Boltenhagen : Sehbehinderte gehen dank Hunde in Ostsee baden

Peter Szibor, Manfred und Marita Schulz sowie Paul Kunth, Gerlinde Rothfeld und die beiden Hunde Diana und Nala waren die Hauptakteure beim Blindenschwimmen.  Fotos: Maik Freitag
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Peter Szibor, Manfred und Marita Schulz sowie Paul Kunth, Gerlinde Rothfeld und die beiden Hunde Diana und Nala waren die Hauptakteure beim Blindenschwimmen.

Wasserrettungshunde des DRK ermöglichen Blinden Schwimmerlebnis in Boltenhagen

svz.de von
09. August 2016, 02:27 Uhr

Manfred Schulz ist seit zwölf Jahren blind. Nur noch auf eine Entfernung von 30 Zentimetern kann der Schweriner einige Dinge erkennen. Ein Diabetes sorgte in seinem 46. Lebensjahr dafür, dass er sein Leben komplett umstellen musste. In diesem Jahr hat der 58-Jährige eine neue Herausforderung gefunden. In Boltenhagen nimmt er dank der Wasserrettung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Grevesmühlen hin und wieder am Badeabend in der Ostsee teil. Dabei lässt er sich von Wasserrettungshunden führen und ziehen. Beim jüngsten Ausflug ging es erstmals so tief, dass Manfred Schulz nicht mehr stehen konnte.

„Ich kann das Gefühl eigentlich gar nicht beschreiben. Ich sehe nichts und habe keinen Grund unter den Füßen. Da werde ich sehr, sehr nervös“, erzählte der Schweriner, der nur für dieses Schwimmen immer wieder in das Ostseebad kommt und ein bis zwei Tage Urlaub damit verbindet. „Ich habe Ostern das erste Mal von dieser Aktion erfahren und seitdem komme ich mit meiner Frau her“, sagte der 58-Jährige. Die Sicherheit, mit einem ausgebildeten Wasserrettungshund und einer Begleitperson baden zu können, sei sonst nie gegeben. „Wir agieren immer als Team. Der Hund und der Mensch als Einheit“, erklärte Peter Szibor, der ehrenamtlich für das DRK viele Wassersportveranstaltungen mit seiner Hündin Nala betreut. Hinzu kam an dem Tag Kollegin Gerlinde Rothfeld mit ihrer dreijährigen Neufundländerin Diana. „Diese Hunde eignen sich besonders gut, denn sie haben Schwimmhäute zwischen den Zehen“, sagte Peter Szibor. Bis zu 500 Kilogramm könnten die Hunde im Wasser schwimmend hinter sich herziehen. Ein kleines Boot sei kein Problem, erklärte der Rettungsschwimmer.

Auch Urlauber wollten sich bei dem wöchentlichen Trainingsabend der Wasserrettung nicht die Chance entgehen lassen, mit den beiden Hunden zu schwimmen. Bennet Keßlau (6) aus Berlin und Laura-Sophia Seifert (11) aus Altenburg bekamen gar nicht genug von den beiden Hunden und ließen sich immer wieder von ihnen durch die Ostsee ziehen. „Das ist toll. Der Hund zieht und zieht. Man braucht sich nur an der Leine festzuhalten“, erzählte Bennet Keßlau, der mit Oma und Uroma in Boltenhagen Urlaub machte. Ähnlich sah es auch Manfred Schulz, der zum vierten Mal die Möglichkeit wahr nahm und erstmals so weit hinausschwamm, dass er keinen Grund mehr unter den Füßen verspürte. „Das habe ich noch nie gemacht. Ich war ganz schön aufgeregt“, sagte der 58-Jährige und ließ sich anschließend vom 18-jährigen Paul Kunth, ebenfalls ehrenamtlicher Rettungsschwimmer am Ploggensee in Grevesmühlen, an den Strand ziehen. „Das ist für alle gleich Training. Ich weiß, wie ich mich verhalten muss, wenn mir was passiert und Paul übt den Ernstfall“, sagte Manfred Schulz. Er wolle im Sommer noch so oft wie möglich die Chance wahrnehmen, an den Abenden des DRK teilzunehmen.



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