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Ausstellung in Wismar : Seine Kunst soll aufrütteln

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Volkmar Försters Malerei, Zeichnungen, Druckgrafiken und Installationen im Baumhaus

Seine „Bildinszenierungen“ zeigt Volkmar Förster im Wismarer Baumhaus. Fünf Räume, gefüllt mit jeweils verschiedenen Themen und Techniken, die als Kunstwerk für sich aufgeschrieben und edel gerahmt über dem jeweiligen Türbogen im Baumhaus hängen. „Der zertanzte Traum“ steht so überm ersten Raum. Dort fallen die überlebensgroßen, menschlichen Abbildungen auf. In einem Gestell hängen sie dicht an dicht nebeneinander. Im dichten Schwarz-Rot tänzeln die Figuren, bewegen sich. Farbholzschnitte auf luftigem Chinapapier, zeitlos schön.

Dabei setzt er sich mit diesen 15 Bildern ganz konkret mit der eigenen Vergangenheit auseinander. „Das ist mein Leben in der DDR“, zeigt er auf die Bilder, macht auf die typischen DDR-Landschaften im Hintergrund der Tänzer aufmerksam. Und lächelt schelmisch: „Das wissen ja die meisten nicht, dass wir in der DDR auch getanzt haben.“ Aber: Die Menschen haben es falsch angepackt, sie haben sich ihren Traum zertanzt. Viel Philosophie für einen Rotwein-Abend zwischen den schwarzen und roten Flächen.

In Wismar ist Volkmar Förster kein Unbekannter. Im Dezember 2013 stellte er in der Galerie Hinter dem Rathaus aus. Damals noch viele Landschaften, die er – so seine eigenen Worte – ziemlich konservativ gezeichnet hat. Im Baumhaus zeigt er Neues. „Jeder Sache folgt eine andere“, antwortet er auf die typische Frage nach der Inspiration. „Ich kultiviere nie eine Technik, ich will immer Neues ausprobieren“, erklärt er die verschiedenen Techniken und Werke, die allesamt erst in den vergangenen vier Jahren entstanden sind.

Ein Baumhaus-Raum ist so mit „Unser täglich Brot“ überschrieben. An den Wänden hängen 12 Farbholzschnitte und Collagen, die immer in der ähnlichen Perspektive meist augenlose Menschen zeigen. In ihre übergroßen, gefährlich bezahnten Münder schaufeln sie Essbares. „Wenn man in einem Nobelrestaurant alles noble weg lässt, ist das Essen genauso ästhetisch wie bei den Tieren“, erklärt Förster. In der Mitte des Raumes zeigt er, was im Gegensatz zum tierischen Fressen beim Menschen übrig bleibt. Müll. Aufgetürmt zur auf der Spitze stehenden Pyramide, in der Luft schwebend und immer mit der Option des Fallens, des Umkippens. Unter der Müllpyramide steht „Wissenschaftler haben herausgefunden, daß sich im pazifischen Ozean ein riesiger Trichter mit plastikverseuchtem Meerwasser ausdehnt. Im Inneren ist die Konzentration von Plastikteilchen um ein Vielfaches größer als das natürliche Plankton. Letztendlich gelangen die Plastikteilchen in die Nahrungskette des Menschen. Unser täglich Brot.“
Das Œuvre des Künstlers ist beeindruckend. Bedrohliche Todesvögel setzt er neben liebreizenden Schwanengesang, setzt sich in Farbradierungen, Collagen und mit Kalligrafie mit der Nibelungengeschichte auseinander – intensive Bilder in Schwarz, Rot und Gold mit eigenen Texten.


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