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Neustart nach Bleivergiftung : Seeadler aus Cronskamp in Freiheit entlassen

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Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Bei Cronskamp aufgefundener Seeadler nach Klinikaufenthalt in Wildnis entlassen. WWF fordert Verbot von Bleimunition in MV

von
erstellt am 26.Feb.2016 | 05:00 Uhr

Frei sein, wieder durch die Lüfte schweben, wie es sich für einen Vogel gehört – das kann seit gestern wieder einer der ältesten Seeadler Norddeutschlands über Mecklenburg-Vorpommern. Thomas Neumann (WWF Deutschland) und Dr. Elvira von Schenck (Wildpark Eeckholt, Schleswig-Holstein) gaben den 25-jährigen Tier auf den Flächen der Schnuckenschäferei Klein Salitz seine Freiheit im Unesco Biosphärenreservat Schaalsee zurück. Keine Selbstverständlichkeit: „Das Tier hatte eine Bleivergiftung“, sagt Neumann. Sie werde ausgelöst, wenn Adler Reste von bleihaltiger Jagdmunition mit der Nahrung aufnehmen.

Die Freilassung auf den Flächen des Zweckverbandes Schaalseelandschaft hat Symbolkraft. Während auf den landeseigenen Naturschutzflächen im Schaalseegebiet die Jagd mit bleihaltiger Munition längst verboten ist, gehen die Jäger auf angrenzenden Flächen weiter das Risiko von Bleivergiftungen bei Seeadlern ein. Neumann: „Mit Idealismus und länderübergreifender Zusammenarbeit war das Tier zu retten. Hoffentlich ist es ein Signal an Minister Dr. Till Backhaus, die bleifreie Jagd auch in Mecklenburg-Vorpommern anzuordnen.“ Im Nachbarland Schleswig-Holstein ist es längst Gesetz.

Der Leidensweg des majestätischen Seeadlers beginnt Ende 2015. Bei einem Rundgang im Wald finden Jimmy Mustin und André Teut das Tier am 27. Dezember schwer krank auf dem Waldboden bei Cronskamp. Sie wickeln das Tier in eine Decke und übergeben es dem Zoo Schwerin.

„Auf der Internetplattform Facebook bekam ich Nachricht von diesem Fund und informierte meinen Vater“, erzählt Charlotte Mohr. Vater und Schäfer Detlef Mohr unterhält seit seiner Jugendzeit gute Verbindungen zu Thomas Neumann von der WWF-Seeadlerstation Schleswig -Holstein. Für den Experten war nach dem Sichten der ersten Bilder klar: Bleivergiftung.

Die Adlerrettung ging weiter: „Das Tier wurde vom Zoo zur Seeadlerspezialistin Dr. Kerstin Müller nach Berlin gebracht. Das hat ihm vermutlich das Leben gerettet“, sagt Neumann. So habe der Adler gekeucht wie ein lungenkranker Mensch, sei matt und regungslos gewesen.

In der FU Berlin kämpfte die Tierärztin vier Wochen um das Leben des Seeadlers. Ende Januar geht es von der Tierklinik in den Wildpark Eeckholt. „Wir verfügen dort über eine eigens gebaute Seeadlervoliere“, sagt Dr. Elvira von Schenck. Unter Obhut der Wildtierärztin wird ein Flugtraining absolviert und eine spezielle Fütterung durchgeführt – der qualvolle Bleitod bleibt dem Adler erspart. „Es ist selten, dass die Tiere es überleben. Für uns war es der erste Seeadler der es geschafft hat“, sagt von Schenck. Darüber hinaus wirbt Thomas Neumann bei den Jägern, bleifrei auf die Jagd zu gehen: „Letztlich ist sogar das Wildbret besser verwertbar.“ Der Experte präsentiert eine Sterbekarte von Seeadlern im lauenburgischen Seengebiet und dem Schaalseegebiet. Seit 2009 wurden dort 13 tote Tiere registriert, darunter sieben dokumentierte Bleivergiftungen. Der Fund bei Cronskamp war der jüngste.

Auf der Anhöhe bei Klein Salitz setzt der freigelassene Seeadler mit wenigen kräftigen Flügelschlägen seinen Neustart fort. Naturschützer und Kameraleute sind gleichermaßen von der Nähe und dem Aufstieg des Vogels begeistert. Es gibt Applaus, die Anerkennung für die engagierten Kräfte im Wildpark, der FU Berlin, für die Finder und dem WWF. Darüber hinaus macht sich die Hoffnung breit, das Tier in den kommenden Jahren bei Beobachtungen über den Röggeliner oder Dutzower See wiederzuentdecken.

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