür sind entsprechend ausgebildete Tierheilpraktiker.

Als kurzfristige Maßnahme laden rücksichtsvolle Besitzer ihren Hund rechtzeitig ins Auto für einen mitternächtlichen Ausflug ins pyrotechnische Niemandsland, etwa im Wald oder am Strand. Mit Wunderkerzen und alkoholfreiem heißen Punsch kann das ein sehr romantisches Silvester-Erlebnis werden. Auf keinen Fall wird der Hund alleine draußen, im Auto oder beim Spaziergang von der Leine gelassen. Ein panischer Hund weiß nicht mehr, was er tut und wohin er läuft. Im Zweifelsfall zerlegt er die Sitzpolster oder läuft auf eine befahrene Straße. Das gilt, sobald die Knallerei anfängt. „In den letzten Jahren hatten wir bis zu zehn Hunde nach Silvester bei uns“, sagt Herbing, „die Hälfte von Ihnen wird nie wieder abgeholt.“

Freigänger-Katzen sollten in knallfreudiger Umgebung möglichst drinnen sein. Sie könnten in Panik vor ein Auto laufen oder durch Knallkörper verletzt werden. Am besten bekommen sie die Möglichkeit, sich drinnen gut zu verstecken, vor allem dann, wenn im Hause eine Silvester party stattfindet. Das ist an sich schon Stress genug. Also Katzentoilette ins Schlafzimmer, Zimmertür abschließen und die Katze dort in Ruhe lassen, bis alles vorbei ist. Ein leicht geöffneter Schrank bietet eine geräuschdämmende Zufluchtmöglichkeit in dessen hinterster Ecke.

Bei Ställen in Feuerwerks-Nähe das Licht anlassen. Pferde werden durch Lichtblitze in der Dunkelheit irritiert. Wegen der erhöhten Brandgefahr muss der Stall auf jeden Fall beaufsichtigt bleiben, damit Pferde rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden können. Am besten einen Notfall-Plan aufstellen, damit koordiniert gehandelt werden kann. Alle Pferde sollten aufgehalftert sein und Stricke an jeder Boxentür hängen. Für alle Fälle. In Offenstallhaltung müssen die Zäune vorher auf Sicherheit kontrolliert werden.

Ganz wichtig aber ist: Der Tierbesitzer sollte die Ruhe selbst sein und sich auf keinen Fall über die Knallerei aufregen oder zu besorgt um sein Tier sein. Auch nicht seinen geliebten Vierbeiner ständig trösten oder liebkosen wollen, wenn er nicht will. Wohl aber zulassen, dass er bei Frauchen oder Herrchen Schutz sucht. Tiere in Panik und großer Angst sind aufgrund der Stoffwechsellage kaum ansprechbar. Im Zweifelsfall können sie sogar zubeißen, weil sie sich bedroht fühlen und nicht mehr registrieren, wer vor ihnen steht. Strafen für unerwünschtes Verhalten unter Silvesterstress sind aber absolut tabu. Sie sorgen für Vertrauensverlust über das Fest hinaus Wenn bis auf die Knallerei alles ist wie sonst auch, vermittelt das dem Tier viel Sicherheit.

Annette Herbing verbingt seit Jahren Sylvester im Tierheim. „Ich setze mich zu den besonders ängstlichen Hunden in den Zwinger“, erzählt sie.  

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