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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

15. Dezember 2017 | 07:18 Uhr

Fischerei : Seehasen-Saison in der Wismarbucht

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Die ersten Seehasen sind den Berufsfischern in der Ostsee in die Netze gegangen

svz.de von
erstellt am 26.Jan.2014 | 00:00 Uhr

Noch wird in der Wismarbucht fleißig gefischt. Das milde Wetter machte es in diesem Januar bisher noch möglich und trotz der ersten Dauer-Minusgrade hoffen die Berufsfischer, dass dies noch eine Weile so bleiben möge. Denn neben Dorsch und Plattfisch zeigen sich derzeit hässlich dreinblickende Schuppentiere in den Stellnetzen. „Es sind die einzigen Hasen, die unter Wasser Eier legen“, heißt es an der Fischerpier am Alten Hafen. Der spaßige Unterton macht neugierig und scheint zudem manche Besucher zu amüsieren. Schließlich handelt es sich um den wirklich so genannten Seehasen und kein Langohr.

„Eigentlich wird dieser Fisch erst ab März oder April bei uns erwartet, sagt Martin Sager an Bord seines Kutters „Seeadler“. Doch Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. Natürlich können sich weder er noch seine Mitstreiter an Bord ein schelmisches Lächeln über diesen Eier legenden Hasen unter Wasser verkneifen.

Richtig ist allerdings, dass es sich dabei keinesfalls um Fischerl¬tein handelt. Der jetzige, wenn auch verfrühte Aufenthalt in den flachen Ostseegewässern und ebenso im Wattenmeer ist dem natürlichen Trieb auch dieser Fischart geschuldet, eben in diesen ausgewählten Seegebieten zu laichen. Das bisher noch relativ warme Wasser muss eine solche Lust wohl beflügelt haben. So sollen die größeren, dunkelgrau-bläulich bis schwarz gefärbten Weibchen bis zu 100 000 Eier ablegen. Für die Mutterfische ist damit die Arbeit getan und sie ziehen sich wieder in tiefere Regionen der Nordsee zurück. Die kleineren Männchen, so heißt es, bleiben dafür noch eine Weile bei der Nachkommenschaft. Ob dieser Fang wirklich so lukrativ ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Immerhin verlangt das Schlachten einen erheblichen manuellen Aufwand. Denn der Seehase besitzt zwar nur eine durchgehende Gräte. Doch dafür ist die Ausbeute der verwertbaren Teile, ganz anders als zum Beispiel beim Dorsch, recht gering. Doch der Wismarer Berufsfischer scheut die Arbeit nicht, die ihm mit einem scharfen Messer recht flink von der Hand geht. Der übrig gebliebene Rest lässt sich dennoch in verschiedener Weise zubereiten, zum Beispiel sauer eingelegt. Oder die Stücke des Seehasen werden in die Räucherkammer gehängt. Insider behaupten sogar, dass er, so veredelt, noch besser schmecken soll als Aal. Vor allem in kleineren Portionen geschnitten, so dass der Rauch noch besser durchziehen kann, sei dies in Genuss.

Ungeachtet dessen bleibt der Dorsch in diesen Breiten einer der ertragreichsten Fische. Allerdings macht er sich inzwischen in den Gewässern der Wismarbucht rarer, als in früheren Zeiten. „Leider, so richtig will er hier nicht mehr in die Netze gehen“, bestätigt der 35-jährige Martin Sager – derzeit derzeit jüngste Berufsfischer von Wismar.

Wie lange die Kutter und Boote überhaupt noch vor der Hansestadt fischen können, vermag niemand zu sagen. Denn es beginnt inzwischen deutlich frostig zu werden. Noch sind die inneren Gewässer passierbar. Das sah vor einem Jahr um diese Zeit ganz anders aus. Es herrschte eisige Ruhe an der Fischerpier im Alten Hafen. Deshalb zählt für die Berufsfischer jeder Tag auf See. Auch wenn es nur noch ganz wenige sind, die vor den Toren der Hansestadt diesem harten Beruf nachgehen, so müssen sie dennoch davon leben können.

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