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Polizistin Andrea Schott : Sie bringt die Drogen in die Schule

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Die Polizistin Andrea Schott zeigt Schülern, Lehrern und Eltern wie Drogen aussehen und welche Risiken sich Konsumenten aussetzen

von
erstellt am 22.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Mit Drogen in die Schule? Andrea Schott darf das. Denn sie ist die Drogenbeauftragte der Polizei und zeigt Schülern, Lehrern und Eltern in Westmecklenburg wie Drogen aussehen und welche Risiken sich Konsumenten aussetzen. Im Interview mit Redakteur Michael Schmidt spricht Andrea Schott über Motive, Folgen und Hilfsmöglichkeiten.


Frau Schott, wann, wo und mit wem haben Sie zum ersten Mal geraucht?
Das war zu tiefsten Ost-Zeiten mit meinem ersten Freund – in einem Wald. Er hatte eine Marlboro-Zigarette dabei, die er von seinem Vater stibitzt hatte.

Probierten Sie aus Neugier, Langeweile, Protest oder war ein Stück Romantik dabei?
Ich glaube, es war damals ein Stück weit Neugier. Romantik war auch im Spiel. Und es war unsere Gemeinsamkeit, unser Geheimnis. Von Gruppendynamik würde ich noch nicht ganz sprechen. Diese und Langeweile spielen heutzutage übrigens durchaus auch eine Rolle, wenn Schüler zu Drogen greifen.

Was für Zeug nehmen Schüler denn heute?
Los geht es mit dem relativ „harmlosen“ Rauchen von Zigaretten. Mit zehn, elf Jahren greifen die ersten Kids zu Kippen. Allgemein betrachtet, hat das Rauchen von Zigaretten in den vergangenen 15 bis 20 Jahren aber nachgelassen. Stattdessen hat der Cannabis-Konsum zugenommen. Mit 12, 13 Jahren sind Jugendliche heutzutage bereit, Cannabis auszuprobieren. 70 bis 80 Prozent der Schüler bekommen das Zeug übrigens aus ihrem Freundeskreis. Eltern sollten also nicht denken, dass ihr Kind niemals in Kontakt mit Drogen geraten könnte. Innerhalb weniger Stunden könnten mir beispielsweise 40 Prozent einer achten Klassenstufe Cannabis in Nordwestmecklenburg organisieren.

Welchen gesundheitlichen Risiken setzen sich Konsumenten aus?
Bei einem regelmäßigen Konsum kann das auf Organe wie die Lunge gehen. Durch die große Inhalierungstiefe werden sehr viel Dreckstoffe aufgenommen. Hinzu kommen mögliche psychische Auswirkungen. So können beim Cannabis-Rauchen drogeninduzierte Psychosen entstehen. Zum Beispiel dann, wenn es eine Vorbelastung in der Familie gibt, aber auch bei Jugendlichen in der Pubertät.

Was sind weiteren Risiken?
Wir haben auch in MV Chargen festgestellt, die zum Beispiel mit Haarspray gestreckt wurden. Es gab auch Chargen, die Schwermetalle wie Blei enthielten und vom Körper nicht abgebaut werden können. Weitere Streckungsmittel waren zum Beispiel Strichnin und Brix, das aus Zucker, Hormonen und flüssigem Kunststoff besteht.

Was blüht denjenigen, die mit Drogen erwischt werden?
Der Besitz von Cannabis ist nach wie vor verboten. Selbst wenn Verfahren wegen zu geringer Mengen von Cannabis eingestellt werden, geht immer eine Meldung an die Ordnungsbehörde – egal ob der Jugendliche 14 oder 17 ist. Was viele nicht bedenken: Sobald sie zum Beispiel ihre Fahrschule gemeistert haben, kann die Behörde das Ausstellen eines Führerscheins blockieren und zunächst einen Drogentest verlangen. Dieser kann bis zu 150 Euro kosten und ist selbst zu zahlen.

Gibt es weitere Konsequenzen, an die junge Menschen beim Drogenkonsum nicht denken?
Ja, das kann zum Beispiel zu einem Eintrag in das große polizeiliche Führungszeugnis führen. Ist dies dann der Fall, können Arbeitgeber wie Polizei, Berufsfeuerwehr, Bundeswehr, öffentliche Verwaltung ohne Angabe von Gründen Bewerber ablehnen. Auch Leuten, die einen Erzieherberuf anstreben, droht das Bewerbungs-Aus.

Woran können Lehrer, Eltern, Vereinstrainer erkennen, dass ihre Schützlinge Drogen nehmen?
Das kommt auf das Konsumverhalten an. Häufig weit geöffnete Pupillen oder wässrig rote Augen können erste Anhaltspunkte sein. Auch ein Zensurenspiegel, der innerhalb von drei Monaten in den Keller geht, kann ein Indiz für Drogenkonsum sein.

An wen können sich Eltern dann Rat suchend wenden, ohne eine Ermittlungswelle auszulösen?
Wenn der Verdacht besteht, empfehle ich Eltern immer, zu einer Suchtberatungsstelle zu gehen. Auch Schulsozialarbeiter, die über ein großes Netzwerk verfügen und einer Schweigepflicht unterliegen, können in so einem Fall helfen. Was mir persönlich enorm wichtig ist, dass Eltern sich Zeit nehmen für ihre Kinder und dass sie für sie den „Tatort“ dann auch mal „Tatort“ sein lassen, da die Familie die wichtigste Säule im Leben ist.
 

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