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Marodes Bauwerk : Seebrücke zwischen Lust und Last

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Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Die Seebrücke von Wismar gilt als touristisches Erlebnis in der Hansestadt. Doch mit zunehmendem Alter steigt auch der Sanierungsbedarf

svz.de von
erstellt am 26.Jan.2014 | 21:45 Uhr

Spaziergänge auf der Wendorfer Seebrücke sind zu jeder Jahreszeit beliebt. Doch mehr gibt das eigentlich moderne Wasserbauwerk nicht her. Denn in den vergangenen 20 Jahren seit dem Bau wurde es seiner maritim-touristischen Bestimmung als Anlegestelle für Bäderschiffe nicht gerecht. Zaghafte Versuche, eine Schiffslinie zwischen dem Alten Hafen und dem Seebad Wendorf zu betreiben, scheiterten aus Rentabilitätsgründen bereits nach wenigen Wochen. So blieb es bisher lediglich Spaziergängern vorbehalten, die 300 Meter bis dicht an das Hauptfahrwasser abzulaufen. So lässt sich die See unmittelbar spüren, um von Salzwasser gebeizte, gesunde Ostseeluft zu tanken. Mit etwas Glück gibt es noch einen Schiffe-Gucken-Bonus dazu.
„Ich genieße auch zu dieser Jahreszeit jeden Tag den erfrischenden Spaziergang, das maritime Flair und den schönen Blick auf Hafen und Werft, wenn es das Wetter irgendwie zulässt“, äußert sich der Wendorfer Gerhard Ewert. Damit darf sich der inzwischen 80-jährige, einstige Schiffbauer, der jetzt seit 51 Jahren in diesem Stadtteil lebt, als einer der Langzeit-Seebrücken-Dauerbesucher zählen. Und er hat miterlebt, wie der moderne Weg über das Wasser, angefangen von den Gründungsarbeiten bis zur Fertigstellung, gewachsen ist. Doch das ist inzwischen wieder gut 20 Jahre her. „Eigentlich hätte das Holz länger halten müssen, wenn es das lange haltbare Material aus Lerche sein soll, was dort aus russischen Wälder verbaut wurde“, konstatiert er mit kritischem Blick auf das teils schon recht marode Geländer. Dort enden längere Risse im oberen Holz der Seitengeländer meist in morschen, ausgehöhlten Stellen. Pockiger Pilzbefall führt zur weiteren Zersetzung.

„Natürlich ist die Situation bekannt, deshalb wurden bereits vor Jahren die Laufbohlen komplett erneuert“, so die Information von Andreas Nielsen. Der Pressesprecher der Hansestadt weiß ebenso um die Situation der defekten Seebrückenbeleuchtung. Auch sei es kein Geheimnis, dass der Erhalt der Seebrücke mit nicht unerheblichen Kosten verbunden ist. Denn Erlöse bekommt die Stadt nicht, da sie keine Einnahmen wie anderen Ortes durch Nutzungs- oder Liegeplatzgebühren erzielt.

Ordnungsrechtlich ist zwar weiterhin das Hafenamt für die Seebrücke zuständig. Aber mit Beginn dieses Jahres übernahmen die Entsorgungs- und Verkehrsbetriebe (EVB) der Hansestadt die Zuständigkeit für die Seebrückenerhaltung. „Wir haben im vergangenen Jahr bereits eine Bewertung des Zustandes der Brücke vorgenommen. Damit fällt ein Sanierungsbedarf in erheblichen Größenordnungen an. Das betrifft nicht nur das gesamte Geländer, sondern ebenso die komplette Erneuerung der Beleuchtung“, so EVB-Werkleiter Udo Wäsch. Jetzt erfolgen die Planung der Mittel sowie die Einleitung der Sanierung unter den Prämissen, welche Arbeiten sofort notwendig sind und welche langfristig anstehen. Für die kostenintensivsten Maßnahmen reiche allerdings das dafür vorgesehene Haushaltsbudget nicht aus, so Wäsch weiter. In diesem Fall ist eine grundsätzliche Beschlussfassung über die Bereitstellung zusätzlicher Gelder notwendig. 1993 wurde das Bauwerk in Betrieb genommen. „Es kostete damals an die zwei Millionen DM, davon hat die Stadt 200 000 DM bezahlt“, konkretisiert der hansestädtische Stadtchronist und Buchautor Detlef Schmidt. Es war die Zeit, als ein regelrechter – und vom Land in den Nachwendejahren geförderter – Bauboom solcher Anlagen einsetzte. Inzwischen existieren 19 Seebrücken zwischen Boltenhagen und der Insel Usedom. Doch manche Gemeinde bringen diese Bauwerke in beträchtliche Schwierigkeiten. Es wurde wohl damals nicht bedacht, dass der Erhalt mit zunehmendem Alter richtig Geld kostet.
 

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