zur Navigation springen
Gadebusch-Rehnaer Zeitung

15. Dezember 2017 | 01:55 Uhr

Meisterschaft : Sie spinnen den längsten Faden

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Frauen und Männer gingen auf dem Arche-Hof in Kneese bei den Norddeutschen Meisterschaften an den Start

svz.de von
erstellt am 01.Sep.2014 | 19:45 Uhr

Während andere sich einen entspannten Erntefest-Rundgang auf dem Arche-Hof Kneese gönnten, hielten sie die Fäden in der Hand: 15 Frauen und Männer, die hinter ihren Spinnrädern saßen und schon mal zur Probe etwas Wolle in strickbares Garn verwandelten. Im Rahmen der Offenen Norddeutschen Spinnmeisterschaft ließen sie die Räder surren.

Der Wettbewerb, bei dem es galt, innerhalb von einer Stunde den längsten Faden aus 80 Gramm Wolle zu spinnen, stand unter der Schirmherrschaft von Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus. Als Hauptgewinn winkte eine tönerne Glocke, hergestellt von Mitarbeitern des Lebenshilfewerks, gestiftet von Landrätin Kerstin Weiss. „Diese Glocke wird den Grundstock legen für ein Glockenspiel, dass auf dem Arche-Hof in den nächsten Jahren entstehen und stetig wachsen soll“, erklärt Wolfgang Woitag.

Schon zum sechsten Mal organisiert er den Wettkampf der Hobbyspinner in Kneese, setzt sich auch gerne selbst hinter das Rad. Für eine Kollage aus Filz und Wolle suchte er vor Jahren einen schlecht gesponnenen unregelmäßigen Faden. „Den konnte mir keiner spinnen, da habe ich selbst angefangen.“

Irmtraut Biederstädt aus Lassahn ist eine der Teilnehmerinnen: „Ich nehme am liebsten die ungewaschene, noch fetthaltige Rohwolle, sie gleitet besser durch die Hand.“ Bei der Meisterschaft musste sie sich mit gewaschener Wolle begnügen, die beim Start wie eine vom Himmel gepflückte weiße Wolke auf dem Schoß der Teilnehmer ruht.

Unermüdlich bewegen sich die Füße, kontinuierlich zupfen Hände Wolle aus den weißen Wollwolken. Viel Übung braucht es, bis dieses Zusammenspiel einen gleichmäßig dünnen Faden ergibt. „Bei Anfängern wird er noppig, dick und unregelmäßig, weil man entweder auf seine Füße oder die Hände achtet“, erzählt Biederstädt, während ihr der Faden durch die Finger gleitet.

Roswitha Lindow ist extra aus Schwerin gekommen, um in Kneese dabei zu sein. Wie Biederstädt gehört sie zu den Montagsspinnern, die sich regelmäßig in Breesen zum Spinnen treffen. „Das ist meine Meditation. Wenn ich von der Arbeit komme, setze ich mich ans Spinnrad. Dann fällt aller Stress von mir ab.“ Unter den Teilnehmern in Kneese ließen auch drei Männer die Räder surren. Heinz Reichhoff aus Neustrelitz hat seines selbst gebaut. Regelmäßig verbessert er dessen Technik. „Früher war Spinnen reine Männersache, erst später wurde es den Frauen überlassen.“ Die waren in Kneese eindeutig besser. Sorgfältig wurden nach einer Stunde die Fäden von den Spulen gewickelt und genau nachgemessen.

Während Siegerin Karin Pluger ihre 80 Gramm Wolle in einen 306,20 Meter langen Faden verwandelt hatte, waren daraus bei Manfred Bliß, als bester Mann auf dem elften Platz, nur 115 Meter geworden. Roswitha Lindow durfte als Zweitplatzierte 303,30 Meter Wollfaden mitnehmen, Gabriele Danke als Dritte immerhin 240,65 Meter.

Wer nach einer Stunde noch nicht genug hatte, konnte sich zum Wettbewerb im Gruppenspinnen anmelden, bei dem drei Spulen gleichzeitig von einem Spinnrad angetrieben wurden.



zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen