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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

19. November 2017 | 08:10 Uhr

Wismar : Schwergewichte gut gelagert

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Verein der Eisenbahnfreunde zieht erfolgreiche Jahresbilanz

„Ein wenig stolz sind wir schon“, konstatiert Andreas Nielsen kurz und knapp. Zum Ende eines weiteren Vereinsjahres zieht der Vorsitzende im Namen seiner derzeit 32 Vereinsmitglieder und zwei weiteren aktiven Sympathisanten eine recht positive Bilanz. Alle bisherigen Exponate stehen sicher und wettergeschützt unter dem gemeinsamen Lokschuppendach.

Immerhin sind es im kommenden Jahr erst 15 Jahre, in denen sie sich der Pflege und Wahrung regionaler Eisenbahngeschichte widmen. Und dies nicht nur in archivarischer Form. Ihre eigentlichen Objekte, Loks und Waggons, sind großformatig, schwergewichtig und sind oder waren nach Übernahme in einem fast verschrottungswürdigen Zustand, sodass es einem ungewöhnlichen Enthusiasmus und Mut bedurfte, sich da noch an eine Restaurierung zu wagen. „Ohne großes, persönliches Engagement geht hier gar nichts, insbesondere nicht ohne etliche Firmen und Institutionen, die uns auf unterschiedlichste Art und Weise fördern und unterstützen“, so Nielsen weiter.

Dabei verweist er auf die noch vor dem Weihnachtsfest stattgefundene letzte Aktivität des Jahres. Der Unterbringung des so genannten „Schweineschnäuzchens“ im sanierten, historischen Lokschuppen. Dabei handelt es sich um einen bereits teilrestaurierten Schienenbus aus dem Jahre 1933. Dieser wiederum entstand in der einstigen Triebwagen- und Waggonfabrik in Wismar, fest verwurzelt mit seinem Gründernamen Heinrich Podeus. Hintergrund der Entwicklung dieses leichten und anspruchslosen Triebwagens war der Einsatz auf Klein- und Nebenbahnen, so zum Beispiel im Saarland oder in Spanien. Insgesamt 84 Fahrzeuge dieses auch als VT 133 010 bezeichneten Typs entstanden so zwischen 1932 bis 1941.

Bereits am 29. April 2003 erlebte der klägliche Rest des auch als „Ameisenbär“ bezeichneten Prototyps seine Wiedergeburt auf dem Gelände der einstigen Wismarer Qualifizierungs- und Entwicklungsgesellschaft (QEG). Ziel war es, das letzte Objekt dieser Art einstiger Wismarer Industriegeschichte auf Initiative des Vereins der Nachwelt zu erhalten. Doch was da per Kran vom Transporter gehievt wurde, erinnerte eher an eine grüne, kastenförmige Gartenlaube. Ein durchaus treffender Vergleich, denn nach einem Unfall mit Ausmusterung 1950 fand sich ein Gartenbesitzer am Edersee bei Kassel, dem das Schienenbusgehäuse, denn mehr war davon nicht mehr übrig, 50 Jahre als Unterkunft diente. Dank der Firmengruppe Krebs war jetzt ein Transport aus einer Halle vor den Toren der Hansestadt zum einstigen Bahnbetriebswerk Wismar möglich. Damit komplettiert sich die Sammlung der Eisenbahnfreunde Wismars auf sechs Objekte, darunter auch Beiwagen, Personenwagen, Güterwagen und Lkw-Anhänger aus besagter Waggonfabrik-Produktion.

Nach der Teilrestaurierung durch damals geförderte Projektmaßnahmen, steht nun der Innenausbau nach einstigem Vorbild an. Zudem gibt es rund um den Lokschuppen noch eine Menge zu tun. „Im Jahr 2015 wollen wir den Gleisbau weiter vorantreiben, denn noch müssen weitere Schienenzuführungen am und im Lokschuppen neu entstehen, um Platz für weitere Fahrzeuge zu gewinnen“, so Nielsens Wunsch. Zudem gelte es, sich noch intensiver der Restaurierung von Fahrzeugen zu widmen.

Dazu gehören unter anderem der abschließende Anstrich und die Originalbeschriftung des gedeckten Schmalspur-Güterwagens der ehemaligen Franzburger Kleinbahn. Sie fuhr zwischen Stralsund, Barth und Damgarten. Auch am 1940 für die Niederbarnimer Eisenbahn bei Berlin gebauten Triebwagen-Beiwagen soll weitergearbeitet werden. Vielleicht, so Nielsen, ist am 13. September 2015 zum Tag des offenen Denkmals beim Besuch im Lokschuppen davon bereits etwas mehr zu erkennen.

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